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Systemrelevant in der Corona-Krise: Sanitätshaus Schürmaier in Leipzig

[14.04.2020] In Zeiten der besonderen Herausforderung durch die Corona-Epidemie hat die Bundesregierung mit den jeweiligen Ministerpräsidenten aller Bundesländer zusammen eine gemeinsame Leitlinie bezüglich der bundesweiten Regelung sozialer Kontakte im öffentlichen Leben veröffentlicht. Darin geht es auch darum, welche Geschäfte für die Grundversorgung der Bevölkerung systemrelevant und deshalb weiterhin geöffnet sind. Hierzu zählen auch die Sanitätshäuser mit dem Lächeln. Sie stehen auch während der Coronakrise weiterhin für die Bevölkerung offen. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin sprach mit Diana Klingenberg, Leitung Verwaltung und Marketingmanagement beim Sanitätshaus Schürmaier in Leipzig, über die besondere Lage.

Interview: Christian Sujata

SAM: Frau Klingenberg, jeder Einzelne von uns bemerkt in seinem beruflichen wie privaten Leben derzeit große Einschränkungen sowie Änderungen aufgrund der Coronakrise. Wie war das bei Ihnen, ab wann war Ihnen klar, dass sich insbesondere geschäftlich nun mindestens einige Wochen was ändern wird?

Klingenberg: Ich verfolge gerne und daher sehr regelmäßig die Nachrichten aus dem In- und Ausland. Daher war mir bereits im Januar mit den Nachrichten aus China klar, dass durch unsere Globalisierung und die hohe Reisefreudigkeit der Deutschen die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass das Coronavirus auch uns schnell erreicht.

SAM: Welche Maßnahmen haben Sie als erstes getroffen?

Klingenberg: Bereits Anfang Februar habe ich den Standardnotfallplan für die aktuelle Situation angepasst. Das bedeutet vorbereitende Maßnahmen zur Sicherung der Geschäftsfähigkeit – Aufstockung von Homeoffice-Ausstattung und Anpassung der Dienstpläne, um zeitliche getrennte Teams zu bilden. Gerade für die Homecare-Abteilung wurde die Möglichkeit der Heimarbeit eingerichtet und damit alle Mitarbeiter separiert. Damit haben wir frühzeitig sichergestellt, dass eine laufende Betreuung und Versorgung möglich ist, auch wenn einzelne Mitarbeiter krankheitsbedingt ausfallen.

Weiterhin wurde der Freiverkauf von wichtigen, knappen Hilfsmitteln eingestellt, um eine Versorgung für unsere Dauerversorgungskunden, die einen tatsächlichen Ist-Bedarf haben, sicherzustellen. Dazu zählen natürlich Handschuhe und Desinfektionsmittel. Ebenso haben wir mit unseren Logistikpartnern die Lagerhaltung von wichtigen Hilfsmitteln optimiert, das heißt, auch dort wurde entsprechend unseres durchschnittlichem Bestellvolumens an Homecare-Hilfsmitteln eine Bevorratung angelegt.

SAM: Wie schützen Sie Ihre Mitarbeiter?

Klingenberg: Ganz besonders froh sind wir, dass wir in unseren neuen Räumlichkeiten viel Platz für den nötigen Abstand bieten können, sowohl im Verkaufsraum als auch in den Kabinen. Alle Eingänge öffnen sich über automatische Schiebetüren und überall stehen Ständer für die Händedesinfektion. Auch berührungslose Armaturen helfen beim Händewaschen die Kontaktstellen zu reduzieren. Wir haben zwei Teams für Früh- und Spätschichten sowie eine Etagentrennung. Selbstdesinfektion und regelmäßige Desinfektion bspw. von Türklinken und anderen häufigen Kontaktflächen gehören dazu. Auch das Einhalten von Abstandsregeln untereinander, vor allem auch im Pausenraum sind notwendig. Gerade letzteres ist schwer für die Mitarbeiter. Es herrscht ein gutes Klima untereinander und gerade in der Pausenzeit möchte man dann doch eigentlich zusammensitzen. Aber mittlerweile ist die Einsicht da.

SAM: Die Sanitätshäuser gehören zu den systemrelevanten Branchen, die für die Grundversorgung relevant sind und deshalb weiter geöffnet haben. Wie finden Sie die Entscheidung?

Klingenberg: Absolut richtig.  Die Hilfsmittelversorgung ist neben der Versorgung mit Arznei- und Heilmitteln essentiell im Gesundheitswesen. Und gerade jetzt in so einer unsicheren Situation ist eine sichere Versorgung mit Hilfsmitteln wie Inkontinenzmaterialen, Stomaversorgungen, Pflegehilfsmitteln sehr wichtig. Wir haben auch festgestellt, dass eine gute Kompressionsversorgung bei Menschen, die sich weniger bewegen aktuell auch einen hohen Stellenwert hat. Hier bietet Schürmaier am neuen Standort in der Lützner Straße die Möglichkeit des berührungslosen Messens. In Sekundenschnelle und mit dem nötigen Abstand haben wir den perfekt passenden Kompressionsstrumpf für unsere Kunden.

SAM: Die Lage verändert sich gerade täglich, bedeutet das auch für Sie, dass Sie ständig an Ihren Entscheidungen nachjustieren müssen?

Klingenberg: Ja, wir haben mehrmals unsere Öffnungszeiten angepasst. Wichtig ist es, die Mitarbeiter zu schützen und so eine Aufteilung in Teams, die separat arbeiten, zu gewährleiten. Weiterhin bieten wir allen Kunden eine kostenfreie Anlieferung bzw. einen Gratisversand von notwendigen Hilfsmitteln direkt nach Hause an. Auch haben wir angeboten, das Lieferintervall anzupassen, also bereits für zwei oder drei Monate anstatt einmal monatlich zu liefern, da wir noch nicht wissen, was im nächsten Monat für eine Situation herrscht.

SAM: Schulungen, Fortbildungen, diverse Veranstaltungen sind auch bei Ihnen abgesagt oder verschoben, in welchen Bereichen gab es ansonsten die weitreichendsten Einschränkungen bzw. Änderungen? Wie lässt sich bspw. derzeit die Pflege zu Hause bewerkstelligen?

Klingenberg: Schulungen haben wir teilweise online durchgeführt bzw. Mitarbeiter zum Selbststudium befähigt. Die größten Einschränkungen sind natürlich beim direkten Kundenkontakt in den Beratungs- und Verkaufsräumen, sowie im Hausbesuch vorhanden. Das Ausstatten mit Mund- und Nasenschutz, Handschuhen, Schutzkleidung allgemein sowie die Abtrennung der Kassen und Theken, die Markierung am Boden zur Einhaltung des zwei-Meter-Mindestabstands sind dabei die sichtbarsten Themen. Die Betreuung von Kunden in Einrichtungen gestaltet sich schwieriger. Hier ist die Situation von Einrichtung zu Einrichtung unterschiedlich, aber in jedem Fall werden nicht absolut notwendige Kontakte unterbunden. Die Betreuung über Telefon, E-Mail, aber auch Post ist aktuell intensiviert. Weiterhin geben wir Hinweise und Tipps zu Hygienemaßnahmen, auch an die pflegenden Angehörigen. Und unser Kundenservice ist weiterhin für alle erreichbar.

SAM: Gibt es auch beschwerte Bedingungen bspw. für einen „internen“ Bereich wie der Orthopädie, wenn es um die Anfertigung von Prothesen und Orthesen geht?

Klingenberg: Allerdings, es müssen verstärkte Eigen- und Fremdschutzmaßnahmen getroffen werden. Auch sind viele Kunden verunsichert und einige von ihnen verschieben ihre Termine für Versorgungen. Aber wir hoffen natürlich alles zu gegebener Zeit nachzuholen.

SAM: Gibt es auch für die Sanitätshausbranche staatliche Hilfe oder Unterstützung, damit die Versorgung von Patienten verschiedener Indikationen auch in dieser Zeit reibungslos sichergestellt werden kann?

Klingenberg: Auch wir haben Soforthilfen beantragt und auch die Anordnung von Kurzarbeit blieb uns nicht erspart, da die Versorgung in einzelnen Produktgruppen sowie der Freiverkauf sehr zurückgegangen sind. Wir merken aktuell einen Rückgang in der Versorgung mit Einlagen und Bandagen. Natürlich haben auch die Umstrukturierungen in den Kliniken Auswirkungen auf unsere Arbeit. Einen Klinikstandort haben wir bereits geschlossen. Nun bleibt es abzuwarten, inwieweit die von der Bundesregierung zugesagten Coronahilfen auch in der Praxis wirksam umgesetzt werden.

SAM: Gibt es auch bei Ihnen Mitarbeiter, die im Homeoffice arbeiten können (oder sogar müssen bspw. wegen der unvorhergesehenen Kinderbetreuung)?

Klingenberg: Ein Teil der Mitarbeiter ist seit März im Homeoffice. Dies ermöglicht Ihnen sich um ihre Kinder zu kümmern oder bietet einen besonderen Schutz für Mitarbeiter mit Vorerkrankungen. Wir geben Ihnen die Möglichkeit sich die Arbeitszeit freier einzuteilen. Das Feedback der Mitarbeiter dazu ist sehr positiv. Wichtig ist natürlich immer ein reger Austausch untereinander, wofür wir auch die Kommunikationswege angepasst haben. Das klappt gut und auch gerade unsere Homecarepatienten können so wie gewohnt gut betreut werden.

SAM: Melden sich vereinzelte Kunden derzeit auch einfach, um sich zu vergewissern, dass ihre Versorgung im Fall der Fälle sichergestellt ist?

Klingenberg: Das kommt vor. Auch möchten sich einige zusätzlich bevorraten. Das ist verständlich. Wir erhöhen in dem Fall, wie erwähnt und wenn möglich, den Versorgungszeitraum.

SAM: Wagen Sie einen Ausblick, wie es in den nächsten Wochen für Ihre Branche weitergehen wird?

Klingenberg: Ich denke, die meisten Einschränkungen wird es noch über längere Zeit geben. Und viele unserer Kunden haben ja genau diese Vorerkrankungen, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf darstellen. Wir passen uns mit unserer Arbeit täglich an die Situation an und möchten uns, neben der reinen Hilfsmittelversorgung, auch so gut wie möglich um unsere Kunden kümmern. Ich bin mir sicher, gemeinsam erreichen wir das auch.

SAM: Herzlichen Dank für das Interview, Frau Klingenberg!

 

Mehr über das tatkräftige Sanitätshaus mit dem Lächeln erfahren Sie auf der Seite: www.schuermaier.de

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