Ratgeber, Versorgung / Pflege
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Chancen für effektives Wundmanagement durch ausgeglichene Ernährung?

Um sich vor schädlichen Flüssigkeitsverlusten und Infektionen zu schützen, ist die physiologische Wundheilung für den Körper überlebenswichtig. Vor allem bei chronischen oder schlecht heilenden Wunden ist ein effektives Wundmanagement unabdingbar. Neben einer adäquaten Versorgung der Wunde gehört dazu auch ein ausgeglichener Ernährungszustand. Mangelernährung ist nicht nur ein Risikofaktor für die Entstehung chronischer Wunden, sondern mindert bei bereits bestehenden Wunden auch die Heilungschancen. Im Rahmen des Deutschen Wundkongresses in Bremen stellten Experten vom 16. bis 18. Mai 2018 auf dem Symposium „Mangelernährung bei chronischen Wundpatienten – Auswege aus dem Dilemma?“ der Firma Fresenius Kabi Deutschland ihre Idee eines praxisnahen Weges zur Abklärung, Unterstützung und Evaluation der Ernährung bei verschiedenen Wundentitäten vor.

Bei chronischen Wunden lassen sich alle drei Phasen der Wundheilung parallel in unterschiedlicher Ausprägung finden. Laut Dr. Thomas Eberlein, Dermatologe, Venerologe und Allergologe von der Deutschen Wundakademie DWA, soll der Körper viel Energie benötigen, die über energetisch ausreichende Nahrung zugeführt werden muss. Geachtet werden sollte daher vor allem auf eine ausreichende Versorgung mit Energie, Protein und Flüssigkeit sowie auf eine Optimierung der Vitamine und Spurenelemente.

„Eine Mangelernährung von Wundpatienten lässt sich gut therapieren. Voraussetzung dafür ist allerdings deren Aufdeckung mittels eines Ernährungsscreenings zu Beginn jeder Therapie“, sagt Eberlein. Im Anschluss könnten Maßnahmen, wie eine Ernährungstherapie oder eine enterale Ernährungsform, greifen. Gerade bei multimorbiden bzw. gebrechlichen betagten Patienten soll die Therapie der Verbesserung bzw. Aufrechterhaltung des Ernährungszustands dienen. Dies wurde in der Weiterentwicklung der ESPEN Leitlinie „Enterale Ernährung in der Geriatrie“ von der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) im Rahmen des Leitlinienprojektes „Klinische Ernährung in der Geriatrie“ in Zusammenarbeit mit der GESKES, der AKE und der DGG festgelegt.

Quelle: Volkert D. et al. Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) in Zusammenarbeit mit der GESKES, der AKE und der DGG. Klinische Ernährung in der Geriatrie. Aktuel Ernahrungsmed. 38: e1–e48, 2013

Bei den bisher erhältlichen Empfehlungen soll es sich um eher allgemein gefasste Informationen zur Ernährung von Menschen mit chronischen Wunden oder zum Erkennen einer Mangelernährung handeln. Mit der Entwicklung leicht anzuwendender Handlungsempfehlungen soll die Ernährungssubstitution bereits in einem ersten Schritt systematisiert worden sein. Nun sollen diese Algorithmen ebenfalls weiterentwickelt und auf Grundlage der besten verfügbaren Evidenz ein praxisnaher Weg zur Abklärung, Unterstützung und Evaluation der Ernährung bei verschiedenen Wundentitäten dargelegt worden sein.

Diese Handlungsempfehlungen sollen einen schnellen und gangbaren Weg von der Identifizierung einer Mangelernährung bis zur Behandlung nachweisen. Um eine individuell optimierte Therapie einleiten zu können, sollten laut Eberlein demnach sowohl der Ernährungsstatus beurteilt, allgemeine Risikofaktoren gewürdigt, Alter und wundspezifische Gegebenheiten der Wundgröße und -tiefe berücksichtigt, als auch die Exsudationsmenge und das Vorliegen einer Wundinfektion beachtet werden. Patienten mit Wunden unterschiedlicher Genese, wie z. B. Ulcus cruris venosum, diabetisches Fußsyndrom und Dekubitus, sollen so unter besonderer Berücksichtigung der Ernährungssituation effektiv versorgt werden können.

„Algorithmen finden seit langem Anwendung in der Versorgung von Menschen mit chronischen Wunden. Hier wird besonderes Augenmerk auf die Diagnostik sowie die Lokal- und Kausaltherapie gelegt. Mit den weiterentwickelten Algorithmen für die Ernährungstherapie wurde ein wichtiger Schritt unternommen, um eine drohende Mangelernährung schnell und einfach erkennen und behandeln zu können“, sagt Björn Jäger, Pflegetherapeut und Vorstandsmitglied der ICW e.V.. Bisher soll der Ernährungstherapie im Gesamtkonzept der Wundversorgung eine eher untergeordnete Rolle beigemessen worden sein. Mit der Anwendung der Algorithmen soll sich das ändern, da nur ein gut ernährter Körper in der Lage sein soll, Wunden zur Abheilung zu bringen.

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