Die Aktuelle, Ausgabe 03 / 2019, Ratgeber, Rehabilitationstechnik
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Wohnumfeld-Beratung Teil 4: Küche und Bad

Bis ins hohe Alter in den eigenen vier Wänden bleiben. Vermutlich träumt jeder Mensch davon, besonders dann, wenn mit dem wohnlichen Umfeld Erinnerungen und ein Gefühl der Geborgenheit verbunden sind. Mit entsprechenden Wohnumfeldmaßnahmen kann dieser Wunsch Realität werden. Sanitätshäuser, wie das Vitalzentrum Kühlmuss & Grabbe, bieten eine umfassende Beratung für Betroffene und Angehörige. Vor allem in Badezimmer und Küche lauern spezifische Gefahren. Diese vermeiden zu helfen ist Aufgabe von Wohnumfeld-Experten Jörg Rolf.

Text: Gunnar Roemer

Für Elke Sömmering* ist es eine lieb gewordene Routine. Jeden Morgen bereitet sie für sich und ihren 82-jährigen Mann das Frühstück vor. Ronald Sömmering*, pensionierter Gymnasiallehrer aus Detmold, bringt es auf den Punkt: „Wir haben dieses Haus in den 70er-Jahren gebaut, unsere Kinder sind hier groß geworden und auch unsere Enkel kommen gerne vorbei. Es ist einfach unsere Heimat, die wir so lange wie möglich erhalten wollen. Ins Heim ziehen wir nur, wenn sprichwörtlich gar nichts mehr geht.“ Eine schwere Arthritis seiner Frau hätte die traute Zweisamkeit im Eigenheim aber beinahe zerstört. „Ich koche leidenschaftlich gerne, kann aber kaum noch länger als fünf Minuten stehen. Bei der morgendlichen Dusche sieht es kaum besser aus“, sagt die 80-Jährige.

Patientenfreundlicher Küchenumbau

„Sowohl in der Küche als auch im Bad müssen Menschen lange stehen“, erklärt Fachmann Jörg Rolf, Wohnumfeldberater und Geschäftsführer des Vitalzentrums Kühlmuss & Grabbe. Gleichzeitig lauern in diesen Räumen spezifische Gefahren, wie der rutschige Fußboden oder der überkochende Topf. Das Ehepaar Sömmering suchte Rat bei Herrn Rolf. Nach einer Bestandsaufnahme vor Ort riet der Experte zunächst zu Umbaumaßnahmen in der Küche. „Wichtig ist, dass die Menschen so lange wie möglich ihren Hobbys nachgehen können. Frau Sömmering liebt das Kochen, sie probiert gerne neue Gerichte aus. Daher legten wir bei der Besichtigung der Räumlichkeiten einen ersten Fokus auf die Küche“, erinnert sich der Fachmann. Herd, Schränke, Spüle und Arbeitsplatten wurden nach Genehmigung durch die Pflegekasse in der Höhe so angepasst, dass die passionierte Hobbyköchin alle Arbeiten sitzend erledigen kann. Die gesamte Kücheneinrichtung ist so konzipiert, dass sie mit dem Rollstuhl unterfahren werden kann. Herausfahrbare Unterschränke und die Absenkung von Küchenoberschränken mittels maschineller Absenkvorrichtung komplettieren die Wohnumfeldmaßnahme. Sehr zur Freude von Ronald Sömmering, der weiterhin die Kochkünste seiner Ehefrau genießen darf.

Maßnahme erleichtert tägliche Körperpflege

Häufig beginnt und endet ein Tag aber im Badezimmer. Ein Problem verbindet sowohl Frau als auch Herrn Sömmering: „Es fällt uns beiden schwer, von der Toilette aufzustehen. Meiner Frau wegen ihrer Hüfte und mir wegen mitunter starken Rückenschmerzen. Daher riet uns Herr Rolf zu einer Toilettensitzerhöhung und Haltegriffen“, berichtet der Pensionär. Frau Sömmering ist wegen ihrer Beschwerden zwar nicht an den Rollstuhl gebunden, nutzt diesen aber häufig bei Tätigkeiten, die ein langes Stehen erfordern, wie das Kochen. Eine kleine Stufe an der Schwelle
zum Badezimmer wurde daher entfernt. „Sowohl mit Rollstuhl als auch Rollator komme ich nun problemlos ins Bad“, freut sich Elke Sömmering. Die größten Sorgen bereitete dem heimatverbundenen Paar aber etwas anderes: Badewanne durch Duschkabine ersetzen In dem Badezimmer existierte bisher nur eine Badewanne, die auch als Dusche genutzt wurde. Hier war es dem Ehepaar in den letzten Monaten nur noch unter größter Mühe möglich, der täglichen Körperreinigung nachzukommen. „Im Stehen war das Duschen zunehmend unbequem, sitzend kamen wir kaum noch aus der Badewanne heraus“, berichtet der Studienrat a. D. Seine Frau ergänzt: „Überhaupt erst hineinzukommen war schon gefährlich und schmerzhaft. Nach einem Sturz vor drei Monaten hatte ich immer Angst und habe mich nur noch zweimal in der Woche geduscht. Wie man sich da fühlt, kann sich jeder selbst ausmalen.“ Für den Experten war klar: „Hier muss eine Duschkabine rein – und zwar barrierefrei und groß genug.“ Seit drei Wochen steht sie nun, die Kabine. Die Badewanne wurde entfernt.

Türen müssen ausreichende Breite aufweisen

Die neue Duschkabine erfüllt die wesentlichen Kriterien:

  • Sie ist barrierefrei und ebenerdig zu betreten.
  • Sie ist groß genug, damit ein Duschstuhl problemlos hereinpasst.
  • Die Halterungen und Ablageflächen sind so verstellbar, dass sie im Stehen und Sitzen erreicht werden können.

Die Kabine ist von vorneherein so konzipiert, dass sie mit einem Duschrollstuhl befahren werden kann, also mit breiter Eingangstür. Glücklicherweise waren die Türen der anderen Räume von vorneherein breit genug, um mit einem Rollstuhl hindurchzukommen. „Als hätten wir es damals beim Bau geahnt“, freut sich Roland Sömmering.

*Die Namen wurden von der Redaktion geändert.

Das Sanitätshaus & Vitalzentrum Kühlmuss & Grabbe in Detmold wurde 1990 gegründet und beschäftigt derzeit 76 Mitarbeiter. Mehr über das Sanitätshaus mit dem lächelnden Gesicht erfahren Sie auf folgender Internetseite: www.vitalzentrum.com

Übrigens: Pro Wohnumfeldmaßnahme stellt die Pflegekasse bis zu 4.000 EUR zur Verfügung, sofern eine Pflegebedürftigkeit festgestellt wurde. Bei mehreren Pflegebedürftigen in der Wohnung liegt der höchste Gesamtzuschuss bei 16.000 EUR.

Bildnachweise Headerfoto: © Kühlmuss & Grabbe GmbH