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Systemrelevant in der Corona-Krise: Brigitte Perick im Interview

[31.03.2020] In Zeiten der besonderen Herausforderung durch die Corona-Epidemie arbeitet die Bundesregierung mit den jeweiligen Ministerpräsidenten aller Bundesländer zusammen und hat eine gemeinsame Leitlinie bezüglich der bundesweiten Regelung sozialer Kontakte im öffentlichen Leben veröffentlicht. Darin geht es auch darum, welche Geschäfte für die Grundversorgung der Bevölkerung systemrelevant und deshalb weiterhin geöffnet sind. Hierzu zählen auch die Sanitätshäuser mit dem Lächeln. Sie stehen auch während der Coronakrise weiterhin für die Bevölkerung offen. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin sprach mit Brigitte Perick vom Sanitätshaus Perick in Steinfurt über die besondere Lage.

SAM: Jeder Einzelne von uns bemerkt in seinem beruflichen wie privaten Leben gerade die Einschränkungen sowie Änderungen im Zuge der anhaltenden Coronakrise. Wie war das bei Ihnen, ab wann war Ihnen klar, dass sich insbesondere geschäftlich nun mindestens einige Wochen was ändern wird?

Brigitte Perick: Ende Januar haben wir angefangen, uns mit Hilfsmitteln zu bevorraten, da viele Produkte im asiatischen Raum hergestellt werden. Zunächst haben wir nur anstehende Produktionseinschränkungen, durch vorübergehende Betriebsschließungen in China vermutet. Da aber sehr viele Artikel, aus allen Branchen aus China kommen, kam zudem noch der Hinweis, dass nach Produktions-Wiederaufnahme, die Hafenlogistik diese Mengen nur verzögert auf den Weg bringen kann.

SAM: Welche Maßnahmen haben Sie dann als erstes getroffen?

Brigitte Perick: Bereits Mitte Februar haben wir angefangen Ideen für einen Notfallplan zu sammeln, der vorrangig den Schutz unserer Mitarbeiter betraf. Die ersten Bestellungen an Desinfektionsmittel und Schutzkleidung wurden geordert.

SAM: Die Sanitätshäuser gehören bspw. neben Apotheken, Supermärkten und natürlich Arztpraxen zu den wichtigen, systemrelevanten Branchen, die für die Grundversorgung relevant sind und deshalb weiter geöffnet haben. Wie sagen Sie zu der Entscheidung?

Brigitte Perick: Das ist definitiv eine richtige Entscheidung. Nahrungs-, Inko- und Stomapatienten sind auf die Lieferung der entsprechenden Produkte, durch uns angewiesen. Pflegebedürftige Menschen zu Hause müssen ihre Hilfsmittel, im Falle einer Reparatur wieder zeitnah nutzbar haben. Wir müssen niemanden mobil machen, wenn es nicht unbedingt sein muss. Aber dennoch gibt es auch bedürftige Menschen, die diese Mobilität, z. B. mit einem Rollstuhl, für eigene notwendige Besorgungen benötigen. Das müssen wir sicherstellen. Wir werden gebraucht – und zwar immer.

SAM: Die Lage verändert sich gerade täglich, bedeutet das auch für Sie, dass Sie ständig an Ihren Entscheidungen nachjustieren müssen?

Brigitte Perick: Ja, genau! Unser Krisenstab trifft sich seitdem – natürlich mit entsprechender körperlicher Distanz – täglich, um sich über Neuerungen, wie Lieferbedarf sowie -fähigkeit, Kundenbesuche, behördliche Maßgaben, Mitarbeiterinformationen usw. auszutauschen. Aus jeder Sitzung resultieren bisher neue Maßnahmen.

SAM: Wie schützen Sie eigentlich Ihre Mitarbeiter?

Brigitte Perick: Aufgrund der, bereits erwähnten Vorplanung aus Januar, konnten wir Anfang März die notwendigen Maßnahmen mit einem fix einberufenen internen Krisenstab, innerhalb eines Tages umsetzen. Wir erhoffen damit, die Belegschaft zu schützen um arbeitsfähig zu bleiben. Im Einzelnen sind das folgende Maßnahmen:

  • Ein-Mann-Büros
  • Laufwege im Betrieb als Einbahnstraßen
  • Nutzung von verschiedenen Gebäudeeingängen und Treppenhäusern im Betrieb, je nach Team
  • Hygienevorschriften für alle Arbeitsplätze
  • Ausgabe eines Verhaltenskodex (Abstand) im Betrieb
  • Kompetenzteams wurden getrennt und arbeiten in zwei unterschiedlichen Schichten, ohne Kontakt beim Schichtwechsel
  • Kollegen/Kolleginnen, die vor Ort versorgen müssen, haben Schutzkleidung, mit einer Verhaltensanweisung im Umgang mit dem Kunden erhalten. Hierüber informieren wir den Kunden telefonisch bei der Terminabsprache
  • Hinweisschilder im Ladenbereich (Abstand/Händedesinfektion/Einzeleintritt) schützen Mitarbeiter und Kunden
  • Spukschutz-Wände bieten ebenso wie leichte Schutzkleidung Vorsorge
  • Lieferanten/Paketdienste laden vor dem Hallentor ab. Noch notwendige Unterschriften werden an einer Übergabestation kontaktfrei geleistet
  • Aufenthaltsräume wurden auf zwei Personen begrenzt
SAM: Schulungen, Fortbildungen, diverse Veranstaltungen sind auch bei Ihnen abgesagt oder verschoben worden. In welchen Bereichen gab es ansonsten die weitreichendsten Einschränkungen bzw. Änderungen? Wie lässt sich bspw. derzeit die Pflege zu Hause bewerkstelligen? Wie sieht es mit der Anfahrt von Pflegeheimen aus?

Brigitte Perick: Für unser Betätigungsfeld stellen wir – nachvollziehbar – fest, dass der Bedarf an „leichter“, allgemeiner Mobilität nahezu komplett weggebrochen ist. Die Pflege zu Hause ist dagegen derzeit unser größtes Tagesgeschäft, da die Krankenhäuser alle Patienten so schnell wie möglich entlassen, um sich auf eine mögliche Aufnahme von infizierten Personen vorzubereiten. Einrichtungen und Heime haben wir telefonisch kontaktiert und vereinbart, dass der Besuch zur Versorgung nur nach telefonischer Absprache erfolgt.

SAM: Gibt es auch beschwerte Bedingungen für interne Bereiche, wie bspw. in der Medizintechnik?

Brigitte Perick: Unsere Kernkompetenz liegt in der Rehatechnik. Hier gehört zum Aufrechterhalten unserer Arbeit die Reinigung und Desinfektion. Aufgrund von massivsten Lieferengpässen, bereitet das im Moment noch Sorgen, wie lange es uns gelingt, hier notwendige Desinfektionsmittel zu erhalten.

Die ersten, aus dem Krankenhaus entlassenen Corona-Patienten haben wir, mit spezieller Schutzkleidung, mit Sauerstoffkonzentratoren versorgt. Wir sind in der Lage, dieses so lange zu leisten, wie wir entsprechenden Schutz für unsere Mitarbeiter gewährleisten können.

SAM: Gibt es auch für die Sanitätshausbranche staatliche Hilfe oder Unterstützung, damit die Versorgung von Patienten verschiedener Indikationen auch in dieser Zeit reibungslos sichergestellt werden kann?

Brigitte Perick: Unsere Anfrage an die entsprechenden Behörden, uns bei der Versorgung mit Schutzkleidung zu unterstützen, wurde als nahezu aussichtslos dargestellt, da nicht mal Rettungsdienste entsprechend ausreichend versorgt werden können. In der starken Gemeinschaft als Mitglied der Sanitätshaus Aktuell AG erhalten wir allerdings eine bestmögliche Unterstützung, nicht nur was den Einkauf angeht, sondern auch zu organisatorischen, betrieblichen, betriebswirtschaftlichen Themen, Kundeninformationen, staatliche Hilfen und Gesetzesänderungen.

SAM: Wie sieht es bei Ihnen mit der Nachfrage nach Desinfektionsmitteln aus?

Brigitte Perick: Die Nachfrage ist seit Anfang Februar gestiegen. Zu dem Zeitpunkt haben wir größere Mengen geordert, deren Lieferung aber nur in Teilmengen kam. Seit Mitte Februar reglementieren wir den Freiverkauf, um ausreichend Bestand für unsere Mitarbeiter zu haben und unsere langjährigen Kunden versorgen zu können. Das ist uns – toi,toi,toi – bis heute gelungen.

SAM: Wagen Sie einen Ausblick, wie es in den nächsten Wochen für Ihre Branche weitergehen wird?

Brigitte Perick: Wenn sogar Prof. Wieler vom RKI sagt, “Wir sind in einer Krise, deren Ausmaß ich mir nie hätte vorstellen können”, möchte ich von einer Prognose besser Abstand nehmen. Wir alle können nur hoffen, dass es uns (= Deutschland), durch Disziplin und Solidarität gemeinsam gelingt, mit einem „blauen Auge“ davon zu kommen.

SAM: Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Mehr über das tatkräftige Sanitätshaus mit dem Lächeln erfahren Sie auf der Seite: www.perick.de