Ausgabe 04 / 2017, Die Aktuelle, Ratgeber, Recht & Co.
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Antworten auf rechtliche und gesetzliche Gesundheitsfragen

Sie haben Recht!

Im Grundgesetz ist das Recht auf körperliche Unversehrtheit fest verankert. Damit hat unser Staat die Pflicht, Ihre Gesundheit zu erhalten und eine eventuelle Benachteiligung durch eine Behinderung mit entsprechenden Mitteln auszugleichen. Gleichzeitig muss auch einer möglichen, drohenden Behinderung vorgebeugt werden. Alles dies sind Ihre Rechte, für die es sich manchmal auch zu kämpfen lohnt. Damit Sie einen Überblick erhalten, was alles zu Ihren Rechten gehört und was Sie wann machen müssen, hat das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin nützliche Informationen für Sie zusammengetragen und mit einer Expertin ausführlich über die Thematik gesprochen.

Text: Christian Sujata

Was bringt das neue Pflegegesetz?

Bereits seit dem 1. Januar 2015 ist es in Kraft, doch viele fragen sich, was ihnen das neue Pflegegesetz eigentlich bringt? Die Antwort ist relativ einfach: Mehr Geld und mehr Leistungen. Was zunächst wie ein Versprechen aus der Werbung klingt, entpuppt sich als das deutlich verbesserte Pflegestärkungsgesetz. Die Leistungen der einzelnen Pflegestufen wurden erhöht und an die Bedürfnisse von Menschen mit geistigen Einschränkungen wie Demenzerkrankungen angepasst. Außerdem haben Pflegebedürftige einen Anspruch auf zusätzliche Betreuungsleistungen und für pflegende Angehörige wird die Vereinbarkeit von Beruf sowie Pflege erleichtert. Zwei Jahre nach dem sogenannten Pflegestärkungsgesetz I trat zum 1. Januar 2017 zusätzlich das Pflegestärkungsgesetz II in Kraft. Darin enthalten ist auch der Pflegebedürftigkeitsbegriff, der Demenzkranken Anspruch auf die gleichen Leistungen einräumt wie Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Ausschlaggebendes Kriterium wird künftig sein, wie selbstständig jemand noch ist. Damit verbunden ist zudem ein neues Begutachtungsverfahren, bei dem auch geistige Handicaps eine Rolle spielen sollen.

Was bringt das neue Pflegegesetz?

Welcher Pflegegrad steht mir zu? Der neue Pflegegradrechner der Sanitätshaus Aktuell AG ermöglicht Ihnen, den Grad der Pflegebedürftigkeit zu bestimmen. Anhand Ihrer Angaben berechnet er, welcher Pflegegrad Ihnen oder Ihrem Angehörigen voraussichtlich zustehen würde. Er gibt eine erste Orientierung dafür, ob eine Beantragung von Pflegegeld möglich wäre. Aufgrund des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) werden die bis dahin gültigen Pflegestufen durch die fünf Pflegegrade ersetzt. Wer bereits Leistungen der Pflegeversicherung bezieht, wird per Gesetz automatisch in das neue System übergeleitet. Niemand muss einen neuen Antrag auf Begutachtung stellen. So wird für die Betroffenen unnötiger zusätzlicher Aufwand vermieden. Dabei gilt: Alle, die bereits Leistungen von der Pflegeversicherung erhalten, erhalten diese auch weiterhin mindestens in gleichem Umfang, die allermeisten erhalten sogar deutlich mehr. Konkret gilt die Formel: Menschen mit ausschließlich körperlichen Einschränkungen werden automatisch in den nächsthöheren Pflegegrad übergeleitet (Beispiele: Pflegestufe I wird in Pflegegrad 2, Pflegestufe III wird in Pflegegrad 4 übergeleitet). Menschen mit geistigen Einschränkungen kommen automatisch in den übernächsten Pflegegrad (Beispiel: Pflegestufe 0 wird in Pflegegrad 2, Pflegestufe II mit eingeschränkter Alltagskompetenz wird in Pflegegrad 4 übergeleitet …). Mehr erfahren Sie unter www.sani-aktuell.de/pflegegradrechner

Leistungspflicht der Krankenkassen

Seit dem 1. April 2007 besteht eine Leistungspflicht der Krankenkassen, auch wenn der schwerstbehinderte, pflegebedürftige Mensch trotz seines körperlichen Defizits nicht mehr zu rehabilitieren ist. Die Versorgungsleistungen durch die Krankenkassen umfassen auch notwendige Wartungen und technische Kontrollen der Hilfsmittel. Dem pflegebedürftigen, behinderten Menschen bzw. dessen Angehörigen wird also die Verantwortung abgenommen, sich selbst um die Sicherheit des Hilfsmittels kümmern zu müssen.

Gut zu wissen: Die Krankenkasse übernimmt im Regelfall die Kosten für die Versorgung mit einem Hilfsmittel. Diese Leistung ist dann ausreichend sowie zweckmäßig und überschreitet nicht das Maß des Notwendigen. Es kann jedoch vorkommen, dass Ihnen die Versorgung mit dem vorgesehenen Hilfsmittel, das den gesetzlichen Anforderungen entspricht, im Material, in der Zusammensetzung oder im Rahmen der Zubehörausstattung nicht zusagt. Sie haben dann die Möglichkeit, das Hilfsmittel auf eigene Kosten Ihren Wünschen entsprechend anpassen zu lassen. Diese sogenannte „wirtschaftliche Aufzahlung“ ist grundsätzlich immer möglich. Lassen Sie sich durch Ihr regionales Sanitätshaus mit dem Smiley umfangreich und unverbindlich dazu beraten.

Wann kommt die Pflegekasse zum Einsatz?

Pflegebedürftige haben Anspruch auf Versorgung mit Pflegehilfsmitteln, die zur Erleichterung der Pflege oder zur Linderung der Beschwerden des Pflegebedürftigen beitragen oder ihm eine selbstständigere Lebensführung ermöglichen, soweit die Hilfsmittel nicht wegen Krankheit oder Behinderung von der Krankenversicherung zu leisten sind. Pflegehilfsmittel werden nur bezahlt, wenn eine Pflegebedürftigkeit mit entsprechender Einstufung vorliegt und eine Leistungspflicht der Krankenkassen entfällt. Bei Handicaps durch eine Krankheit oder Behinderung bleibt die Krankenkasse für die Finanzierung von Hilfsmitteln weiterhin zuständig.

Gut zu wissen: Der Antrag auf die Kostenübernahme eines Pflegehilfsmittels kann ohne ärztliche Verordnung bei der Pflegekasse gestellt werden. Eine Absprache mit dem Hausarzt ist dennoch empfehlenswert. Pflegehilfsmittel belasten nicht das Budget des Arztes. Für technische Pflegehilfsmittel – keine Verbrauchsgüter – haben Pflegebedürftige, die das 18. Lebensjahr überschritten haben, eine Zuzahlung von 10 Prozent, maximal jedoch 25,- Euro je Hilfsmittel, selbst zu entrichten (in Härtefällen ist eine Befreiung möglich) – es sei denn, das Hilfsmittel wird leihweise zur Verfügung gestellt.

Das Sanitätshaus meines Vertrauens

Seit dem 1. Januar 2010 müssen Sanitätshäuser Vertragspartner Ihrer Krankenkasse sein, um Sie mit Hilfsmitteln versorgen zu dürfen. Hat das von Ihnen ausgesuchte Sanitätshaus keinen
Vertrag mit Ihrer Krankenkasse, so können Sie sich dennoch von ihm versorgen lassen, wenn Sie bei der Krankenkasse besondere Gründe vorbringen.

Gut zu wissen: Dieses sogenannte „berechtigte Interesse“ kann zum Beispiel bei einem lang jährigen Vertrauensverhältnis oder bei Eingriffen in die Intimsphäre vorliegen. Allerdings müssen Sie die Mehrkosten selbst tragen, wenn das von Ihnen ausgewählte vertragslose Sanitätshaus teurer ist als das vertraglich gebundene Sanitätshaus.

Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus: Krankenkasse kontaktieren

Von Geh- und Anziehhilfen über Schuheinlagen und Helfer im Bad bis hin zu Orthesen und speziellem Besteck: Für Menschen mit Handicap gibt es in den Sanitätshäusern die unterschiedlichsten Hilfsmittel, die das tägliche Leben erleichtern können. In vielen Fällen können die Kosten von den Krankenkassen übernommen werden. Sprechen Sie Ihre Krankenkasse an. Das GKV-Hilfsmittelverzeichnis kann Ihnen dabei einen ersten Überblick liefern: www.sanitaetshaus-aktuell.info/hilfsmittelverzeichnis. Die Sanitätshäuser unterstützen Sie dabei mit umfangreichen Leistungen und einer Komplettversorgung aus einer Hand. Bei Reha-Hilfsmitteln (Rollstühle, Rollatoren, Elektro-Mobile etc.) sind das zum Beispiel:

BERATUNG
• Individuell und persönlich auch zu Hause •
• Abwicklung der Kostenübernahme mit den Krankenkassen •
• Unterstützung bei allen Formalitäten •

ADMINISTRATIVE UNTERSTÜTZUNG
• Erstellung von Kostenvoranschlägen •
• Finanzielle Abwicklung mit den Kranken- oder Pflegekassen
sowie Einrichtungen der häuslichen Pflege •

TECHNISCHE UNTERSTÜTZUNG
• Individuelle Anpassung von Hilfsmitteln durch Spezialisten •
• Hilfsmittel auf Probe •
• Vermietung von Reha-Mitteln •
• Umfangreicher Reparaturservice •
• Spezialversorgungen für Schwerstbehinderte •
• Sonderanfertigungen •
• 24 Stunden Notfall-Service •
• Service-Teams mit eigener Werkstatt •