Ausgabe 03 / 2017, Die Aktuelle, Herz & Seele
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Das Gehemnis glücklicher Partnerschaften

Über Partnerschaften – Im Herzen verbunden…

Wirtschaftliche Abhängigkeiten in Beziehungen sind heute passé, jeder darf lieben wen und wie er möchte. Dennoch suchen die allermeisten Menschen nach wie vor ihr persönliches Glück in der Paarbeziehung.

Text: Jana Pajonk

„Das ist durchaus sinnvoll“, sagt der Berliner Psychologe und Paartherapeut Martin Rubeau. Der 74-jährige begleitet seit über 40 Jahren Menschen auf ihrer Suche nach dem Glück in der Liebe. „Die zentralen Prinzipien des Lebens sind Wachstum, Veränderung und Entwicklung. Und eine
Paarbeziehung ist das ideale Feld dafür.“ Den wenigsten ist jedoch bewusst, wie viel Potenzial eigentlich in ihrer Partnerschaft schlummert. Aber erstmal von vorn:

Wolke Sieben und freier Fall

Jeder von uns trifft früher oder später auf einen Menschen, von dem er sich magisch angezogen fühlt. Wir können gar nicht anders, als diesen Menschen wahnsinnig toll zu finden und erleben einen Rausch der guten Gefühle. Chemische Prozesse sorgen dafür, dass wir ständig zusammen sein und stundenlang, auch über intimste Dinge, reden wollen. Sex spielt oft eine zentrale Rolle, wir möchten uns ganz nah sein. In dieser Zeit übertragen wir Träume und Hoffnungen auf diesen einen Menschen, der uns als Verkörperung unseres persönlichen Glücks erscheint. Und dann, eines Tages, verschwinden die Hormone und mit ihnen die rosarote Brille. „Die chemischen Veränderungen im Gehirn sorgen für eine andere Wahrnehmung“, erklärt Rubeau. „Der Blick auf den Menschen an meiner Seite wird nüchterner. Ich beginne, erste Unzulänglichkeiten an meinem Gegenüber festzustellen.“ Und genau hier wird es spannend! An diesem Punkt werden die Weichen für die nächsten Jahre gestellt. Werfe ich sofort die Flinte ins Korn und ziehe weiter auf der Suche nach dem „perfekten“ Partner? Oder bleibe ich? Und wenn ja: Bleiben wir in Kontakt, im Herzen verbunden?

Gemeinsam einsam?

„Viele Menschen scheuen sich in diese Phase davor, ihre Gefühle und Bedürfnisse zu äußern“, erzählt der Paartherapeut. „Sie vermeiden den wahrhaftigen Kontakt und beharren stattdessen auf dem idealisierten Bild des Partners. Das bedeutet ein Abschied auf Raten.“ Was anfangs gut gemeint ist, um sich selbst zu schützen oder niemandem weh zu tun, führt immer häufiger zu Enttäuschungen und Verletzungen. Entweder man möchte den anderen ständig ändern oder man verstummt und spricht nicht aus, was einen stört, was man sich wünscht.

„In beiden Fällen ziehen die Partner sich voneinander zurück und verhärten innerlich“, sagt Rubeau. „Das macht den Kontakt immer schwieriger.“ Den ehemals Liebenden scheint jegliche Gefühlswelt abhandengekommen zu sein, sie sind innerlich meilenweit voneinander entfernt. Nicht-Kontakt mündet in einer leblosen Beziehung, in der beide dann feststecken. Die aufgestaute Wut legt sich wie eine Mauer um zwei Herzen, die irgendwann nicht mehr miteinander reden können.

Sag mir, wo Du stehst

„Herzensverbindung ist die Grundlage einer glücklichen Beziehung“, weiß Martin Rubeau. „Das bedeutet, sich immer wieder Zeit und Raum dafür zu nehmen, miteinander gefühlsbezogen zu kommunizieren, also die Wahrheit zu sagen, auch wenn es uns schwer fällt oder sie uns peinlich ist“, erklärt der Psychotherapeut. „Dabei ist es wesentlich, immer bei sich zu bleiben und den anderen nicht für die eigenen Gefühle verantwortlich zu machen.“ Weil das vielen Menschen schwer fällt, hat Martin Rubeau 1976 die „Gefühlsschule“ ins Leben gerufen. In regelmäßigen
Abendgruppen oder mehrtägigen Seminaren üben Frauen und Männer zwischen Mitte zwanzig und Ende siebzig hier, ihre Gefühle wahrzunehmen und offen zu kommunizieren.

Wer sich selbst so annehmen und zeigen kann, wie er ist, der kann das auch seinem Partner zugestehen. Ein solcher Umgang lässt jedem Raum für Veränderungen und persönliches Wachstum. Der Partner wird dann zum Spiegel, in dem man sich sehen und hinterfragen kann, der Rückmeldung gibt, hinterfragt, aber auch mal auffängt, wenn man das braucht. „Wenn die Menschen lebendig sein können, ist es die Beziehung auch. Und das birgt die größten Chancen, lange in der Beziehung glücklich zu sein“, hat der Leiter der Gefühlsschule in den letzten 40 Jahren erfahren.

Glücklich zusammen oder glücklich getrennt

Zu Martin Rubeau kommen viele Menschen, auch Paare, die in festgefahrenen Beziehungssituationen stecken. „Die allermeisten brauchen Hilfe von außen, um wieder zueinander zu finden“, sagt der Psychologe. Dabei geht es nicht einmal um tiefgreifende Therapie, sondern vielmehr um Moderation, die wieder Offenheit und Verständnis füreinander ermöglicht. „Ich kann aber nur helfen, wenn beide darin übereinstimmen, miteinander wachsen zu wollen.“

Diese Übereinkunft ist die Grundlage jeder glücklichen Beziehung. Und wenn die Herzen wieder offen sind, dann spielt es keine Rolle mehr, ob man sich am Ende für oder gegen eine Weiterführung der Paarbeziehung entscheidet. Solange die Entscheidungen auf Wahrhaftigkeit beruhen und frei getroffen werden, ist die Beziehung zwischen den beiden Menschen in Frieden. Und das tut gut und macht uns glücklich, egal, ob als Paar, Freunde oder sich respektierende Ex-Partner, die mit Dankbarkeit auf ihre Beziehung zurückblicken und sich gegenseitig Glück wünschen können.