Ausgabe 02 / 2018, Die Aktuelle, Fitness, Reise
Schreibe einen Kommentar

Neue Bewegungsfreiheit dank E-Bikes, Pedelecs und Elektro-Dreiräder

Mit E-Bikes mobil in den Frühling

Wenn es ums Einkaufen oder einfach nur darum geht, sich an der frischen Frühlingsluft zu bewegen, sind Menschen mit einem limitierten Bewegungsradius auf Hilfe angewiesen. E-Bikes, also elektrobetriebenes Zwei- oder Dreirad können das ändern: Einige Hersteller dieser Trendgeräte haben sich bereits auf Senioren und Menschen mit Behinderungen eingestellt.

Text: Carolin Oberheide

Laut Zweirad-Industrie-Verband e.V. (ZIV) wurden im vergangenen Jahr 720.000 E-Bikes in Deutschland verkauft – 19 Prozent mehr als 2016. Kein Wunder, denn gerade für Menschen mit körperlichen Einschränkungen bedeutet das motorgestützte, gelenkschonende Treten eine mühelose Mobilität, mit der viele nicht mehr gerechnet hatten. Wer unter Gleichgewichtsstörungen oder an den Folgen eines Schlaganfalls leidet, wer sich trotz einer
Muskel- oder Knochenkrankheit oder mit einer Prothese gerne unabhängig bewegen möchte, der findet mittlerweile Fahrzeuge, die individuell angepasst und mit zahlreichen Extras ausgestattet werden können – von der Armauflage über Spezialpedale mit Fixiermöglichkeit bis hin zum Gehstockhalter.

„Wichtig ist auch das Üben in einer verkehrsberuhigten Gegend.“ David Eisenberger, ZIV (© Zweirad-Industrie-Verband e.V.)

„Wichtig ist auch das Üben in einer verkehrsberuhigten Gegend.“ David Eisenberger, ZIV (© Zweirad-Industrie-Verband e.V.)

„Viele Krankheitsbilder bringen eine Verschlechterung der Mobilität mit sich. Betroffene Menschen sind verunsichert, was sie sich noch zutrauen können und fühlen sich zu Hause am sichersten. Doch gerade bei Gelenkproblemen, Arthritis, Osteoporose, einigen  Muskelerkrankungen und vielen anderen Krankheitsbildern kann Bewegung an der frischen Luft wohltuend wirken“, erklärt David Eisenberger vom ZIV und betont die gesundheitsfördernde Wirkung einer leichten Radtour: „Wer nach langem Sitzen wieder ‚in Tritt‘ kommt, fühlt sich leichter und schmerzfreier.“ Dies habe auch positive Auswirkungen auf die Psyche. Das Gute am Elektrorad: Die Leistung des Motors kann je nach eigener Kondition und Trainingsziel eingestellt und gesteigert werden – oder auch einfach das frühlingshafte
Vergnügen einer gemütlichen Radtour ermöglichen.

Trikes: Bewegung in Balance

© HP Velotechnik OHG

© HP Velotechnik OHG

Eine häufige Begleiterscheinung vieler Krankheiten und nicht zuletzt des Alters sind Gleichgewichtsstörungen. Schon ein kurzer Schulterblick reicht, um mit dem Rad heftig ins Schlingern zu kommen. Kleine Hindernisse wie Bordsteine, Schienen oder Wurzeln werden zur großen Bedrohung. „In diesen Fällen bieten Liegedreiräder, insbesondere solche mit Elektrounterstützung, die nötige Stabilität. Diese Trikes können kaum umkippen und vermitteln jenen ein sicheres Fahrgefühl, die sich zuvor nicht mehr aufs Fahrrad getraut haben. Und als Plus hat man einen tollen Panoramablick“, sagt Alexander Kraft von der Liegeradmanufaktur HP Velotechnik, die auch Dreiräder mit einem ergonomischen, hohen Einstieg produziert. Motorisierte Trike-Fahrer haben die Wahl zwischen Unterstützungsstufen von „eco“ bis „sehr komfortabel“ mit bis zu 300 Prozent Kraftverstärkung, selbst eine vollautomatische Schaltung können sie ihrem Rad spendieren. Dank Baukastensystem können Motoren auch nach oder umgerüstet werden, beispielsweise auf eine einseitige Belastung mit einer Prothese oder nach einem Schlaganfall.

Maßgeschneiderte Qualität

Wer sich für ein Elektrorad interessiert, sollte zunächst Rücksprache mit seinem Arzt oder Physiotherapeuten halten und sich überlegen, welche Ausstattung nötig und sinnvoll ist. Da gerade E-Trikes oftmals Spezialanfertigungen sind, können viele Komponenten selbst gewählt werden – von der Schaltung über die Bremsen und den Sitz bis zu Komfortzubehör oder Sicherheitstechnik (Blinker). In Deutschland hergestellte Zwei- und Dreiräder entsprechen einem hohen Qualitätsstandard, was besonders unter Sicherheitsaspekten eine Rolle spielt. Apropos Sicherheit: „Wichtig ist auch das Üben in einer verkehrsberuhigten Gegend“, rät David Eisenberger. Zwar sei die Bewegung leicht (wieder) zu erlernen, doch wer die Motorleistung unter- oder überschätzt und sein Elektrorad mit einer neuen Scheibenbremse abrupt zum Stehen bringt, gefährdet sich und andere. Daher: Lieber erst einmal ein paar sichere Runden auf dem Parkplatz drehen, bevor es heißt: Auf ins Grüne!

© EMS RUHR GmbH

© EMS RUHR GmbH

Elektrorad-Typen Elektrorad oder Elektrofahrrad sind die Oberbegriffe für Fahrräder
mit Motorunterstützung. Sie teilen sich auf in drei Kategorien:

Das PEDELEC (Pedal Electric Cycle) unterstützt den Fahrer mit einem Elektromotor bis maximal 250 Watt während des Tretens und nur bis zu einer Geschwindigkeit von 25 km/h. Wer schneller fahren will, ist auf die eigene Körperleistung angewiesen. Der Unterstützungsgrad kann in mehreren Stufen eingestellt werden und ist abhängig von der Pedalkraft oder der Trittfrequenz des Fahrers.

Bei den schnellen S-KLASSE-PEDELECS funktionieren die Räder zwar wie ein Pedelec, aber die Motorunterstützung wird erst bei einer Geschwindigkeit von 45 km/h abgeschaltet.

E-BIKES im engeren Sinn sind mit einem Elektromofa zu vergleichen und lassen sich mithilfe des Elektroantriebs durch einen Drehgriff oder Schaltknopf fahren, ohne dabei in die Pedale zu treten.

Bildnachweis Headerfoto: ©iStock.com/ilbusca