Ratgeber, Sonstiges
Schreibe einen Kommentar

Netzwerk Demenz

Interview mit Elke Zeller vom Netzwerk Demenz

Das Netzwerk hat das Ziel, dass sich Betroffene sowieRatsuchende gegenseitig über aktuelle Entwicklungen und neue Erkenntnisse im Hinblick auf Demenz austauschen. Durch viele Veranstaltungen ist es dort so gelungen, die Krankheit zu enttabuisieren. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin sprach mit Elke Zeller, Diplom Sozialarbeiterin und Diplom Sozialgerontologin, die gemeinsam mit ihrer Kollegin Susanne Auferkorte das Netzwerk Demenz im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis betreut, über die Volkskrankheit.

 

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Liebe Frau Zeller, Sie sind gemeinsam mit Ihrer Kollegin Susanne Auferkorte für das Netzwerk Demenz im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis zuständig. Was darf man sich unter dem Netzwerk vorstellen und was sind Ihre Ziele?
Elker Zeller: Unser Netzwerk Demenz besteht seit mehr als 10 Jahren und hat das Ziel, sich gegenseitig zum Nutzen von Betroffenen und Ratsuchenden über die jeweiligen Angebote zu informieren. Im gegenseitigen Austausch informieren wir uns über aktuelle Entwicklungen und neue Erkenntnisse im Hinblick auf Demenz. Durch viele (Fach)Veranstaltungen sowohl für Profis als auch für Laien ist es uns gelungen, die Krankheit zu enttabuisieren.

Wie groß ist Ihr Netzwerk, wie viele Mitglieder haben Sie und mit wem kooperieren Sie.
Elker Zeller: Zum Netzwerk gehören mehr als 40 Mitglieder, aktiv bei den Treffen dabei sind durchschnittlich 25 bis 30 Personen. Es umfasst Akteure aus der ambulanten, teilstationären und stationären Pflege, (ehemals) pflegende Angehörige, Anbieter/innen von entlastenden Dienstleistungen für Menschen mit Demenz und deren Angehörige sowie Vertreter aus dem örtlichen Krankenhaus. Auch Fachleute zum Thema Vorsorgevollmachten sind dabei.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Sind Sie mit dem Netzwerk Demenz in erster Linie Anlaufstelle für Betroffene oder für Angehörige?
Elker Zeller: Die Netzwerkmitglieder sind Anlaufstelle für Betroffene und deren Angehörige und kooperieren miteinander in dem Sinne, dass ggfls. an passende Angebote der anderen Netzwerk-Mitglieder verwiesen wird.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie ist der seelische Zustand der Betroffenen, die Sie kennengelernt haben, wenn Sie ganz am Anfang der Erkrankung stehen, vielleicht gerade erst davon erfahren haben?
Elker Zeller: Die Betroffenen und die Angehörigen haben ja oft schon lange Zeit unerklärliche Verhaltensänderungen bei sich selbst bzw. beim Angehörigen wahrgenommen. Der betroffene Mensch registriert bei sich zunehmende Probleme bei einfachen Alltagsaktivitäten.
Das macht häufig Angst und führt nicht selten auch zum Rückzug aus sozialen Kontexten. Insofern ist die Eröffnung der Diagnose „Demenz“ bei den Betroffenen und den Angehörigen mit Erleichterung verbunden, da damit die Verhaltensänderungen erklärt werden können.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie ist die Altersstruktur der Demenzerkrankten, die sich bisher bei Ihnen gemeldet haben?
Elker Zeller: Die Altersspanne der Menschen mit Demenz, die sich bei unseren Netzwerk-Mitgliedern melden, liegt zwischen 50 und 90 Jahren. Es ist nicht so, dass mehr Menschen im jüngeren Lebensalter erkranken, allerdings ist die Sensibilität für eine mögliche Demenzerkrankung (welcher Form auch immer) größer geworden und die diagnostischen Verfahren sind besser als früher.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Warum ist eine frühe Diagnose bei dieser Krankheit besonders wichtig?
Elker Zeller: Eine frühe Diagnose ist insofern wichtig, als es verschiedene Formen der Demenzerkrankung gibt, die unterschiedlich behandelt werden können. Bei manchen Formen der Demenzerkrankung kann durch eine adäquate Behandlung eine deutliche Verbesserung erzielt werden. Bei der häufigsten Form der Demenz, der Alzheimer-Demenz, kann allenfalls eine Verzögerung der Krankheitsausprägung erreicht werden. Darüber hinaus bietet eine frühe Diagnose dem erkrankten Menschen die Möglichkeit, vorsorglich viele Dinge zu regeln für den Fall, dass er/sie nicht mehr selbst über sich bestimmen kann. Vollmachten und eine Patientenverfügung sind hier zu nennen.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Kann man einer Krankheit wie Demenz präventiv entgegenwirken? Und wenn ja, wie?
Elker Zeller: Es heißt, dass körperliche und geistige Aktivität präventiv wirken, das gilt allerdings für viele Krankheitsbilder, die in fortgeschrittenem Alter auftreten können. Letztendlich kann eine Demenzerkrankung nicht verhindert werden, das Risiko der Erkrankung steigt mit dem Lebensalter. Dennoch gibt es viele mehr als 90-Jährige Menschen, die geistig sehr fit sind.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Viele Menschen sehen sich beim Thema Demenz mit einer großen Hemmschwelle konfrontiert. Wie schaffen Sie es, den Angehörigen und Betroffenen etwas von Ihrer Angst zu nehmen?
Elker Zeller: Wir weisen auf unseren Veranstaltungen und auch in der persönlichen Beratung immer wieder darauf hin, dass auch mit einer Demenzerkrankung noch viel Selbstbestimmung, Lebensfreude und Teilhabe am gesellschaftlichen, sportlichen und kulturellen Leben möglich ist. Je mehr Menschen mit einer Demenzerkrankung am Leben teilnehmen, desto selbstverständlicher wird unser Umgang mit diesem Krankheitsbild.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Welche Aktionen oder Veranstaltungen führen Sie durch, um die Öffentlichkeit noch mehr auf das Thema Demenz aufmerksam zu machen?
Elker Zeller: Wir führen Informationsveranstaltungen zur Demenzerkrankung in ihren verschiedenen Formen für Interessierte durch. Es gibt weiterhin Angebote zur Entlastung und zum gegenseitigen Austausch von Angehörigen als auch gesellige Angebote wie z. B. regelmässige Tanznachmittage für Menschen mit und ohne Demenz.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Was wünschen Sie sich für die Zukunft in dem Bereich, was könnte besser werden und was könnte vielleicht auch die Politik noch vorantreiben?
Elker Zeller: Wir wünschen uns für die Zukunft, dass wir (als möglicherweise später selbst Betroffene) mit einer Demenz solange wie möglich am Leben in unserem Stadtteil, mit unseren Freunden und Angehörigen teilhaben können. Darauf sollte sich der Einzelhandel, Banken und andere Dienstleister einstellen. Menschen mit Demenz haben viele Fähigkeiten und Ressourcen, diese sollten sie solange wie möglich mit Unterstützung durch ihr Lebensumfeld nutzen können.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin:Herzlichen Dank für das Gespräch!