Ausgabe 03 / 2018, Die Aktuelle, Ratgeber, Versorgung / Pflege
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Harninkontinenz

Raus aus der Tabuzone: Harninkontinenz

Über die Hälfte der mehr als zehn Millionen Inkontinenzbetroffenen scheut aus Scham den Besuch beim Arzt oder medizinischen Fachhandel. Was viele nicht wissen: Inkontinenz ist in den meisten Fällen linder- oder sogar vollständig heilbar.

Text: Agata Henkel

Harninkontinenz betrifft sowohl Frauen als auch Männer jeder Altersklasse. Dabei ist Blasenschwäche nicht gleich Blasenschwäche. So unterschiedlich wie ihre Ausprägung kann auch die Ursache der Blasenfunktionsstörung sein. Neben verschiedenen Therapieformen bieten vor allem spezielle, aufsaugende Inkontinenzhilfsmittel einen sicheren Schutz im Alltag. Welche der zahlreichen Hilfsmittel Ihrem Körper und Bedarf entsprechen, klärt sich zum Beispiel in einem Beratungsgespräch im Sanitätshaus Ihres Vertrauens.

Die BELASTUNGSINKONTINENZ tritt überwiegend bei Frauen, aber auch bei Männern auf.  Hier lösen bestimmte Verhalten, die den Innendruck im Bauchraum erhöhen (Niesen, Husten, Lachen), eine Abgabe von Urin aus. Häufige Ursache ist oftmals eine geschwächte Beckenbodenmuskulatur.

Die DRANGINKONTINENZ lässt den Betroffenen, auch bei nicht vollständig gefüllter Blase, ununterbrochen Harndrang verspüren. Gründe dafür können Erkrankungen des Blasenapparates, Abbau von Muskulatur und die Schwächung des Bindegewebes durch Alterung oder neurologische Probleme sein.

Die MISCHHARNINKONTINENZ beschreibt ein Auftreten beider bereits genannter Formen. Ein ständiger Harndrang, gepaart mit Urinverlust durch körperliche Belastung. Vor allem Frauen in den Wechseljahren sind hiervon betroffen.

Die ÜBERLAUFINKONTINENZ äußert sich durch die Abgabe kleinster Urinmengen. Denn obwohl die Blase gefüllt ist, lässt sie sich nur teilweise entleeren oder es kommt zum sogenannten Überlauf (der Abgabe einiger Tröpfchen Urin). Verletzungen und Vernarbungen im Unterleib, neurologische Störungen oder eine vergrößerte Prostata, die auf die Harnröhre drückt, können der Auslöser sein. Diese Form tritt vor allem bei Männern auf. Über die Hälfte der mehr als zehn Millionen Inkontinenzbetroffenen scheut aus Scham den Besuch beim Arzt oder medizinischen Fachhandel. Was viele nicht wissen: Inkontinenz ist in den meisten Fällen linderoder sogar vollständig heilbar.

INKONTINENZEINLAGEN gibt es in verschiedenen Größen und Saugstärken. Sie eignen sich für Menschen mit leichter bis mittlerer Blasenschwäche. Mithilfe von Klebestreifen können die Einlagen in der Unterwäsche befestigt werden. Wie herkömmliche Hygieneeinlagen sind auch Inkontinenzeinlagen sehr diskret, jedoch wesentlich saugfähiger.

ELASTISCHE INKONTINENZSLIPS oder EINMALHOSEN bieten vor allem einen hohen Tragekomfort. Sie können wie normale Unterwäsche angezogen und getragen werden und sind für Menschen mit mittlerer bis schwerer Inkontinenz geeignet. Besonders aktive Menschen verlassen sich bei sportlichen Aktivitäten gerne auf dieses zuverlässige Hilfsmittel.

INKONTINENZVORLAGEN sind für Menschen mit eingeschränkter Mobilität oder starkem Übergewicht geeignet. Sie werden mit einem elastischen Fixierhöschen angelegt. Es sorgt für sicheren Halt der Vorlage.

INKONTINENZHOSEN werden durch seitliche Klebeverschlüsse befestigt und finden ihre Anwendung bei mittlerer bis schwerster Inkontinenz. Sie eignen sich für mobile und bettlägerige Menschen.

Wo das nächste Sanitätshaus mit dem lächelnden Gesicht in Ihrer Nähe zu finden ist, erfahren Sie unter: www.santaetshaus-aktuell.info/dein-sanitaetshaus

Tipps ZUR VORBEREITUNG AUF DAS BERATUNGSGESPRÄCH

1 Bedarf ermitteln: Führen Sie Protokoll über Trinkmengen, Mengen der Harnverluste und auslösende Situationen. Diverse Hersteller bieten hierfür sogar Apps für Ihr Smartphone an wie die SeniControl App.

2 Notizen schreiben: Machen Sie sich einen Zettel mit Fragen und Problemen, den Sie zum Beratungsgespräch ins Sanitätshaus mitbringen. Darauf sollte Folgendes stehen:

• Körpermaße (Körpergröße, Kleidergröße, Bauchumfang, Hüftumfang)
• Eventuelle Vorerfahrungen mit Inkontinenzprodukten
• Erkrankungen, Medikamente und Ihr Tagesablauf können wichtig sein

3 Proben erfragen: Nachdem man Ihnen einige Produkte empfohlen hat, lassen Sie sich Produktproben mitgeben, um das für Sie passende Produkt zu finden.

4 Testen Sie Ihre Proben: Nehmen Sie sich Zeit, Ihre Proben ausgiebig zu
testen und bewerten Sie für sich:

• Wie ist der Tragekomfort? (Knistert das Produkt? Trägt es auf? Sitzt es bequem, ohne zu verrutschen?)
• Saugleistung und Sicherheit des Auslaufschutzes
• Rücknässung (sollte möglichst gering sein, um Hautirritationen zu vermeiden)
• Wurden hautfreundliche und atmungsaktive Materialien verwendet?

Bildnachweise Headerfoto: © ©iStock.com/Staras