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Was ist ein Lymphödem?

Lymphödem

Ein Lymphödem entsteht durch einen gestörten Flüssigkeitsabtransport (Fehlanlage, Zerstörung der Lymphbahnen oder übermäßiger Anfall von Lymphe). Meist wird es durch eine Operation, Bestrahlung, Verletzung oder Infektion ausgelöst. Im weiteren Verlauf ist die Erkrankung durch eine Alteration (negative Veränderung) von Geweben, mit einer Zunahme von Binde- und Fettgewebe sowie Veränderungen der extrazellulären Matrix (Strukturbestandteile eines Gewebes, das sich zwischen den Zellen befindet) gekennzeichnet. Das Lymphödem ist ein chronisch-entzündliches Krankheitsbild, wodurch nicht nur die Extremitäten inklusive Füße und Hände, sondern auch das Gesicht, Hals, Rumpf und Genitalien betroffen sein können. Im Gegensatz zum Lipödem kann es auch einseitig auftreten. Die Therapie umfasst manuelle Lymphdrainage, Kompressionsbekleidung, Bewegung und Hautpflege.

Stemmersches Zeichen

Das Stemmersche Zeichen ist ein diagnostisches Mittel zur Erkennung eines
Lymphödems. Wenn die Hautfalte über der zweiten und dritten Zehe bzw. dem
Finger verbreitert, verdickt und schwer oder überhaupt nicht abhebbar ist, dann
ist das Stemmersche Zeichen positiv und ein Lymphödem vorhanden. Wichtig: Ein
negatives Stemmersches Zeichen schließt ein Lymphödem allerdings nicht aus.
Hinweis: Grundsätzlich empfehlen wir in so einem Fall den Gang zum Arzt, um eine
sichere Diagnose zu erhalten.

© Grenzland Sanitätshaus GmbH

© Grenzland Sanitätshaus GmbH

Jutta Hußmann ist die verantwortliche Fachkraft für Kompressionstherapien im Sanitätshaus Grenzland in Ahaus. Mit dem SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin sprach sie unter anderem über die Versorgung der sowie das Vertrauensverhältnis zu den Kunden, die an einem Lymphödem oder Lipödem leiden.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Frau Hußmann, wie viele Kunden mit einem Lymphödem oder Lipödem versorgen Sie im Sanitätshaus Grenzland pro Jahr?

Hußmann: Im Jahr 2015 haben wir an drei unserer Standorte gut 600 Kunden mit diesen beiden Krankheitsbildern versorgt – Tendenz steigend.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Ist das Lymphödem eine ernste Komplikation?

Hußmann: Ja, auf jeden Fall. Es ist eine chronische Erkrankung, die sich bei Nichtbehandlung
verschlechtert. Falls ein Bein betroffen ist, kann sich dieses in der Form komplett verändern, im äußersten Fall kann es sich bis zu einer Elephantiasis (eine abnorme Vergrößerung eines Körperteils, Anm. d. Red.) ausweiten. Außerdem steigt die Infektionsanfälligkeit durch ein leichter angreifbares Immunsystem.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Und das Lipödem?

Hußmann: Auch ein Lipödem ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Daraus kann in Folge ein Lymphödem entstehen. Außerdem können Füße und Zehen anschwellen.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Mit einfachen Worten: Wie unterscheidet man die beiden Krankheiten?

Hußmann: Ein Lipödem tritt meist in den Oberschenkeln sowie Oberarmen und immer symmetrisch auf beiden Seiten auf. Ein Lymphödem kann dagegen auch nur einseitig entstehen. Außerdem ist ein positives Stemmersches Zeichen ein sicherer Hinweis auf ein Lymphödem.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Glauben Sie, dass beide Krankheiten in der Öffentlichkeit ausreichend wahrgenommen und kommuniziert werden?

Hußmann: Nein, bisher sind die Krankheitsbilder in der Öffentlichkeit wenig bekannt. Nur langsam scheint sich dort ein Wandel abzuzeichnen.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie hoch ist die Hemmschwelle der Kunden, Sie wegen dieser Erkrankungen aufzusuchen?

Hußmann: Kunden mit einem Lymphödem haben oft eine niedrige Hemmschwelle, da sie zuvor meist schon vom Arzt aufgeklärt wurden. Kunden mit einem Lipödem haben dagegen oft eine größere Hemmschwelle, weil sie häufig auch noch jünger sind. Dennoch entwickelt sich schnell ein Vertrauensverhältnis und sobald die Kunden merken, dass wir Ihnen den Leidensdruck nehmen können, ist die Hemmung schnell weg.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie versorgen Sie diese Menschen

Hußmann: Sie werden von uns nach einer ausgiebigen Beratung mit einer flachgestrickten
Kompressionsversorgung ausgestattet. Außerdem erhalten die Kunden über uns Anziehhilfen, Hautpflegeprodukte sowie Bandagen-Sets zum Wickeln der betroffenen Körperteile. Oft können wir auch dabei helfen, einen geeigneten Therapeuten zu finden, um so eine ganzheitliche Behandlung zu erhalten.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wie sorgen die Hilfsmittel für eine Verbesserung der  Lebensqualität bei den Betroffenen?

Hußmann: Durch die Weiterentwicklung von Materialien und Stricktechniken, verbessert sich die Versorgung der Betroffenen stetig. Auch die andauernde Weiterbildung unserer Mitarbeiter sorgt dafür, dass wir unseren Kunden immer den aktuellsten Stand der Wissenschaft weitergeben und sie somit auf hohem Niveau versorgen können. Neue modische Farben von Kompressionsversorgungen erhöhen darüber hinaus gerade bei jungen Frauen die Tragebereitschaft und somit auch die Lebensqualität.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Mit welchen Experten arbeiten Sie dabei zum Wohle der Patienten zusammen?

Hußmann: Wir arbeiten sowohl mit Ärzten, als auch mit Therapeuten aus dem Umfeld zusammen. Im Laufe der Zeit haben sich dabei netzwerkartige Strukturen gebildet, die dem Kunden eine reibungslose, in sich greifende Therapie ermöglichen. In Münster haben sich diese Strukturen beispielsweise bereits in dem Netzwerk „LymphAktiv Münster“ (siehe www.lymphaktiv-muenster.de) gefestigt.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Herzlichen Dank für das Gespräch.

Das Sanitätshaus Grenzland wurde 1997 unter der Federführung des Orthopädietechniker-Meisters Heiner Schroer gegründet. Heute ist das Unternehmen mit vier Filialen an den Standorten Ahaus, Münster und Stadtlohn vertreten. Seit 2004 gehört das Sanitätshaus zum Dachverband Sanitätshaus Aktuell AG. Mehr darüber erfahren Sie unter www.grenzland.de.

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