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gelesen: edition tex + kritik: Rainer Werner Fassbinder

Rainer Werner Fassbinder

„An Fassbinder wird man sich noch lange die Zähne ausbeißen“, prophezeite Dominik Graf. Er sollte recht behalten: Hinter der Kultfigur Rainer Werner Fassbinder, der nach seinem frühen Tod zum genialen Monster erklärt wurde, wird mit zunehmendem Abstand sichtbar, wie ästhetisch innovativ und illusionslos vorausschauend er seine ebenso subtile wie subversive politische Poetik entwickelte.

Die Beiträge des Heftes beschäftigen sich unter neuen Fragestellungen mit inzwischen kanonisierten Werken, indem sie die Aktualität Fassbinders freilegen und Verbindungen bis zu Fatih Akin (“Gegen die Wand”) und Oskar Roehler (“Die Unberührbare”) aufzeigen. Behandelt werden Filme, die erst in letzter Zeit wiederentdeckt wurden („Welt am Draht“, „Despair“) oder nicht zugänglich und weitgehend unbekannt sind („Bolwieser“, „Acht Stunden sind kein Tag“). Der Umgang mit den Filmen auf der Theaterbühne zeigt, welche Möglichkeiten der Aneignung und Vergegenwärtigung sich bieten, wenn man sich von Fassbinders eigener Inszenierung emanzipiert.

Die facettenreichen, detailierten Texte und Betrachtungen in dem Buch (153 Seiten l 32,00 Euro) aus der edition text + kritik bieten auf liebevolle Weise die Möglichkeit Deutschlands vielleicht besten Filmemacher der vergangenen 70 Jahre wiederzuentdecken und das Wissen über ihn zu vertiefen.