Die Aktuelle, Ausgabe 04 / 2019, Fitness
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Stark und fit im Alter

Der promovierte Theologe Dr. Reinhold Hemker treibt Sport, so oft es geht. Der 75-Jährige ist aktiver Triathlet, spielt Tischtennis, ist gerne mit Frau und Hund unterwegs und hat auch beruflich und ehrenamtlich ein bewegtes Leben: Er war unter anderem Mitglied des Landtages NRW und des deutschen Bundestages. Als Lehrbeauftragter unterrichtet er Studierende am Institut für Sozialwissenschaften mit dem Schwerpunkt „Praxis der  Entwicklungszusammenarbeit“. Bereits seit 1975 führt Hemker Entwicklungs-, Sport- und Studienprojekte im europäischen sowie außereuropäischen Ausland durch und engagiert sich in unterschiedlichen Projekten und Vereinen für die Entwicklungszusammenarbeit. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin sprach mit der Sportskanone.

Text: Carolin Oberheide

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Was ist Ihre tägliche sportliche Mindestdosis, die Sie auch unseren Lesern empfehlen könnten?

Dr. Reinhold Hemker: Eine Mindestdosis gibt es für mich nicht. Der Trainingsumfang richtet sich auch danach, ob eine Qualifikation für die Ironman-Weltmeisterschaft auf Big Island/Hawaii geplant ist, an der ich in diesem Jahr bereits zum siebten Mal teilnehme. In dem Fall versuche ich, regelmäßige Trainingseinheiten zwischen zwei und fünf Stunden täglich entweder Rad oder Laufen und eine bis anderthalb Stunden Schwimmen zu absolvieren. An einem Tag ist Pause mit Gymnastik, die aber ohnehin täglich dazugehört. Das ist natürlich nicht auf jeden Menschen meines Alters anwendbar. Zehn bis 20 Prozent meines Pensums sollten aber möglich sein, etwa mit zügigem Gehen statt Laufen. Wichtig ist besonders morgens Gymnastik mit viel Recken und Strecken.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Welche Alterserscheinungen werden durch Ihren Sport möglicherweise aufgehalten und wobei stoßen Sie an Ihre Grenzen?

Dr. Reinhold Hemker: Bei mir bewirkt Sport die Senkung meines früher zu hohen Blutdrucks und die Begrenzung der Werte im Bereich Cholesterin, Triglyceride und Zucker. Aufbau und Stärkung der Muskulatur und Förderung meiner Bewegungsfähigkeit tragen auch zu einem ruhigen Schlaf ohne Unterbrechungen bei, vor allem, wenn ich in den letzten Stunden vor dem
Zubettgehen nichts mehr gegessen und getrunken habe . Grenzen gibt es natürlich bezüglich der Schnelligkeit. Intervalltraining reduziere ich etwas. Das gilt für diejenigen, die keinen Altersleistungssport betreiben, sowieso.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Helfen Sport und Wettkampf Ihnen dabei, mit dem Altern besser umzugehen?

Dr. Reinhold Hemker: Schwimmen sowie lange Trainingsfahrten und -läufe, besonders abseits der Hauptstraßen, sind wie Meditation. Ich merke, dass ich altersgemäß nicht nur körperlich stärker werde bzw. bleibe, sondern dass der Körper im Sinne des alten Grundsatzes „Mens sana in corpore sano” im Einklang mit dem Geist steht. Natürlich helfen besonders Erfolge beim Sport bzw. Wettkampf dabei, mit dem Altern besser fertigzuwerden. Wichtig ist auch die Gemeinschaft. Meine Frau Kerstin zieht beim Schwimmtraining neben mir ihre Bahnen, mit dem E-Bike begleitet sie mich beim Radtraining fast im gleichen Tempo, beim Lauftraining gibt sie mit einem Tourenrad die Geschwindigkeit vor.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Welchen Rat würden Sie älteren Menschen geben, die sich nicht zu sportlichen Aktivitäten aufraffen können?

Dr. Reinhold Hemker: Sie sollten gucken, wo sich alte Menschen in Vereinen oder Gesundheitszentren sportlich betätigen, mit aktiven Älteren über deren Erfolge sprechen und sich zum Einstieg in gemeinsame sportliche Aktivitäten verabreden. Wichtig ist auch, sein Körpergewicht zu kontrollieren und bei Übergewicht für Gewichtsreduktion zu sorgen, nach dem Motto: Von allem etwas essen – aber nur die Hälfte.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Welche Rolle spielt die geistige Fitness als Ergänzung zur körperlichen?

Dr. Reinhold Hemker: Beides gehört eng zusammen. Mein ehrenamtliches gesellschaftliches Engagement als Lehrbeauftragter an der Universität, Vorsitzender des VdK-Kreisverbandes Steinfurt, im NABU Kreisverband Steinfurt und im kirchlichen Bereich mit verschiedenen Aktivitäten ist nur mit körperlicher Fitness und Gesundheit möglich. Das hält jung – besonders auch, weil ich nicht nur im Rahmen des Projekts „Praxis der Entwicklungszusammenarbeit” viel mit jungen Menschen zu tun habe.

Mehr über Dr. Reinhold Hemker erfahren Sie auf seiner Website: www.reinhold-hemker.de

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