Die Aktuelle, Ausgabe 01 / 2020, Ratgeber, Rehabilitationstechnik
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Sicher unterwegs mit dem Rollator

Für gehbehinderte Menschen werden häufig schon geringe Entfernungen zu einem unüberwindbaren Hindernis, weil sie in ihrer Beweglichkeit und Flexibilität so eingeschränkt sind, dass sie ohne fremde Hilfe selbst kurze Wege nicht zurücklegen können. Hilfe kann eine durchdachte Gehhilfe wie der Rollator bieten, der drinnen wie draußen zu mehr Mobilität verhilft und unerreichbare Ziele wieder erreichbar macht. Was beim Kauf und der Nutzung des weitverbreiteten Mobilitätshelfers alles zu beachten ist, verrät Marketingleiter Holger Falk vom reha team West in einem Gespräch mit dem SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin.

Interview: Christian Sujata

SAM: Herr Falk, worauf ist beim Kauf eines Rollators zu achten?
Marketingleiter Holger Falk vom reha team West (© reha team West Rehabilitationstechnik am Menschen GmbH & Co. KG)

Marketingleiter Holger Falk vom reha team West (© reha team West Rehabilitationstechnik am Menschen GmbH & Co. KG)

Holger Falk: Der Rollator muss den Anforderungen und Bedürfnissen des Nutzers weitestgehend angepasst sein. Wir Fachbetriebe sind daher gehalten, die Lebensrealität des Kunden in der Beratung objektiv zu beleuchten: Wie viel Unterstützung braucht der Nutzer und in welchen Aktivitäten soll der Rollator dem Nutzer wieder ein Mehr an Eigenständigkeit ermöglichen? Ziel ist es, die Ressourcen und die Mobilität der Menschen gleichermaßen zu fördern, gerade auch in deren unmittelbarem Wohnumfeld. Der Rollator sollte möglichst eigenständig zusammenzufalten sein, damit der Kunde Stufen zur Wohnung oder beim Arztbesuch bewältigen kann oder der Rollator auch ohne Überforderung in den Kofferraum zu verfrachten ist. Wir als regional tätiges Sanitätshaus sind zudem in der Lage, die Beratungen sowie kleinere Reparaturen, wie zum Beispiel das Nachziehen der Bremsen, auch unmittelbar beim Kunden zu Hause durchzuführen. Als dauerhafter Ansprechpartner unterscheiden wir uns hierüber deutlich vom Discounter oder Supermarkt.

SAM: Funktionalität oder Sicherheit, welcher Aspekt spielt beim Rollator die größere Rolle?

Holger Falk: Beide Aspekte dürfen sich nicht ausschließen und Abstriche in puncto Sicherheit sind selbstverständlich indiskutabel. Die Betroffenen messen dem Aspekt der Funktionalität in der Regel unterschiedliche Bedeutung zu und somit schließt sich hier wiederum der Kreis zur individuellen Beratung. Fakt ist aber, dass mit dem Mehr an Lebensqualität, das der Rollator dem Betroffenen gewährleistet, stets auch ein Höchstmaß an Sicherheit verbunden sein muss.

SAM: Was bedeutet überhaupt Sicherheit im Zusammenhang mit einem Rollator?

Holger Falk: Der richtigen Einstellung der Handgriffe kommt besondere Bedeutung zu. Häufig sieht man Nutzer, die ihren Rollator mit gestreckten Armen viel zu weit vor sich herschieben und nicht selten ins Straucheln geraten. Der Grundsatz sollte aber lauten, „dass der Rollator mit mir geht”. Wir Fachbetriebe richten daher unser Augenmerk stets auch auf die Besonderheiten des individuellen Gangbildes. Nur so können wir den Sicherheitsaspekten in vollem Umfang gerecht werden, um Stürze zu vermeiden. Zudem soll der Rollator benötigte Ruhepausen ebenso gewährleisten wie den sicheren Transport von Einkäufen oder zum Beispiel auch die Mitführung eines Sauerstoffgerätes. Nicht zu vergessen Reflektoren für die dunkle Jahreszeit.

SAM: Kann man davon ausgehen, dass die Modelle, die von der Kasse bezahlt werden, die Sicherheitsmöglichkeiten nicht völlig ausreizen?

Holger Falk: Die grundsätzlichen Sicherheitsaspekte erfüllt auch ein sogenanntes Kassenmodell. Ein Blick in das Hilfsmittelverzeichnis verrät allerdings, dass sicherheitsrelevante Aspekte in den Produktanforderungen keine Erwähnung finden. Hier ist offenkundig noch Luft nach oben, denn das Maß des Notwendigen scheint bereits beim besagten Reflektor überschritten.

SAM: Können Sie uns einzelne Sicherheitsmaßnahmen, bspw. die Kipphilfe oder den Rückengurt, näher beschreiben?

Holger Falk: Ganz wichtig ist es, zunächst die Feststellbreme zu betätigen, wenn man auf der Sitzfläche Platz nehmen möchte. Ein am Rahmen des Rollators befestigter Rückengurt dient dann nicht allein dem bequemen Sitzen in Ruhephasen, sondern zugleich auch der Begrenzung der Sitzfläche, damit der Rollator samt Nutzer nicht nach hinten kippt. Mit der Ankipphilfe in Höhe der Räder bietet sich dem Betroffenen die durchdachte Option, Bordsteine zu bewältigen, ohne den Rollator mühsam, geschweige denn komplett anheben zu müssen.

SAM: Was hat sich in Sachen Sicherheit bei Rollatoren im Laufe der Zeit getan und was ist noch möglich?

Holger Falk: Durch die Verarbeitung innovativer Materialien, insbesondere Carbon, ist es über die Jahre gelungen, Rollatoren zu entwickeln, deren Gewicht auf das Minimum reduziert werden konnte, ohne dass dies zu Lasten von Sicherheit und insbesondere Stabilität geht. Auch das Zubehör ist unter sicherheitsrelevanten Aspekten weiterentwickelt worden, dazu gehören zum Beispiel LED-Lampen, Schlösser und spezielle Reifenprofile, die sowohl glatten als auch unebenen Untergründen gerecht werden. Unsere Aufgabe als Leistungserbringer ist es, die Bedürfnisse der Menschen wahrzunehmen und in den Dialog mit den Schaffenden einfließen zu lassen.

SAM: Seit einigen Jahren werden vielerorts die sogenannten „Rollatortage“ veranstaltet, die den Menschen per Sicherheitstraining Wissenswertes für die Nutzung ihres Rollators im Alltag näherbringen. Wie sehen Ihre Erfahrungen aus und wie kann man sich das Rollator-Sicherheitstraining vorstellen?

Holger Falk: Für unsere Region ist diese Initiative seit Anbeginn im Jahr 2013 ein Gemeinschaftsprojekt, zu dem engagierte Akteure aus Industrie, Kommunen, der Polizei sowie den Verkehrsbetrieben zusammengefunden haben. Unser Sanitätshaus steuerte seinerzeit erstmalig in Düsseldorf sein Know-how hinzu und seither bilden die Rollatortage ein wunderbares Forum, die Menschen dorthin einzuladen. Es geht anhand der bereitstehenden Busse und Bahnen darum, die sichere Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel per Rollator auszuprobieren und zu erlernen. Uns obliegt dabei der Part des Check-ups, das heißt, wir überprüfen die Rollatoren vor Ort auf deren Sicherheit und führen kleinere Reparaturen kostenfrei durch. Elementarer Bestandteil der Rollatortage ist unser Rollator-Parcours, der es den Betroffenen ermöglicht, Kanten und verschiedene Untergründe sicher zu bewältigen. Ergänzend bieten wir außerdem stets die Möglichkeit, verschiedene Rollator-Modelle zu erproben, Kaffee und Kuchen inbegriffen.

SAM: Herzlichen Dank für das Gespräch

Mehr über das Sanitätshaus mit dem Lächeln, mit Standorten in acht Städten, erfahren Sie auf der Seite: www.reha-team-west.de

Bildnachweise Headerfoto: © iStock.com/FamVeld