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Meisterhafte Lektüre über Meisterautorenfilmer

In seinen Geschichten, etwa in der umfangreichen “Chronik der Gefühle”, untersucht Kluge die von ihm so bezeichneten “wirklichen Verhältnisse”, wobei dieser Realitätsbezug Fakten und Fiktionen vermischt, so dass der bestehenden Wirklichkeit eine parallele Welt zu Seite gestellt wird. Insbesondere diesen Bezügen im Werk des Schriftstellers Kluge widmen sich die Beiträge dieser Neufassung.

Heinz Ludwig Arnold (Hg.) – TEXT + KRITIK – Heft 85/86 (Neufassung): Alexander Kluge (kartoniert, 2011, 155 S., 2. Auflage | 26,00 €)

Von den jungen Filmemachern, die 1962 das Oberhausener Manifest unterschrieben, mit dem sie einen neuen deutschen Film und die Abkehr vom alten Kommerzbetrieb forderten, gehört Edgar Reitz zu den wenigen, die sich in der Praxis behaupten und neue Maßstäbe Setzen konnten. Zusammen mit Alexander Kluge feierte Edgar Reitz mit “Abschied von gestern” (1966) den bedeutendsten künstlerischen Erfolg der 1960er Jahre. Sein weiteres Frühwerk, darunter Filme wie “Mahlzeiten”, “Die Reise nach Wien” oder “Stunde Null”, konnte vor wenigen Jahren durch restaurierte Fassungen auf DVD wiederentdeckt werden. Die “Heimat”-Zyklen mit ihren 54 Stunden Spieldauer bescherten Reitz weltweit breite Anerkennung.

Thomas Koebner (Hg.) – Film-Konzepte – Heft 28: Edgar Reitz (kartoniert, 2012, 103 S., s/w Abb. | 26,00 €)

Während beispielsweise in Ländern wie Frankreich oder den USA, Werner Herzogs Wahlheimat, seine neuen Filme seit ein paar Jahren wieder große Beachtung erfahren und seine alten von einem jungen Publikum wiederentdeckt werden, ist Deutschland von dieser Entwicklung bisher weitgehend ausgeschlossen. War Herzog bis “Fitzcarraldo” (1982) als Außenseiter und Exzentriker unter Generalverdacht immerhin im Gespräch, wenn auch häufig rein ideologisch und emotional beurteilt, so wurde er nach “Fitzcarraldo” fast schon zu einem Tabu.

In dieser Aufsatzsammlung, der ersten in deutscher Sprache seit rund 30 Jahren, geht es daher in einem ersten Teil um die Geschichte der Rezeption von Herzog und seinen Filmen in Deutschland sowie in Italien, Frankreich und den USA, drei Ländern also, in denen der Regisseur ein etwas anderes Image besitzt als in seiner Heimat und in denen jüngst Interviewbücher mit ihm entstanden, die alle nicht zuletzt eine gewisse Verehrung ausdrücken. Der zweite Teil enthält Originalbeiträge internationaler Herzog-Spezialisten zu bestimmten Motiven in seinem Werk wie auch zu einzelnen Filmen, die als Anregung zu einer möglichen Neubewertung auch in Deutschland gedacht sind.

Chris Wahl (Hg.) – Lektionen in Herzog. Neues über Deutschlands verlorenen Filmautor Werner Herzog und sein Werk (kartoniert,2011, 392 S., s/w Abb., 1. Auflage | 29,00 €)

Anlässlich des 80. Geburtstages des Regisseurs Rainer Erler am 26. August untersucht das Autorenduo Rolf Aurich und Wolfgang Jacobsen dessen filmisches Werk. Dabei wird deutlich, wie Erler in seinen Filmen politische emen und den Anspruch auf Unterhaltung miteinander verknüpft. Manche Kritiker zählten Rainer Erler in den 1960er Jahren zu den Hoffnungsträgern des jungen deutschen Films. Doch obwohl er sich als Autoren lmer verstand und zudem früh Erfolg in Kino und Fernsehen hatte, hielt Erler als Einzelgänger Distanz zu den Moden der Medienkonjunkturen. Seine Themen schöpfte er wesentlich aus gesellschaftlichen Konflikten: deutsche Wirklichkeiten zu Kriegsende in den Alpen, in Bonner Ministerien und an bayerischen Bohrlöchern, Atomenergie, Organhandel, Umweltzerstörung, Klimakatastrophe. Filme wie “Plutonium” (1978) und “Fleisch” (1979) lösten kritische Debatten aus. Mit “Der Attentäter” würdigte er bereits 1969 den Widerstandskämpfer Georg Elser und entwickelte für diesen Film eine multiperspektivische Erzählform. Doch Erler etablierte auch das Genre der “Science-Thriller”, in denen er Hypothesen von einer zukünftigen Welt formuliert. Seine in den 1970er Jahren entstandene Serie “Das blaue Palais” gilt als ein Höhepunkt dieses Genres und als Sternstunde des deutschen Fernsehens. Auch wenn Rainer Erler ambitionierte Unterhaltsamkeit für ein breites Publikum anstrebt, ist er ein politischer Regisseur. Mit seinen Filmen will er stets die Welt in Augenschein nehmen und dem Publikum die Resultate emotional vermitteln.

Rolf Aurich / Wolfgang Jacobsen – Kein letztes Wort. Die Filme von Rainer Erler (kartoniert,2013, 110 S., 1. Auflage | 18,00 €)

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