Ausgabe 02 / 2018, Die Aktuelle, Ratgeber, Rehabilitationstechnik, Reise
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Grenzenlos mobil - Wie Hilfsmittel, Dienstleistungen und Designs Barrieren sprengen

Titelthema: Grenzenlos mobil

Anhand eines barrierefreien Reiseveranstalters und der Abteilung Neurorehabilitation eines Sanitätshauses berichtet das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin, wie moderne Hilfsmittel und auf individuelle Bedürfnisse zugeschnittene Dienstleistungen die Mobilität sowie Lebensfreude bei gehandicapten Menschen rapide verbessern. Zudem erfahren Sie, warum Mobilitätshelfer nicht bloß zweckmäßig sein müssen, sondern auch schicke Hingucker sein können.

Text und Interviews: Christian Sujata

Bereits schon jetzt ist jeder vierte Deutsche über 60 Jahre alt. Bis zum Jahr 2050 wird der Anteil auf über ein Drittel steigen. Damit das Älterwerden als gewonnene Lebensjahre empfunden wird, ist eine möglichst uneingeschränkte und individuelle Mobilität bis ins hohe Alter notwendig. Gleiches gilt für die Mobilität von Menschen mit altersunabhängigen Einschränkungen zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder einem Unfall. Falls Sie oder einer Ihrer Angehörigen einer dieser beiden Gruppen angehören, werden Sie wissen: Eine Verbesserung der Mobilitätsmöglichkeiten sorgt für Unabhängigkeit und garantiert, weiterhin am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können. Heute profitieren die Betroffenen mehr denn je von einer rasanten positiven Entwicklung in diesem Bereich, wie die folgenden drei
Beispiele zeige.

„Für jedes Bedürfnis die passende Unterkunft“

Der Veranstalter RUNA REISEN hat sich darauf spezialisiert, barrierefreie Reisen für Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen anzubieten. Wie es zu der Idee kam, was es mit den Angeboten genau auf sich hat und wie sich die Barrierefreiheit in den verschiedenen Ländern unterscheidet, erzählt Gründer sowie Geschäftsführer Karl B. Bock im Interview mit dem SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Herr Bock, Sie sind Gründer und geschäftsführender Gesellschafter von RUNA REISEN, einem barrierefreien Reiseveranstalter. Können Sie uns ein paar Sätze dazu sagen, was dies bedeutet?

Karl B. Bock, Gründer von RUNA REISEN (© RUNA REISEN GmbH)

Karl B. Bock, Gründer von RUNA REISEN (© RUNA REISEN GmbH)

Karl B. Bock: Wir haben uns als Reiseveranstalter darauf spezialisiert, Reisen anzubieten, die keinerlei Barrieren für Menschen mit Behinderungen aufweisen. Egal, ob es sich um Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte, Sehbehinderte oder auch geistig Behinderte handelt. Es gibt allerdings nur wenige Unterkünfte am Markt, die es schaffen, den Ansprüchen aller Behinderungen gerecht zu werden. Wir legen zwar den Fokus darauf, Menschen mit allen Handicaps Unterkünfte anbieten zu können, bekommen aber hauptsächlich Anfragen von Menschen mit Rollstuhl oder einer Gehbehinderung.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie sind Sie eigentlich auf die Idee gekommen?

Karl B. Bock: Ich bin gelernter Hotelfachmann und habe zudem Diplom-Kaufmann für Tourismus in Wilhelmshaven studiert. Dort habe ich meinen jetzigen Kompagnon kennengelernt und schon während des Studiums haben wir damit angefangen, Marketingkonzepte für Regionen und Orte an der Nordseeküste zu erstellen. 2004 sind wir dann von einer Gemeinde in Ostfriesland beauftragt worden, deren Barrierefreiheit in den Vordergrund zu stellen, damit die Menschen einen Grund haben, auch dortzubleiben und nicht nur durchzureisen. Bei unserer Recherchearbeit haben wir erstaunt festgestellt, dass der Bereich barrierefreier Tourismus bisher kaum beackert wurde und dass es gleichzeitig eine riesige Nachfrage dafür gibt. Aus einer Bierlaune heraus haben wir dann gemeinsam mit einem dritten Studenten beschlossen, selbst Veranstalter in diesem Bereich zu werden. Anschließend haben wir einen Businessplan geschrieben, an Wettbewerben teilgenommen und nebenbei viel Kopfschütteln geerntet, da die Leute der Meinung waren, dass dies niemals erfolgreich werden könnte, da der Zielgruppe nicht die nötigen finanziellen Mittel zum Verreisen zur Verfügung stehen. Doch 2006 war es so weit. Zurück in unserer Heimat in Ostwestfalen haben wir RUNA REISEN gegründet und konnten unsere Kritiker mittlerweile eines Besseren belehren.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Rollstuhlfahrer ist nicht gleich Rollstuhlfahrer, Behinderungen, Rollstuhlart und auch die individuellen Bedürfnisse an Komfort sowie Barrierefreiheit dürften sich sehr unterscheiden. Wie schaffen Sie es, dass Sie jedem auch die tatsächlich für ihn geeigneten Begebenheiten anbieten können?

Karl B. Bock: Damit Interessenten selbst bereits zu Anfang direkt sehen können, ob eine Unterkunft an ihrem Wunschziel auch die Barrierefreiheit bietet, die sie benötigen bzw. sich wünschen, haben wir in unserem Katalog und auf unserer Website Piktogramme eingefügt. Diese Piktogramme geben auf den ersten Blick unter anderem Auskunft darüber, wie breit die Durchgänge oder Türen vor Ort sind, ob es einen oder zwei Haltegriffe am WC gibt, welche Art von Duschstuhl vorhanden ist, ob ein Pflegebett da ist oder ob das Zimmer eine Verbindungstür zum Nachbarzimmer des pflegenden Mitreisenden hat. Anhand des Piktogrammsystems und unserer Hilfsmittelmatrix treffen die Kunden bereits selbst eine Vorabauswahl. An dieser Stelle kommen übrigens auch die Sanitätshäuser ins Spiel, mit denen wir an jedem Ort im Vorfeld sprechen und deren Infos bspw. über Hilfsmittelmietkosten sowie -mietdauer, Anlieferung u. v. m. wir ebenfalls mit in unseren Katalog aufnehmen. Haben unsere Kunden also eine erste Wahl getroffen, geht es weiter mit unserem geschulten Personal. In einem Gespräch werden dann detaillierte Zusatzinfos über das Krankheitsbild sowie die genauen Einschränkungen aufgenommen und wir wissen am Ende, welche Unterkünfte tatsächlich noch infrage kommen und alle individuellen Bedürfnisse erfüllen, damit wir am Ende die wirklich passende Unterkunft empfehlen können.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Sie bieten ja Reisen in alle möglichen Länder an. Unterscheidet sich die barrierefreie Infrastruktur von Land zu Land?

Karl B. Bock: Ja, für uns ist ganz klar Spanien die Nummer eins unter den erefreien Urlaubsländern, wo in den letzten Jahren sehr viel gemacht wurde. In vielen spanischen Urlaubsorten wie Mallorca oder Teneriffa ist es bspw. seit vielen Jahren Standard, dass man einen Strandrollstuhl mit Ballonreifen aus Plastik erhalten kann – und das für den Nutzer komplett kostenlos von den Kommunen finanziert. Die Rettungsschwimmer dort sind darauf sensibilisiert, den Nutzern beim Umsteigen zu helfen. Der Rollstuhlfahrer kann dann mit dem Modell sogar ins Meer reinfahren und damit schwimmen, damit er sich erst im Wasser davon lösen muss, um selbst zu schwimmen. In Deutschland wird damit erst jetzt, rund zehn Jahre später angefangen. Deutschland hat dafür wiederum die Nase vorn, was abgesenkte Bordsteine angeht, aber es gibt hier in diesem Bereich noch viel Nachholbedarf.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Arbeiten Sie mit Experten aus dem Gesundheitsbereich zusammen?

Karl B. Bock: Neben den bereits erwähnten Sanitätshäusern arbeiten wir mit ambulanten Pflegekräften in den Urlaubsorten im In- und Ausland zusammen. Besonders im Bereich Pflegehotels. Das sind in der Regel ganz normale Kliniken oder Pflegeresidenzen, die einen Teil ihrer Fläche auch touristisch vermieten und den Gästen das vorhandene Pflegepersonal zur Verfügung stellen. Ein Bereich, der gerade sehr im Wachsen ist.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Mehr über RUNA REISEN erfahren Sie auf der Internetseite: www.runa-reisen.de

Wer sich zu Hause um einen pflegebedürftigen Menschen kümmert, braucht Urlaub. Damit pflegebedürftige Angehörige in dieser Zeit weiter zu Hause gepflegt werden können, gibt es die Möglichkeit, Ersatzpflege (Verhinderungspflege) bei der Pflegekasse zu beanspruchen. Dafür gibt es jedes Jahr Extra-Geld. Damit das fließt, müssen Sie aber einiges beachten:

* Die Pflegekasse übernimmt nachgewiesene Kosten der Verhinderungspflege (Ersatzpflege) für maximal sechs Wochen pro Jahr.

* Voraussetzung ist, dass jemand bereits sechs Monate vorher zu Hause gepflegt wurde.

* Zu dem Zeitpunkt, an dem Betroffene die Verhinderungspflege in Anspruch nehmen wollen, müssen sie mindestens den Pflegegrad 2 haben.

* Die Pflegekasse übernimmt Kosten bis zu 1.612 Euro, falls die Verhinderungspflege von einem Pflegedienst oder “Nicht-Verwandten” übernommen wird.

* Wenn die Ersatzpflege von Personen übernommen wird, die mit dem Pflegebedürftigen in häuslicher Gemeinschaft wohnen oder bis zum 2. Grad mit ihm verwandt oder verschwägert sind, gibt es weniger Geld.

* Das Pflegegeld wird während der Verhinderungspflege mindestens zur Hälfte weitergezahlt.

* Wer mehr Geld braucht, kann auch bis zu 806,- Euro von der Kurzzeitpflege verwenden.

Weitere Infos und nützliche Tipps für Ihre Leistungen der Verhinderungspflege erhalten Sie unter: www.sanitaetshaus-aktuell.info/verhinderungspflege

Kann ein Rollator ein Premiumprodukt werden?

Henning Rieseler ist Designer und Leiter des Studio F. A. Porsche in Berlin. Seit Jahrzehnten gestaltet die Designagentur für ihre eigene Marke Porsche Design sowie für Kunden weltweit Premiumprodukte. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin sprach mit ihm über gehobene Ansprüche an medizinische Hilfsmittel und das Design eines Rollators.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Herr Rieseler, das Studio F. A. Porsche ist eine Designagentur mit 45 Jahren Erfahrungen, mit der man beispielsweise edle Uhren, puristische Designlautsprecher, hochwertige Accessoires oder luxuriöse Yachten verbindet. Nun haben Sie einen Rollator gestaltet, wie kam es dazu?

Henning Rieseler, Leiter des Studio F. A. Porsche in Berlin (© Henning Rieseler)

Henning Rieseler, Leiter des Studio F. A. Porsche in Berlin (© Henning Rieseler)

Henning Rieseler: Das Studio F. A. Porsche ist seit jeher bekannt für die von Ihnen genannten Entwürfe, weil diese natürlich die größte Aufmerksamkeit in den Medien hervorrufen. Außerdem sind wir als Designstudio ja auch für unsere eigene Marke Porsche Design verantwortlich, indem wir dort mit sehr puristischen und funktionalen Entwürfen ein starkes Markenbild prägen. Weniger bekannt, aber seit Jahrzehnten schon Teil unseres Repertoires sind Entwürfe in den Bereichen Medizintechnik und Investitionsgüter wie beispielsweise Industriemaschinen. Insofern zeichnet uns sicherlich eine Vielseitigkeit aus, die uns auch immer wieder auf neue Lösungen kommen lässt bei den unterschiedlichsten Produkten. Als die Anfrage von der Firma Bischoff & Bischoff für das Design eines Rollators kam, waren wir sofort interessiert. Herr Bischoff und sein Team konnten uns sehr schnell durch ihren Qualitätsanspruch und ihre Begeisterung für Innovationen überzeugen.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Was war Ihr Anreiz, ausgerechnet dieses medizinische Hilfsmittel zu designen?

Henning Rieseler: Ein Rollator ist ja ein noch relativ junges Produkt. Innerhalb der letzten Jahre hat es jedoch eine enorme Verbreitung und damit auch Präsenz in der Öffentlichkeit erfahren. Dies liegt nicht zuletzt an der immer aktiveren, älteren Generation, die trotz gewisser Einschränkungen vor allem selbstständig am aktiven Leben teilnehmen will. Durch dieses neue Selbstbewusstsein wandelt sich auch das Bild, welches wir von medizinischen Hilfsmitteln haben: Es sind längst keine „Krücken“ mehr, sondern Produkte wie viele andere auch. Leider spiegelt sich das am Markt im Moment noch nicht wider. Viele Produkte im Hilfsmittelbereich haben noch die alte Denke in sich. Insofern war es für uns extrem spannend, hier Impulse zu setzen.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie sind Sie bei Ihrer Arbeit vorgegangen, insbesondere hinsichtlich der zu berücksichtigen Funktionen des Rollators?

Henning Rieseler: Bei dem Rollator würde ich wie bei vielen anderen Produkten auch die Funktionen in zwei Ebenen einteilen. Zum einen gibt es die offensichtlichen Aspekte wie Ergonomie, Handhabung, Gewicht, Stabilität etc. Hier konnten wir in Workshops von dem reichen Erfahrungsschatz des Herstellers profitieren. Außerdem hatten wir während der gesamten Entwicklung mehrere Rollatoren bei uns im Büro, sodass wir auch immer direkt neue Ideen und Funktionen realitätsnah überprüfen und vergleichen konnten. Henning Rieseler, Leiter des Studio F. A. Porsche in Berlin Die zweite Funktionsebene bei Rollatoren ist aber die, die bisher meistens außer Acht gelassen wurde. Es sind die Wünsche der Benutzer: Was vermittelt mir der Rollator? Wie nehme ich ihn wahr? Wie werde ich mit dem Produkt wahrgenommen? Dies sind genau die Fragen, für die das Unternehmen zu uns gekommen ist. Die Grundfrage war: Kann man einen Rollator so gestalten, dass er zu einem Premiumprodukt wird und somit zu einer Zielgruppe passt, die sich auch sonst mit Produkten umgibt, die sehr bewusst gekauft werden und die den Anspruch an Design und Hochwertigkeit erfüllen? Und genau hier kam unsere Stärke und Erfahrung vom Studio F. A. Porsche zum Tragen.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie würden Sie das finale Design des Rollators beschreiben?

Henning Rieseler: Das Design würde ich als puristisch und ikonenhaft bezeichnen. Basis des Entwurfs sind die beiden dreieckig gestalteten Seitenteile aus dem Material Carbon. Dies ist aus dem Motorsport bekannt und wird eingesetzt, um extrem leichte, aber dennoch hochstabile Konstruktionen zu erreichen. Also ideal für dieses Produkt, um einen der leichtesten Rollatoren zu bauen. Unserer Leitlinie „Design must be honest“ folgend, wird das Material auch in seiner Struktur gezeigt. Damit entsteht ein sehr technisch faszinierendes Produkt, dem man die Qualität und Leichtigkeit ansieht.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Glauben Sie, dass der ästhetische Anspruch bei der Auswahl von Hilfsmitteln zukünftig eine Rolle spielen wird?

Henning Rieseler: Davon bin ich überzeugt. Je normaler Hilfsmittel im Alltag werden, desto variantenreicher wird auch ihre Gestaltung sein. Es gibt ja nicht den einen Geschmack. Die meisten Menschen wollen Produkte, die genau zu ihnen passen. Warum sollten sie diesen Wunsch bei Hilfsmitteln verwehrt bekommen? Ich gehe davon aus, dass wir mit unserem Rollator nur einen Anfang gemacht haben und ich hoffe, dass es bald viele Rollatoren in unterschiedlichsten Designs geben wird. Dann wird es auch nicht mehr ungewöhnlich erscheinen, dass ein Büro wie Studio F. A. Porsche einen Rollator gestaltet.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Pavle Lederer ist Diplom-Sportwissenschaftler und arbeitet in der Abteilung Neurorehabilitation beim Sanitätshaus Fendel & Keuchen in Aachen (www.keuchen.com). In seinem Gastbeitrag für das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin berichtet er, wie die richtige Hilfsmittelversorgung die Mobilität bei Schlaganfallpatienten erhalten oder verbessern kann.

Die richtige Hilfsmittelversorgung beim Schlaganfall erhält die Mobilität

Im Forum für Betroffene und Angehörige eines Schlaganfalls berichtete kürzlich ein Patient seine Leidensgeschichte. Der Bericht endet mit folgenden Worten: „Die meisten Ärzte, selbst Neurologen kennen sich nicht mit der Hilfsmittelversorgung aus. Sie holen einen Experten aus dem Sanitätshaus und der sagt ihnen dann, was sie verschreiben müssen. Dabei ist es wichtig, dass sich das Sanitätshaus mit neurologischen Patienten auskennt, da falsche Hilfsmittel Schaden anrichten können.“ Im Kern gibt diese Aussage die Notwendigkeit einer fachlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Schlaganfall wieder. Bei einem Schlaganfall kann es zu mehreren Zuständen wie zum Beispiel der Fußheberschwäche kommen. Die Wahl des Hilfsmittels richtet sich nach der Restfunktion und den Zielen des Patienten, der Alltagstauglichkeit und danach, in welcher Phase sich der Patient nach dem Schlaganfall befindet. Die Fußheberschwäche kann bei einem Patienten stark oder weniger stark ausgeprägt sein. In der akuten und subakuten Phase des Schlaganfalls geht die Fußheberschwäche meist ohne Spastik einher. In dieser Phase ist es entscheidend, die Bewegungsfreiheit des Sprunggelenks so weit wie möglich zu bewahren, jedoch den Fuß in der entsprechenden Stellung zu halten, wenn der Betroffene es selbst nicht mehr kann. Bei der Fußheberschwäche gibt es viele Nebenerscheinungen, welche zu schlechten Gangmustern führen können. Um die nötige Bodenfreiheit zu erlangen, eignen sich Patienten falsche Gangmuster an, die dann im Gehirn als „richtig“ manifestiert werden. Zum Beispiel kann es oft zu einer starken Anhebung des Beckens in der Schwungphase des Gangs kommen. Dabei vollführt die Hüfte eine Drehung; die sogenannte Zirkumduktion. Dadurch wird die kontralaterale Seite sehr stark beansprucht.

Wenn jetzt ein Hilfsmittel eingesetzt wird, welches diese Beanspruchung mindert und das Gangmuster so weit normalisieren kann, dass die auftretenden Kräfte und Momente kleiner werden, sind in Folge Beanspruchungen des Muskel-Skelett-Systems geringer. Eine spätere Versorgung wegen einer Hüftgelenks- und/oder Knieabnutzung könnte dann entfallen.

Durch den technischen Fortschritt gibt es mehr und mehr individuelle Lösungen. Eine Innovation der letzten Jahre ist definitiv die Funktionelle Elektrostimulation, mit der Nerven aktiviert werden, die das zentrale Nervensystem nicht mehr ansteuert. Bei Fragen zu diesem Thema steht Ihnen der Autor gerne per E-Mail zur Verfügung: p.lederer@keuchen.com

Mehr Infos über das Sanitätshaus mit dem lächelnden Gesicht erhalten Sie auf der Seite: www.keuchen.com

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