Orthopädietechnik, Ratgeber
Schreibe einen Kommentar

MS-Patientin gewinnt nach 30 Jahren neue Freiheit

Daniela lebt seit 1988 mit multipler Sklerose (MS). Die neurologische Erkrankung führte bei der Magdeburgerin unter anderem dazu, dass ihr rechtes Bein gelähmt ist und sie ihren Fuß nicht mehr heben kann. „Ich bin häufig gestolpert und schon bei der kleinsten Unebenheit gestürzt“, erzählt die heute 60-Jährige. Daniela hatte sich damit abgefunden, ihr Leben lang einen Rollstuhl zu brauchen. „Wenn ich draußen unterwegs war, habe ich immer einen Rollstuhl benutzt – das war einfach sicherer.“

Nun setzt Daniela auf ein Hilfsmittel, das ihr ein unabhängigeres und aktiveres Leben ermöglicht: Dank eines Fußhebersystems mit funktioneller Elektrostimulation (FES) kann sie stolperfrei laufen, trotz ihrer Fußheberschwäche. Eine Manschette am Unterschenkel aktiviert durch elektrische Impulse die Nerven und damit die Muskeln, die für das Anheben des Fußes verantwortlich sind. „Ich kann wieder selbstständig und ohne Angst laufen“, erzählt Daniela. „Zum Beispiel im Park spazieren gehen, ohne dabei ständig auf den Weg achten zu müssen. So kann ich auch die Natur und das Schöne um mich herum wieder erleben.“

Einfach losgehen trotz Fußheberschwäche

Patientinnen und Patienten wie Daniela profitieren von den neuesten technischen Entwicklungen in dem Feld der Neuroorthopädie. Muskelschwäche, Fehlhaltungen oder Bewegungsstörungen aufgrund neurologischer Erkrankungen können mit Hilfsmitteln häufig ausgeglichen werden. Ihr Fußhebersystem ist dabei besonders intelligent: Sensoren erfassen die unterschiedlichen Bewegungen des Anwenders sowie deren Geschwindigkeiten, und die Orthese gibt exakt zum richtigen Zeitpunkt den Stimulationsimpuls zur Fußhebung ab. Mit einer App auf dem Smartphone lässt sich das System einfach bedienen. So können Anwender aus unterschiedlichen Modi wählen und die Intensität der Stimulation einstellen.

Die Funktionen des Hilfsmittels eröffnen Daniela neue Perspektiven: „Ich kann einfach losgehen und mich frei bewegen, statt immer den Rollstuhl mitnehmen zu müssen. Dadurch bin ich unabhängiger.“ Die 60-Jährige freut sich über neue Aktivitäten, die durch das Fußhebersystem möglich werden – zum Beispiel mit Freunden rauszugehen, anstatt sie zuhause zu treffen. Genau dies ist die Aufgabe moderner Hilfsmittel: Patienten Unabhängigkeit im Alltag zu erhalten und die beste erreichbare Lebensqualität zu gewährleisten. Denn Multiple Sklerose ist leider bislang nicht heilbar. Unterstützung erfährt Daniela auch bei ihrer wöchentlichen MS-Sportgruppe, wo sie sich mit Betroffenen austauscht. Zusätzlich trainiert sie einmal die Woche mit ihrer Physiotherapeutin.

Bundesweit leiden ca. 200.000 Menschen an MS, die häufig erstmalig zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr auftritt. Bei den 2.500 Neuerkrankten pro Jahr in Deutschland überwiegt aus noch ungeklärten Ursachen der Anteil erwachsener Frauen.

Bildrechte Headerbild: © Ottobock