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gelesen: Thomas Koebner - Von Träumen im Film

Von Träumen im Film – Visionen einer anderen Wirklichkeit

Träume sind ein dünnes Gewebe, das beim Erwachen fast immer zerreißt. Wer die Teile zusammenflickt, muss damit rechnen, dass große Löcher übrig bleiben. Träume im Film – ähnlich wie Träume in der Literatur – sind konstruiert, oft erscheinen sie als dicht gefügte, bedeutungsvolle Szenenfolgen, die sonst schwerlich erkennbare Ängste und Wünsche einer Person aus dem Unbewussten ans Licht fördern. Filmerzähler stecken dabei in einem Dilemma: Der von ihnen geschaffene Traum darf nicht in unscharfen Bildern und vagen Umrissen entschweben, jedenfalls nicht auf die Dauer, auch nicht in abstraktem Formenspiel versinken: Der filmische Traum, wenn er denn einprägsam und Botschafter bestimmter Emotionen sein soll, braucht die ‚konkrete Szene‘, selbst wenn das Umfeld, sozusagen die Traum-Kulissen nur angedeutet und die Physiognomien der Traumpersonen vielleicht nur halbdeutlich wiedergegeben werden. Andererseits soll sich schon an der visuellen Oberfläche und im Nacheinander der Vorgänge zeigen, dass man keine Alltagsrealität vor Augen hat. Typische Traum-Signale sind Verwerfungen in Raum und Zeit, unerwartete Sprünge in der Erzählung oder unvorhersehbare Einblendungen, Doppel- oder Mehrfachbelichtung‚ ‚unnatürliche‘ Beschleunigungen oder Verlangsamungen, Verformungen der Optik und Verfremdungen der ‚abgebildeten‘ Dinge ins ‚Ver-rückte‘ und ‚Surreale‘. Tagträume dagegen bewahren eher einen logischen Zusammenhang als Träume im Schlaf und illustrieren ziemlich detailliert bestimmte, im Leben kaum oder noch nicht erfüllbare Sehnsüchte oder höchst subjektive Glücksvorstellungen eines Charakters.

Thomas Koebner ist emeritierter Professor für Filmwissenschaft der Universität Mainz. Nebenbei ist Koebner neben Hans Helmut Prinzler, Hans Günther Pflaum, Peter Buchka, Peter W. Jansen, Wolfram Schütte, Frieda Grafe und Enno Patalas einer der besten deutschen Filmbuchautoren der vergangenen 50 Jahre. Zahlreiche Veröffentlichungen zur deutschen Literatur des 18., 19. und 20. Jahrhunderts, zum Musiktheater, zur Filmgeschichte und zum Fernsehfilm. Begründung etlicher Fachorgane, u.a. des Jahrbuchs “Exilforschung”, der Zeitschriften “Diskurs”, “Medienwissenschaft” und “Augenblick”, ferner mehrerer Buchreihen hat er bereits hervorgebracht. Sein neues Buch “Von Träumen im Film – Visionen einer anderen Wirklichkeit” ist – wie man es von ihm gewohnt ist – keine leichte Kost. Doch um sich von seiner Beschreibung des Träumens im Film fesseln zu lassen, muss man keine Filmhochschule besucht haben. Ein überzeugendes Buch zu einem bisher viel zu wenig beachteten Subthemas der Filmgeschichte, das jetzt im Schüren Verlag (220 Seiten, 30 Abb., Einige Abb., Klappbr. l 19,90 €) erschienen ist.

Wir verlosen ein Exemplar. Senden Sie uns bis zum 15.04.2018 eine E-Mail mit dem Betreff „Filmträume“ an verlosung@sanitaetshaus-aktuell.info.