Die Aktuelle, Ausgabe 02 / 2020, Orthopädietechnik, Ratgeber
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Gelenkerkrankung Rhizarthrose

Rhizarthrose

Eine Rhizarthrose verursacht starke Schmerzen am Daumen und betrifft viele Menschen. Hormonelle Veränderungen und Überlastungen sind zwei mögliche Ursachen. Konventionelle Orthesen lindern zwar die akuten Schmerzen, eine langfristige Heilung wird aber meist nur durch Maßanfertigungen erzielt, die dem Daumen einen ausreichenden Bewegungsspielraum erhalten. Das Sanitätshaus Langmann in Karlsruhe gehört zu den wenigen zertifizierten Anbietern in Deutschland, die die spezielle Rhizarthrose-Orthese nach Herbert Seidel herstellen dürfen.

Text: Gunnar Römer

Patienten mit Arthrose gehören zum „täglich Brot“ aller Sanitätshäuser. Aber nur wenige davon besitzen die Lizenz zur Anfertigung der Daumenorthese nach Herbert Seidel. Diese wurde speziell für Patienten mit Rhizarthrose entwickelt. „Wir wurden im März 2019 zertifiziert und sind in Karlsruhe das einzige Sanitätshaus mit dieser Berechtigung“, erklärt Matthias Schweigert, Inhaber des Sanitätshauses Langmann. Bedarf gibt es genug, schließlich ist die Rhizarthrose die häufigste Arthrose-Form des Daumens. Bis zu 15 Prozent aller Menschen über 50 Jahre erkranken daran. Frauen rund zehnmal so häufig wie Männer.

Hormonelle Ursachen und Überbelastungen

„Bei unseren weiblichen Patienten sind es häufig hormonelle Veränderungen wie Schwangerschaften oder Wechseljahre, die eine Rhizarthrose entwickeln“, so Orthopädiemeister Samuel Hofmann, Leiter des Fachbereiches Orthopädie. Schuld sind Hormonumstellungen, die sich auf das gesamte gelenkstabilisierende Gewebe auswirken. Bei beiden Geschlechtern sind häufig auch äußerliche Faktoren auslösend, z. B. handwerkliche Tätigkeiten oder Büroarbeit. „Eine Rhizarthrose bei der PC-Arbeit ist besonders schmerzhaft, da der Daumen auf die Maus gelegt wird, um diese zu führen“, erklärt Hofmann. Daher sind mitunter auch Veränderungen im Arbeitsumfeld wichtig. „Hierzu arbeiten wir eng mit Physiotherapeuten zusammen. Wir im Sanitätshaus konzentrieren uns dabei auf die Versorgung mit Orthesen“, fasst Matthias Schweigert zusammen.

Langfristige Ruhigstellung ist der falsche Weg

Eine Ruhigstellung bei Rhizarthrose macht lediglich zu Anfang Sinn, um die starken Schmerzen zu lindern und eine Überbelastung zu vermeiden. Für den Heilungsverlauf ist ein völliger Bewegungsverzicht jedoch kontraproduktiv. „Das ist auch das Problem bei konfektionierten Orthesen, die auf eine Ruhigstellung des Daumens abzielen“, sagt Hofmann. Und dennoch: „Zu Beginn der Therapie sind wir seitens der Krankenkassen verpflichtet, es zunächst mit einer konfektionierten und damit wesentlich kostengünstigeren Orthese zu versuchen.“ Laut Hofmann muss in über 80 Prozent der Fälle dann aber doch eine Maßanfertigung stattfinden. Diese spezielle Orthese erlaubt es dem Träger, sie bei fast allen Aktivitäten des täglichen Lebens anzubehalten. Die Bewegungsfähigkeit des Daumens bleibt erhalten. Statt auf Ruhigstellung beruht das Wirkprinzip darauf, den erkrankten Gelenkspalt zwischen Daumen und Zeigefinger leicht auseinanderzuziehen. „Dies geschieht über eine Pelotte, die einen sanften Druck auf das Daumensattelgelenk ausübt“, erklärt der Experte. Dadurch treffen die Gelenkflächen nicht mehr aufeinander, die Schmerzen nehmen ab und langfristig besteht die Möglichkeit, dass sich wieder neues Gewebe in den Gelenkspalt einlagert.

Orthese mit individueller Anpassung

Nach dem meist erfolglosen Versuch mit einer konfektionierten Orthese erhalten die Patienten eine maßangefertigte Orthese, die genau auf die anatomischen Verhältnisse abgestimmt ist. Meist sind hierzu mehrere Termine im Sanitätshaus nötig. Sobald das Hilfsmittel fertig ist, erfolgt eine einwöchige Eintragezeit, in der das Hilfsmittel stundenweise genutzt wird. „Anschließend gilt es, die Orthese so oft wie möglich zu tragen. Das bedeutet, so nahe an 24 Stunden wie möglich. Nur dann kann eine Verbesserung gewährleistet werden“, so Hofmann. Wie lange die Orthese insgesamt getragen werden muss, hängt vom individuellen Krankheitsverlauf ab. Alle drei Monate erfolgt eine Verlaufskontrolle im Sanitätshaus. Besteht nach neun Monaten weiterhin die Indikation für das Hilfsmittel, erhält der Betroffene eine Kohlefaserorthese. „Das Exemplar aus Kunststoff hat dann ausgedient“, ergänzt Schweigert. Der Vorteil der Karbonvariante: Sie ist wesentlich robuster und kann farblich besser angepasst werden.

Therapie der Rhizarthrose erfolgt immer multimodal

„Wir können sicher behaupten, dass die Orthesenversorgung die Basis der Rhizarthrose-Behandlung darstellt“, so Schweigert. Gleichwohl ist es damit allein meistens nicht getan. In enger Abstimmung mit Physiotherapeuten und Ärzten gilt es, die schmerzhafte Erkrankung immer weiter zurückzudrängen. Viele Menschen verspüren einen starken Leidensdruck. Laut dem Experten Hofmann ironischerweise oft eine gute Voraussetzung: „Diese Patienten tragen die Orthese einfach am konsequentesten.“

Mehr über das Sanitätshaus mit dem Lächeln, das vor rund 60 Jahren gegründet wurde und heute mit rund 50 Mitarbeitern von zwei Standorten, in Karlsruhe und Rheinstetten, aus agiert, erfahren Sie auf der Seite: www.langmann.de

Bildnachweise Headerfoto: © Sanitätshaus Langmann, © istockphoto.com/medicalstocks