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gelesen: Georg Baselitz, Alexander Kluge - Weltverändernder Zorn

Weltverändernder Zorn – Nachricht von den Gegenfüßlern

Die Geschichte der Menschheit ist auch eine Geschichte des Zorns. Zorn und Eigensinn sind nächste Verwandte. Bei Georg Baselitz und im Werk von Alexander Kluge sind das grundlegende Kategorien. Zorn ist dynamisch, kann aufwachsen und mit eruptiver Plötzlichkeit sich entladen in flammenden Protest, in Revolte, Revolution und Krieg. Im Typus des Helden konzentrieren sich seine Energien. Georg Baselitz und Alexander Kluge spiegeln den melancholisch geprägten Typus des abendländischen Helden (und seiner Dekonstruktion) mit dem so ganz anderen Heldenethos der japanischen Antipoden, der »Gegenfüßler«. Mächtiger aber noch als jeder Zorn ist der Witz, der in dem ausgestreckten Finger des japanischen Meisters Katsushika Hokusai auf unser Europa zeigt.

Obwohl Alexander Kluge, geboren 1932 in Halberstadt,zu den wichtigsten deutschen Filmemachern der vergangenen 50 Jahre gehört und mit Filmen wie “Abschied von gestern” (1966), “Die Artisten in der Zirkuskuppel: Ratlos” (1968) und “In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod” (1974) zahlreiche Filmpreise gewann, darumnter bei den beiden wichtigsten Filmfestivals der Welt in Cannes und Venedig, sagte er mal folgenden Satz: “Wenn ich im Jahre 2015 schreibe, liegen die kommenden fünfzehn Jahre unseres Jahrhunderts schon vor meinen Augen. Insgesamt ergibt sich damit, da ich 1932 geboren wurde, eine Chronik über rund hundert Jahre.” Auch für sein literarisches Werk erhielt er viele Preise, darunter den Georg-Büchner-Preis, den Theodor-W.-Adorno-Preis und zuletzt, 2014, den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf.

Kluges gemeinsames Buch mit dem Maler und Bildhauer Georg Basdelitz ist eine der interessantesten Neuerscheinungen dieses Sommers. ” Weltverändernder Zorn – Nachricht von den Gegenfüßlern ” (Bibliothek Suhrkamp 1501, (Gebunden), 237 Seiten l 28,00 €) ist jetzt im Suhrkamp Verlag erschienen.