Ausgabe 01 / 2018, Die Aktuelle, Orthopädietechnik, Ratgeber, Rehabilitationstechnik
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Ursachen, Symptome und folgen bei einem Schlaganfall

Titelthema Schlaganfall – Jede Sekunde zählt!

Ein Schlaganfall kann jeden von uns treffen. Laut Angabe der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe erleiden ihn in Deutschland jedes Jahr knapp 270.000 Menschen. Rund 20 von 100 sterben innerhalb von vier Wochen, über 37 von 100 innerhalb eines Jahres. Der Schlaganfall ist hierzulande nach Krebs- und Herzerkrankungen die dritthäufigste Todesursache. Zwar überleben die meisten einen Schlaganfall, allerdings kann er bleibende Schäden zur Folge haben, die unter Umständen zu andauernder Pflegebedürftigkeit führen. Die gute Nachricht: Sie können selbst aktiv werden, um Ihr Schlaganfallrisiko zu senken.

Text: Christian Sujata

Ein Schlaganfall ist immer ein medizinischer Notfall, der umgehend behandelt werden muss. In den meisten Fällen handelt es sich um einen sogenannten Hirninfarkt, bei dem ein verstopftes Blutgefäß zu einer Mangeldurchblutung des Gehirns führt. Man spricht hier von einem ischämischen Infarkt. Ursache ist eine Gefäßverkalkung oder ein Blutgerinnsel. „Eine andere Form des Schlaganfalls, die Hirnblutung, tritt ein, wenn ein Blutgefäß im Gehirn platzt und Blut ins Hirngewebe austritt. Auch hier wird das Nervengewebe nicht mehr genügend durchblutet und nimmt Schaden“, erklärt Dr. Johannes Schenkel, Neurologe und ärztlicher Leiter bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD).

Beide Ursachen haben zur Folge, dass ein Bereich des Gehirns nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird und Nervenzellen absterben. „Ein Schlaganfall kann bleibende Schäden verursachen. Er kann zum Beispiel zu Lähmungen und Sprachschwierigkeiten führen“, sagt der Facharzt für Neurologie.

Im Notfall ist schnelles Handeln wichtig!

„Time is Brain“ (engl: Zeit ist Gehirn) lautet die Devise, mit der Ärzte unterstreichen, wie wichtig der Faktor Zeit im Zusammenhang mit einem Schlaganfall ist. „Alle Beteiligten müssen schnell und angemessen reagieren, damit die Therapie den größten Erfolg hat. Denn bei einem Schlaganfall kommt es auf jede Minute, gar Sekunde an. Die ersten Stunden danach entscheiden über die Zellschäden im Gehirn“, so Dr. Schenkel.

Angehörige oder Freunde des Schlaganfallpatienten sollten sofort den Rettungsdienst alarmieren und nicht darauf warten, dass die Beschwerden verschwinden. Die Einbindung des Hausarztes verzögert die Aufnahme ins Krankenhaus nur. Der Rettungsdienst versorgt den Betroffenen vor Ort und bringt ihn so schnell wie möglich in eine Klinik, im Idealfall in eine sogenannte Stroke Unit, eine auf Schlaganfälle spezialisierte Station. Der Transport sollte mit einem Rettungswagen erfolgen – das ist für den Patienten sicherer und geht meistens am schnellsten.

Die Stroke Unit erfüllt die technischen und personellen Voraussetzungen, um den Patienten bestmöglich zu versorgen, und garantiert eine fachübergreifende Behandlung, wo Neurologen, Kardiologen, Neuround Gefäßchirurgen sowie Radiologen, aber auch ein spezialisiertes Team aus Krankenpflegern, Physiound anderen Therapeuten Hand in Hand arbeitet. Die Chance, zu überleben und geringere Behinderungen davonzutragen, erhöht sich dadurch deutlich. In Deutschland gibt es mehr als 300 von der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe zertifizierte Stroke Units. Weitere Infos finden Sie unter www.schlaganfall-hilfe.de/adressen-stroke-units

Diagnose und Therapie des Schlaganfalls

Ob der Schlaganfall durch ein Gerinnsel oder eine Blutung verursacht wurde, lässt sich mithilfe bildgebender Verfahren feststellen. Für die Diagnose des Schlaganfalls werden sofort nach Einlieferung in die Klinik Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) eingesetzt. „Je schneller die Ursachen des Schlaganfalls behandelt werden, desto höher sind die Chancen, Hirnzellen zu retten und damit schlimme Folgen wie Pflegebedürftigkeit zu verhindern“, sagt der Experte. In der Akutphase eines Schlaganfalls müssen der neurologische Status und die Vitalfunktionen wie Herzschlag, Kreislauf und Atmung regelmäßig überwacht werden. Falls ein Blutgerinnsel Ursache des Schlaganfalls ist, bleibt den Medizinern nur ein Zeitfenster von etwa 4,5 Stunden, um es intravenös mittels Medikamenten wieder aufzulösen. Dieses sogenannte Lyse-Verfahren (auch Thrombolyse genannt) wird derzeit vor allem in den spezialisierten Stroke Units angewandt. „Voraussetzung für diese Therapie ist der Ausschluss einer Hirnblutung durch eine Computertomografie“, so Dr. Schenkel.

Neue Therapieoption kann Behinderungen verhindern

„Für die Rehabilitation ist es wichtig, dass der Patient sich selbst nicht aufgibt und zuversichtlich bleibt“, Dr. Johannes Schenkel, Neurologe und ärztlicher Leiter bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD)  © Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)

„Für die Rehabilitation ist es wichtig, dass der Patient sich selbst nicht aufgibt und zuversichtlich bleibt“, Dr. Johannes Schenkel, Neurologe und ärztlicher Leiter bei der Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD) © Unabhängige Patientenberatung Deutschland (UPD)

Bei einigen Patienten besteht heute die Möglichkeit, das Blutgerinnsel über einen Katheter zu entfernen. „Dieses Thrombektomie genannte neue mechanische Verfahren wird bislang nur in wenigen spezialisierten Kliniken angewandt, soll jedoch künftig vielen Patienten zugutekommen. Mithilfe eines Stents, der wie ein Drahtkäfig gebaut ist, kann das Gerinnsel umschlossen und danach abgesaugt werden“, erklärt Dr. Schenkel. Eine neue Leitlinie empfiehlt in bestimmten Fällen eine Kombination aus Thrombolyse mit einem Medikament und der mechanischen Methode mittels Katheter. Ist eine Hirnblutung Ursache für den Schlaganfall, muss in einigen Fällen operiert werden, um das ausgetretene Blut zu entfernen.

An die Akuttherapie schließt meist eine Rehabilitation an, die bereits auf der Stroke Unit mit Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie beginnt. Die weiterführende Rehabilitation startet oft schon nach kurzer Zeit in einer Rehaklinik − in einigen Fällen erfolgt sie auch ambulant. „Nach einem Schlaganfall kann es bei den Patienten zu ausgeprägter Hoffnungslosigkeit und auch regelrechter Depression kommen. Für die Rehabilitation ist es jedoch wichtig, dass der Patient sich selbst nicht aufgibt und zuversichtlich bleibt“, so der Experte. Denn der Rehabilitationserfolg hängt entscheidend von der Mitarbeit und dem Willen des Patienten ab. Patienten werden daher teilweise auch vorübergehend mit antidepressiven Medikamenten behandelt. Wichtig ist es auch für Angehörige, diesen Zusammenhang zu kennen und dem Patienten Mut und Zuversicht zu vermitteln: Körper und Gehirn verfügen glücklicherweise in vielen Fällen über enorme Regenerationsmöglichkeiten.

Wie erkennt man einen Schlaganfall?

  • Bei diesen Symptomen sollte SOFORT DER NOTARZT verständigt werden:
    Plötzlich auftretende LÄHMUNG ODER TAUBHEITSGEFÜHL auf einer Körperseite
    oder im Gesicht
  • SEHSTÖRUNGEN, zum Beispiel Doppelbilder, Schleiersehen oder Ausfälle im Gesichtsfeld
  • Auffälligkeiten beim Sprechen, zum Beispiel stockende, abgehackte SPRACHE, Verdrehen
    von Silben oder auch verwaschenes, undeutliches Sprechen oder Störungen im Sprachverständnis − das Gesagte wird nicht mehr verstanden.
  • Plötzliche sehr starke KOPFSCHMERZEN von vorher unbekannter Art und Stärke
  • SCHWINDEL mit GANGUNSICHERHEIT

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