Die Aktuelle, Ausgabe 03 / 2019, Orthopädietechnik, Ratgeber
Schreibe einen Kommentar

Sensomotorische Einlagen

Ob Kind, Sportler oder Schmerzpatient – sensomotorische Einlagen aktivieren, deaktivieren, korrigieren und stabilisieren. Der Begriff Sensorik bezieht sich auf die Sinnesmeldungen der Empfangsorgane aus der Umwelt. Motorik beschreibt die Bewegung unseres gesamten Skelettes und die Anspannung bestimmter Muskelgruppen in der Bewegung. Die Oberflächensensibilität ist erwiesenermaßen ausschlaggebend, um auf die Spannungszustände eingehen zu können – daher die Bezeichnung sensomotorische Einlagen. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin sprach mit Martin Olek, Orthopädietechnik-Meister beim Sanitätshaus Marx/Rieger in Neutraubling, über das innovative Hilfsmittel.

Text: Carolin Oberheide

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie wirken sensomotorische Einlagen?

Martin Olek: Überaktive, hypertone Muskeln werden entspannt und unteraktive, hypotone zum „Arbeiten“ bewegt, sodass das Muskelgleichgewicht wiederhergestellt wird. Dies hat auf die einzelnen Fehlstellungen eine korrigierende Wirkung. Durch die Druckpunkte werden mit jedem Schritt Reize ausgelöst, die über das Nervensystem weiterverarbeitet werden und die Muskeln zum An- oder Entspannen bewegen. Sensomotorische Einlagen sind also Aktiveinlagen – im Gegensatz zu Bettungs- oder stützenden Einlagen. Der Muskel arbeitet selbst und legt sich nicht nur auf eine Schale.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Für wen sind diese Einlagen geeignet oder ratsam?

Martin Olek: Theoretisch für jeden. Meine Patienten sind zwischen drei und 78 Jahre alt. Für Kinder werden sie häufig zur Korrektur von Fehlstellungen eingesetzt. Sportler nutzen sie zur Leistungsoptimierung. Schmerzpatienten, etwa mit einer Kniegelenksarthrose oder nach Bandscheibenvorfällen, allgemein mit Rücken- oder Hüftproblemen oder Menschen mit Migräne- und Tinitusbeschwerden erfahren oft Linderung durch diese Einlagen. Und auch bei neurologischen Beschwerden, wie einem Schlaganfall oder Fußhebeschwächen bzw. Paresen helfen sie. Ich bin überzeugt von diesen Einlagen, weil wir mit relativ einfachen Mitteln so viel erreichen können: Über Druckpunkte kann ich Fehlstellungen korrigieren und somit Einfluss auf die Beinachsen sowie Fußrotationen nehmen. Oftmals geht die Anpassung der Einlagen mit begleitender Krankengymnastik und Übungen einher, die die Wirkung ergänzen sowie verstärken. Leider finanzieren bzw. bezuschussen die Krankenkassen die Einlagen in den meisten Fällen nur zum Teil, da es zwar Studien und Arbeitskreise, aber keine offiziellen Richtlinien dazu gibt.

© Orthopädie Technik Marx/Rieger GmbH

© Orthopädie Technik Marx/Rieger GmbH

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Für welches Schuhwerk sind die Einlagen geeignet?

Martin Olek: Sensomotorische Einlagen können Sie in fast alle Schuhe legen, vorausgesetzt, die Sohle ist einigermaßen fest und die Ferse ist geführt. Am besten mit einer stabilen Hinterkappe, die dem Schuh Stabilität gibt. Außerdem sollte der Schuh passen, was nicht selbstverständlich ist: Frauen kaufen gerne zu kleine und Männer zu große Schuhe.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie erkennt man einen guten Techniker und eine gute Einlage?

Martin Olek: Er sollte anatomische und biomechanische Kenntnisse haben und offen für Verbesserungsprozesse sein. Ich höre den Kunden zu, wenn sie über ihre Beschwerden berichten, und berate sie ausführlich. Dann fertige ich die Einlagen mittels PC, Modellieren, Fräsen und Schleifen. Einige Zeit nach dem Anpasstermin gibt es einen Kontrolltermin, bevor ich die Einlagen endgültig fertigstelle, denn die Druckpunkte kann ich auch im Nachhinein individuell erhöhen oder beschleifen. Bei der Einlage gibt es verschiedene Druckpunkte, die zusammenspielen müssen, da nur so Beschwerden gelindert werden können. Wenn ein Kunde merkt, dass die Einlage nicht passt und er Schmerzen hat, korrigiere ich sie, um zu verhindern, dass sich Fehlspannungen oder Fehlstellungen ergeben. Spürt der Kunde hingegen einen Druck, ist das in Ordnung. Auch Muskelkater kann anfangs auftreten, denn eine sensomotorische Einlage ist wie ein Fitnessstudio für die Füße: Sie trainiert insgesamt 38 Fußmuskeln!

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Herzlichen Dank!

Mehr über das Sanitätshaus mit dem lächelnden Gesicht erfahren Sie auf folgender Internetseite: www.marx-rieger.de

Bildnachweise Headerfoto: © Orthopädie Technik Marx/Rieger GmbH