Ausgabe 04 / 2015, Die Aktuelle, Orthopädietechnik, Ratgeber
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Den ortho team-Experten über die Schulter geschaut

ortho team: Präzisionsarbeit mit Einfühlungsvermögen

Ob nach Sportverletzungen, schweren Operationen oder bei Krankheiten – das ortho team hilft dabei, die Lebensqualität wieder herzustellen. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin wirft einen Blick hinter die Kulissen.

Text: Jana Pajonk

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© Orthopädie- und Reha-Team Zimmermann GmbH

Um einen Blick hinter die Kulissen eines ortho teams zu werfen, begebe ich mich ganz in den Osten, nach Cottbus, ins Gewerbegebiet am Seegraben. Dort treffe ich mich mit Orthopädiemechaniker-Meister Tim Hentschel, der mich durch die Räumlichkeiten des Orthopädie- und Reha-Teams Zimmermann führt. Bei meiner Ankunft bin ich von der Größe des Sanitätshauses überrascht, waren Sanitätshäuser für mich bislang doch eher kleinere Ladengeschäfte. Im hell eingerichteten Laden- und Empfangsraum holt mich Tim Hentschel
ab. „Wir machen am besten erstmal einen Rundgang“, sagt er freundlich. Ich folge ihm.

Dem Wohlergehen der Patienten verschrieben

Über 20 Orthopädietechnik-Mechaniker, Schuhtechniker und Orthopädiemechaniker arbeiten hier im ortho team des Sanitätshauses Zimmermann. Sie alle haben sich dem Wohlergehen der kleinen und großen Patienten verschrieben und arbeiten mit viel Liebe zum Detail daran, ihnen das Leben leichter zu machen – mit allen technischen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, mit handwerklichem Geschick und viel menschlichem Einfühlungsvermögen.

Neue Hilfsmittel werden in der Laufschule erprobt

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© Orthopädie- und Reha-Team Zimmermann GmbH

Tim Hentschel öffnet die Tür zu einem Nebenraum. Ich sehe eine Liege, einige Behälter und Materialien im Regal. „Hier nehmen wir die Gipsabdrücke“, sagt er. Ein Stück den Gang runter öffnet er eine weitere Tür. Wir betreten einen Raum mit einem langen Barren und  verschiedenen Treppen sowie Schrägen-Konstruktionen. „Das ist unsere Laufschule“, sagt der
Meister. „Hier erproben die Patienten ihre neuen Hilfsmittel. Eine Ergotherapeutin unterstützt sie dabei. Mit ihr arbeiten wir eng zusammen.“

Team Zimmermann in Cottbus

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© Orthopädie- und Reha-Team Zimmermann GmbH

Das Orthopädie- und Reha-Team Zimmermann beschäftigt aktuell 60 Mitarbeiter in den Leistungsbereichen Orthopädieund Ortho-Schuh-Technik, Rehatechnik, Sanitätsfachhandel sowie Health-Care. Das Unternehmen kann auf eine 125-jährige Firmengeschichte zurückblicken: Mit seiner Bandagenwerkstatt eröffnete Albert Bergte den Vorgängerbetrieb am 1. Oktober 1890 in Cottbus. Am 1. Juni 1974 musste Johanna Bergte die Firma im Zuge der Verstaatlichungen an den Rat der Stadt Cottbus übergeben. 1991 erwarb Jörg Zimmermann das Unternehmen von der Stadt zurück und führte es zunächst als Einzelunternehmen und ab 1993 als GmbH. Er ist als Obermeister der Landesinnung für Orthopädietechnik verantwortlich für die Gesellen- und Meisterausbildung in den Bundesländern Berlin und Brandenburg.
www.zimmermann-team.de

Gipsmodelle dienen als Vorlagen für Prothesen und Orthesen

In der ersten Etage befinden sich die Werkstätten. Der erste Raum, den mir Tim Hentschel zeigt, ist die Gipswerkstatt. Hier werden von den Abdrücken aus dem Erdgeschoss Gipsmodelle gebaut, die als Vorlage für Prothesen und Orthesen dienen. Ein Mitarbeiter feilt gerade an einem Oberschenkel. Im Regal liegen Abdrücke von Oberkörpern, Armen und Beinen. Im nächsten Raum riecht es giftig. „Hier stellen wir aus transparentem Kunststoff Probeversorgungen her“, erklärt Hentschel. „Diese dienen dazu, die Passform zu überprüfen und nachfolgend eine Prothese oder Orthese anzufertigen, die optimal sitzt.“ Und zwar einen Raum weiter. Dort arbeitet ein Orthopädietechniker gerade an einem Unterschenkel, der mit blauem Jeansstoff versehen ist. „Wieso sieht der blau aus?“, frage ich. „Der Patient hat sich das gewünscht“, erklärt der Mitarbeiter.

Die Entscheidung liegt beim Anwender selbst

„Wir wollen ja, dass die Menschen sich mit ihren Versorgungen sowohl wie möglich fühlen“, ergänzt Tim Hentschel. „Deswegen überlassen wir die Entscheidung über die Optik dem Anwender selbst. Gern wird der Lieblingsverein oder die Lieblingsband zur individuellen Gestaltung genutzt.” Dann zeigt mir Tim Hentschel ein computergesteuertes Kniegelenk, das genau misst, mit welchem Druck der Träger seinen Oberschenkel bewegt und danach die Bewegungen des Unterschenkels berechnet sowie umsetzt. „Wir können heute viel tun. So geben wir dem Menschen die Sicherheit, die er braucht“, sagt der Meister.

Landesbeste Auszubildende im eigenen Haus

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© Orthopädie- und Reha-Team Zimmermann GmbH

In der nächsten Werkstatt sitzen die Bandagisten. „Das sind die, die alles schick machen“, sagt Tim Hentschel. Sie fertigen Bandagen und bringen Verschlüsse an. Auch Badesachen, Mieder, Korsagen oder Kopfschutzhelme werden hier maßgeschneidert auf die Bedürfnisse des Menschen. „Wir versuchen, uns unsere Mitarbeiter selbst auszubilden“, erklärt der Orthopädiemechaniker-Meister. Denn die Ausbildungsberufe seien inzwischen so undifferenziert, dass es wichtig ist, den Auszubildenden gleich vor Ort das beizubringen, was sie brauchen. Tim Hentschel selbst hat hier bis vor zehn Jahren seine Ausbildung gemacht – und als Landesbester abgeschlossen. Ebenso Landesbeste war eine Kollegin, die gerade an uns vorbei lief. Darauf ist man hier sehr stolz.

Individualität und Innovation

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© Jana Pajonk

In einem Lagerraum zeigt mir Tim Hentschel konfektionierte Hilfsmittel, also Orthesen oder Prothesen, die nach Standardmaßen gefertigt sind. „Wir nutzen diese vor allem für die akute Versorgung im Krankenhaus und passen sie vor Ort an den Patienten an. Individualität wird bei uns groß geschrieben.“ Dass hier tatsächlich auf die Bedürfnisse von jedem einzelnen Menschen eingegangen wird, offenbart sich auch in der Schuhtechnik-Werkstatt, wo drei freundliche Mitarbeiter werkeln. Ich sehe einen blauen Halbschuh in Schlangenleder-Look und einen in schwarz sowie neon-pink. „Der ist für eine Jugendliche“, sagt der Schuhtechniker. „Die Zeiten, in denen es nur schwarz, grau und beige gab, sind zum Glück vorbei. Heute versuchen wir alle orthopädischen Schuhe nach den Wünschen der Patienten zu gestalten, denn sie sollen sich ja wohl fühlen.“ Durchaus beeindruckt fahre ich zurück an meinen Schreibtisch. Vom Sanitätshaus war ich positiv überrascht: Von wegen Einlagen verkaufen und Bandagen festziehen. Hier passiert Innovation. Hier wird Menschen, die schwere Unfälle oder Krankheiten erlitten haben, Lebensqualität zurückgegeben.

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© Jana Pajonk