Die Aktuelle, Ausgabe 04 / 2019, Ratgeber, Sanitätshausbedarf
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Unschuldig übergewichtig bei Lipödem und Lymphödem

„Die sollte einfach mal weniger essen!“ Frauen mit Lip- oder Lymphödem leiden oft unter derartigen Vorurteilen. Dass ihre Fettleibigkeit nicht selbstverursacht, sondern krankhaft ist, sehen die wenigsten. Das Lipödem, unter dem in Deutschland rund 3,8 Mio. Menschen leiden, ist eine Fettverteilungsstörung. In den meisten Fällen betrifft sie Frauen, deren Beine, Hüften und Oberarme anschwellen, da ihr Körper mehr Lymphflüssigkeit produziert, als er abtransportieren kann. Die Folge: Ablagerungen, Gewebeschwellung, Druckschmerz.

Text: Carolin Oberheide

Während die Ursachen des Lipödems wahrscheinlich genetischer oder hormoneller Natur sind, kann ein Lymphödem etwa durch eine Operation, Infektion oder eine Krankheit wie Krebs entstehen. Nicht nur das soziale Umfeld, auch Ärzte erkennen das Lipödem oft nicht oder zu spät. Da es noch keine fachärztliche Spezialisierung gibt, ist vorerst ein Phlebologe oder Hausarzt die richtige Adresse für eine Diagnose.

Kompressionsstrümpfe in allen Farben

Eine umfassende Beratung zur Therapie und eine große Auswahl an Hilfsmitteln erhalten Betroffene im Sanitätshaus. Das Sanitätshaus Koppetsch in Düsseldorf beispielsweise ist seit 2005 qualifiziertes Lymphkompetenzzentrum. Die Orthopädietechnikerin Elke Tellbüscher sowie ihre Kolleginnen und Kollegen beraten ihre Kundinnen mit Herz. Vor allem, wenn figurbewusste junge Frauen zu ihr kommen, für die die Diagnose ein Schock ist. Die jungen Mädchen leiden sehr darunter, dass sie nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen.

© Koppetsch GmbH

© Koppetsch GmbH

Da ist es wichtig, dass wir uns viel Zeit für die Erstberatung nehmen und zeigen: Ein Lipödem ist nicht das Ende der Welt – es gibt Kompressionsstrümpfe in allen Farben, Mustern, Qualitäten und Materialien, beispielsweise mit Silberfaden für Neurodermitiker, mit Merinoanteil oder aus atmungsaktiven Fasern. Strümpfe mit Farbverlauf, Tattoo-Mustern oder Strass-Steinchen werden mittlerweile selbstbewusst auf Instagram oder in Fashion-Blogs zur Schau gestellt. Es gibt sogar Design-Wettbewerbe. In den sozialen Netzwerken tut sich einiges – von Fotostrecken bis Selbsthilfegruppen auf Facebook. Auch zahlreiche Infoveranstaltungen von Herstellern oder Instituten bieten Betroffenen die Möglichkeit, sich zu vernetzen und zu informieren.

Was kann man konkret tun, um Symptome zu lindern?

„Wichtig ist es, die Kompressionsbestrumpfung regelmäßig zu tragen. Darum erkundigen wir uns auch einige Zeit nach dem Anprobe- und dem Kontrolltermin, ob noch alles sitzt“, sagt Tellbüscher. „Zweimal jährlich nehmen wir neu Maß und schauen, ob eine Wechselversorgung benötigt wird.“ Patientinnen stehen zwei Paar Strümpfe pro Jahr zu, was bei der täglichen Nutzung knapp werden kann, vor allem, wenn sie beim Sport getragen werden. Ein Kompressionsstrumpf für Lip- und Lymphödem-Patientinnen ist übrigens immer Maßarbeit.

„Zu unserer Beratung zählt, dass wir gemeinsam mit der Kundin aus unterschiedlichen Firmen und Produkten die auswählen, die hinsichtlich Form, Verarbeitung, Material und Kompressionsklasse am geeignetsten sind“, so Tellbüscher weiter. Mit einer frühzeitigen und korrekten Behandlung ist es häufig sogar möglich, zu einem niedrigeren Stadium der Krankheit zurückzukehren. Als Standardtherapieverfahren gilt heute die komplexe physikalische Entstauungstherapie (KPE) aus Entstauung, Konservierung und Optimierung, Hautpflege, manueller Lymphdrainage, Kompressions- und Bewegungstherapie.

Lebensqualität durch Wohlfühlgewicht

Auch eine ausgewogene Ernährung mit wenig Zucker und Kohlehydraten sowie Intervallfasten können zum Therapieerfolg beitragen. Auch mit Ödem ein Wohlfühlgewicht zu finden und in Bewegung zu bleiben, ist entscheidend für eine gute Lebensqualität. Ist das Lip- oder Lymphödem sehr weit fortgeschritten, gibt es inzwischen auch die Möglichkeit einer Lymphbahntransplantation oder Fettentfernung.

Weitere Infos über das Sanitätshaus mit dem Lächeln erhalten Sie auf der Seite: www.koppetsch.de

Mehr über die beiden Erkrankungen erfahren Sie auf der Seite: www.sanitaetshaus-aktuell.info/lymphoedem-und-lipoedem

Bildnachweise Headerfoto: © istockphoto.com/Lisess