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Systemrelevant in der Coronakrise: Sanitätshaus Carqueville in Kraftsdorf

[16.04.2020] In Zeiten der besonderen Herausforderung durch die Corona-Epidemie hat die Bundesregierung mit den jeweiligen Ministerpräsidenten aller Bundesländer zusammen eine gemeinsame Leitlinie bezüglich der bundesweiten Regelung sozialer Kontakte im öffentlichen Leben veröffentlicht. Darin geht es auch darum, welche Geschäfte für die Grundversorgung der Bevölkerung systemrelevant und deshalb weiterhin geöffnet sind. Hierzu zählen auch die Sanitätshäuser mit dem Lächeln. Sie stehen auch während der Coronakrise weiterhin für die Bevölkerung offen. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin sprach mit Felix Carqueville, Geschäftsführer der Sanitäts- und Gesundheitshaus Carqueville GmbH in Kraftsdorf, über die besondere Lage.

Interview: Christian Sujata

SAM: Herr Carqueville, jeder Einzelne von uns bemerkt in seinem beruflichen wie privaten Leben derzeit große Einschränkungen sowie Änderungen aufgrund der Coronakrise. Wie war das bei Ihnen, ab wann war Ihnen klar, dass sich insbesondere geschäftlich nun mindestens einige Wochen was ändern wird?

Carqueville: Die Lage in China hat mich von Beginn an beunruhigt. Deshalb haben wir schon ab Februar Liefereinschränkungen erwartet und beim Mundschutz auch schon gespürt. Aus diesem Grund haben wir unsere Lager gefüllt. Zumindest mit dem, was sinnvoll und verfügbar war. Größere geschäftliche Einschränkungen wurden mir erst so richtig mit Beschluss zur Schließung der Kindergärten und Schulen Mitte März bewusst.

SAM: Welche Maßnahmen haben Sie als erstes getroffen?

Carqueville: Eine ganze Menge. Wir betreiben eine kontinuierliche Aufklärung zu gesundheitlichen Fragen im Unternehmen und stehen immer für Fragen sowie Antworten sowohl unserer Mitarbeiterals auch Kunden zur Verfügung.

Die Lager wurden wie erwähnt aufgefüllt, Schutzausrüstung wurde beschafft, die Verkaufsräume – von Aushängen und Abstandsmarken bis zu Absperrungen und Plexiglasschutzwänden – angepasst sowie Arbeitszeiten flexibilisieren, um die Kinderbetreuung abzusichern. Als Kinder noch nicht als Überträger galten, hatten wir zunächst auch geplant eine Kinderbetreuung zu organisieren, was wir aber verständlicherweise wieder verworfen haben. Darüber hinaus haben wir betriebswirtschaftliche Szenarien kalkuliert und uns kontinuierlich sowie eng mit allen Abteilungen abgestimmt, um ein aktuelles Bild der Lage zu erhalten.

Außerdem mussten wir das Thema Kurzarbeit erst einmal richtig verstehen und dann entsprechend zu organisieren, denn sowas gab es in unserer Branche noch nie . Wir haben entschieden das Kurzarbeitergeld auf 80 Prozent aufzustocken, um die Einbußen der Mitarbeiter möglichst in Grenzen zu halten.

SAM: Die Lage verändert sich gerade täglich, bedeutet das auch für Sie, dass Sie ständig an Ihren Entscheidungen nachjustieren müssen?

Carqueville: Ja, wir hinterfragen uns ständig und fordern das auch von unseren Mitarbeitern ein. Entsprechend passen wir Öffnungszeiten und Arbeitsabläufe an. Und natürlich müssen all die oben beschriebenen Maßnahmen derzeit kontinuierlich angepasst werden.

SAM: Wie schützen Sie Ihre Mitarbeiter?

Carqueville: Wir haben Schutzbrillen und FFP2-Masken in ausreichender Menge beschafft. Für den Eigenbedarf steht zudem Desinfektionsmittel zur Verfügung. Schutzanzüge haben wir dagegen nur noch wenige. Am wichtigsten sind jedoch die Verhaltensregeln zu Abstand und Grundhygiene, die hier für alle gelten.

SAM: Gibt es auch Mitarbeiter bei Ihnen, die jetzt im Homeoffice arbeiten?

Carqueville: Ja, vor allem Mitarbeiter aus dem Innendienst. Wir haben die Arbeitsabläufe für das Homeoffice frühzeitig getestet sowie die Anschaffung 15 neuer PCs vorgezogen, die jetzt erstmal für Homeoffice-Arbeitsplätze zur Verfügung stehen und in der Folge dann alte Geräte in den Büros ersetzen sollen. Zudem sind wir sehr flexibel bei der Gestaltung der Arbeitszeiten.

SAM: Die Sanitätshäuser gehören zu den systemrelevanten Branchen, die für die Grundversorgung relevant sind und deshalb weiter geöffnet haben. Wie finden Sie die Entscheidung?

Carqueville: Ich habe mich natürlich gefreut, dass in der Politik das Wort Sanitätshaus überhaupt mal benutzt wurde, da wir in der Regel als „sonstige Leistungserbringer“ keine Beachtung finden. Insbesondere unsere Kunden im Homecarebereich sind auf pünktliche und zuverlässige Lieferungen angewiesen. Auch sonst vertreiben wir keine Artikel, die man aus Lust kauft, sondern aus einem medizinischen Bedürfnis. Insofern war diese Entscheidung „alternativlos“.

SAM: Schulungen, Fortbildungen, diverse Veranstaltungen sind auch bei Ihnen abgesagt oder verschoben, in welchen Bereichen gab es ansonsten die weitreichendsten Einschränkungen bzw. Änderungen? Wie lässt sich bspw. derzeit die Pflege zu Hause bewerkstelligen?

Carqueville: Bei uns  waren in allen Abteilungen Schulungen geplant, die abgesagt werden mussten. Wir bieten zudem normalerweise Fortbildungen für Pflegepersonal an, die wir ebenfalls komplett absagen mussten. Die Bereiche Sanitätshaus, Rehatechnik und Schuhtechnik sind am stärksten von Nachfrageeinbrüchen betroffen. Andere Bereiche nutzen die Zeit, um alte Aufträge abzuarbeiten. Hier erwarten wir einen Einbruch erst ab Mai. Wir mussten außerdem in allen Bereichen den Kontakt mit den Kunden anpassen und einschränken. Es werden jetzt mehr Kundenkontakte telefonisch oder über Chat abgewickelt.

SAM: Gibt es auch beschwerte Bedingungen bspw. für einen „internen“ Bereich wie der Orthopädie, wenn es um die Anfertigung von Prothesen und Orthesen geht?

Carqueville: Ja, auch hier ist eigentlich naher Kundenkontakt nötig, den wir nun eingeschränkt haben, und die Kontakte unter den Mitarbeitern mussten ja ebenfalls reduziert werden.

SAM: Gibt es auch für die Sanitätshausbranche staatliche Hilfe oder Unterstützung, damit die Versorgung von Patienten verschiedener Indikationen auch in dieser Zeit reibungslos sichergestellt werden kann?

Carqueville: Die kurzfristig beschlossenen und zwischenzeitlich angepassten Empfehlungen des GKV-Spitzenverbandes zur Verwaltungserleichterung helfen natürlich. Hoffentlich trägt das dazu bei, den Unterschriftenwahn dauerhaft etwas einzudämmen. Ich erwarte allerdings nicht, dass unsere Branche mit Zuteilungen an Schutzausrüstung bedacht wird.

SAM: Wagen Sie einen Ausblick, wie es in den nächsten Wochen für Ihre Branche weitergehen wird?

Carqueville: Was mich zuversichtlich für die nächsten Wochen macht, ist, dass ich hier mit so einer tollen Mannschaft zusammenarbeite. Die Mitarbeiter aller Bereiche sind von Beginn an sehr flexibel und haben gute Ideen, wie wir die Situation meistern können. Die Abteilungen organisieren sich selbstständig, auch was die Umsetzung der Kurzarbeit angeht. Was die Prognose angeht, halte ich zwei Dinge für sehr wahrscheinlich: Der Infektionsschutz in Pflegeheimen wird auf lange Zeit deutlich verschärft bleiben und es wird weitere Infektionswellen mit erneuten Einschränkungen geben. Ich jedoch überzeugt, dass unser Unternehmen dank unserer sehr guten Mitarbeiter, treuen Kunden und Partnern diese schwierige Zeit meistern wird.

SAM: Herzlichen Dank für das Interview, Herr Carqueville!

 

Mehr über das tatkräftige Sanitätshaus mit dem Lächeln erfahren Sie auf der Seite: www.carqueville-online.de

Bildrechte: © Sanitäts- und Gesundheitshaus Carqueville GmbH