Ausgabe 03 / 2017, Die Aktuelle, Fitness, Wellness
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Wie Yoga & Co. auch immer ältere Menschen bewegen

Yoga: Katze trifft Sonnengruß

Gerade ältere Menschen haben häufiger Hemmungen, Sport zu treiben, aus Angst, sich zu verletzen. Dabei können sie durch sanfte Bewegungen ihren Körper stärken und Krankheiten vorbeugen. Zudem wirkt sich moderate sportliche Betätigung ausgleichend auf die Psyche aus und hält den Geist auf Trab.

Text: Agata Henkel

 

Besonders geeignet für Senioren sind fernöstliche Entspannungstechniken wie Tai-Chi, Qigong oder Yoga. Sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie, in abgewandelter Form, auch von Senioren, die körperlich eingeschränkt sind, ausgeführt werden können. Bei ihnen liegt der Fokus nicht auf sportlichen Höchstleistungen, sondern darauf, Körper, Geist und Co. in Einklang zu bringen. Aus diesem Grund gibt es auch keine Altersbeschränkungen für diese Bewegungsformen. Vielmehr sollten die Teilnehmer die Übungen an ihre körperlichen Möglichkeiten anpassen, um Schmerzen zu vermeiden. Muskeln, Knochen und Bänder sind im Alter oftmals nicht mehr so belastbar. Daher ist es ratsam, die Bewegungsformen nur unter professioneller Anleitung auszuführen. Werden diese Sicherheitsmaßnahmen getroffen, dann können Yoga, Tai Chi und Qi Gong vielen Beschwerden, die im Alter auftreten, entgegenwirken.

Verbesserte Lebensqualität dank fernöstlicher Bewegungsformen

Oftmals haben ältere Menschen das Gefühl, dass ihre Kräfte nachlassen, was ihnen das Gefühl des Ausgeliefertseins gibt. Ihnen können die fernöstlichen Bewegungsformen wieder das Gefühl geben, etwas bewirken und selbst zu einer verbesserten Lebensqualität beitragen zu können. Zudem stärken Yoga, Tai Chi und Co. das Herz-Kreislauf-System, heben die Laune und führen so zu einer größeren psychischen Ausgeglichenheit. Dies kommt auch Menschen mit Blasenschwäche zugute. Ab dem 50. Lebensjahr steigt das Risiko für Blasenschwäche deutlich, von den über 70-jährigen sind rund 40 Prozent von einer Blasenfunktionsstörung betroffen. Yoga kann hier helfen, den Beckenboden zu stärken und damit die Beschwerden zu lindern. Zudem soll sich die durch die Bewegungsformen hervorgerufene Entspannung positiv auf stressbedingte Blasenschwäche auswirken. Speziell beim Yoga kommt es dabei nicht auf das lange Halten oder die perfekte Ausführung der Übungen (Asanas) an. Viel mehr wird Wert auf Wiederholungen, das Atmen und die Entspannung gelegt. Zudem ist es sinnvoll, sich um einen guten Stand zu bemühen und darauf zu achten, dass die Bewegungen bequem durchgeführt werden können. Alles, was schmerzt, sollte unterlassen werden. Gut beraten ist hier, wer auf sein Bauchgefühl hört und seine Grenzen nicht überschreitet. Vermieden werden sollten zudem Kopfüber-Asanas, da sie schnell zu Schwindel und Gleichgewichtsproblemen führen können. Stattdessen ist es möglich, die Übungen abzuwandeln und die Wand oder einen Stuhl als Stütze hinzuzuziehen und nur die halbe Beuge nach vorne zu machen.

Anregend für Verdauung und Durchblutung

Als besonders seniorengerechte Übungen bieten sich die Katze, die Stellung des Kindes, die ersten beiden Krieger-Posen und der Sonnengruß an. Durch die KATZE werden Verspannungen
im Rücken und Nacken gelöst. Zudem hilft die Übung gegen Müdigkeit und regt die Verdauung sowie die Durchblutung an. Um Schwindel vorzubeugen, kann ein Stuhl als Hilfsmittel gewählt werden. Die Stellung des KINDES wird oft zwischen anderen Übungen praktiziert und hilft gegen Beschwerden im Rücken oder in den Schultern sowie gegen Kopfschmerzen und Schwindel. Durch die beruhigende Wirkung auf den Geist und die Nerven eignet sie sich gut, um abzuschalten und zu entspannen.

Älteren Menschen, denen das Knien schwerfällt, sind die ersten beiden KRIEGER-POSEN der Krieger-Asanas zu empfehlen. Bei diesen spielt das Atmen und die Dehnung eine wichtige Rolle. Durch die Übung wird die Muskulatur gestreckt und der Gleichgewichtssinn, die Lunge sowie die Konzentration gestärkt.

Der SONNENGRUSS schließlich eignet sich besonders gut, um die Atmung zu vertiefen und den gesamten Körper zu entspannen. Besonders bieten sich hier die Berghaltung inklusive der Streckung der Arme nach oben sowie der herabschauende Hund an. Dieser kann auch leicht modifiziert werden, indem ein Stuhl als Armstütze genommen wird.

Hilfreich bei Rehabilitation nach Krankheit

Im Vergleich zum Yoga stellt Tai Chi noch weniger körperliche Anforderungen an den Übenden. Prinzipiell gilt: Wer in der Lage ist, sich langsam zu bewegen, der kann auch Tai Chi ausüben. Die langsamen, fließenden Bewegungen tragen zur Entspannung des ganzen Körpers bei. Besonders Rücken- und Nackenproblemen kann so begegnet werden. Darüber hinaus hilft die fernöstliche Bewegungsform bei der Rehabilitation nach einer Krankheit und sorgt dafür, wieder in den „Fluss zu kommen“. Nicht zuletzt kann Tai Chi, werden die Bewegungen schnell  ausgeführt, auch der Selbstverteidigung und damit der inneren Sicherheit dienen.

Wer körperlich stärker eingeschränkt ist, für den bietet sich Qi Gong an. Die sanften Übungen können auch im Rollstuhl ausgeübt werden und tragen zu einer besseren Beweglichkeit, geschmeidigen Muskeln und Bändern sowie zu einer guten Funktionsfähigkeit der inneren Organe bei. Nebenbei sorgen sie für einen guten Stoffwechsel. Beste Voraussetzungen also, um in jedem Lebensalter gesund und aktiv zu bleiben.

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