Ausgabe 01 / 2019, Die Aktuelle, Ratgeber, Rehabilitationstechnik
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Die Welt der Rollatoren

Auch mit körperlichen Einschränkungen weiterhin aktiv und beweglich zu sein, wünschen sich viele Menschen. Für solche Fälle stehen die Sanitätshäuser mit einer individuellen Beratung und den passenden Hilfsmitteln helfend zur Seite. Wie zum Beispiel das Sanitätshaus Langermeier in Kaufbeuren. Dort besuchte das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin den Abteilungsleiter reha team, Andreas Strommer. Außerdem besuchte die Redaktion eine Rollator-Tanzgruppe in Kiel.

Text: Silke Bromm-Krieger

Andreas Strommer kommt von einem Kundengespräch zurück. „Manchen Betroffenen fällt es etwas schwer, sich einzugestehen, dass der Zeitpunkt für eine Mobilitätshilfe da ist. Einige handeln erst, wenn ihnen der Arzt dazu rät oder sie schon einmal gestürzt sind“, berichtet er. Hätten sich die Betroffenen schon bei den ersten Gangunsicherheiten oder Schwindelanfällen einen Rollator geholt, wäre in etlichen Fällen ein Sturz vermeidbar gewesen. Der Abteilungsleiter stellt jedoch immer wieder fest, dass Menschen, die sich für einen Rollator entschieden haben, sehr zufrieden damit sind.

Beweglichkeit kehrt zurück

Der Abteilungsleiter reha team, Andreas Strommer, arbeitet im Sanitätshaus Langermeier, das sich in Bayern an acht Standorten um seine Kunden kümmert. Hier stellt er einer Kundin den Rollator ein. Mehr Infos über das Sanitätshaus Langermeier gibt es unter: www.langermeier.de (© Sanitätshaus B. Langermeier GmbH)

Der Abteilungsleiter reha team, Andreas Strommer, arbeitet im Sanitätshaus Langermeier, das sich in Bayern an acht Standorten um seine Kunden kümmert. Hier stellt er einer Kundin den Rollator ein. Mehr Infos über das Sanitätshaus Langermeier gibt es unter: www.langermeier.de (© Sanitätshaus B. Langermeier GmbH)

„Mit diesem zuverlässigen Begleiter kehrt oft die Beweglichkeit und Selbstständigkeit in ihren Alltag zurück. Die Betroffenen können wieder positiv in die Zukunft blicken, am Leben teilhaben, Einkaufen gehen, Arztbesuche erledigen, Freunde treffen oder Spaziergänge unternehmen. Das schafft Lebensqualität.“ Die Beantragung einer Mobilitätshilfe läuft in der Regel über den Hausarzt. Dieser prüft, ob sie aus medizinischer Sicht notwendig ist, und stellt ein Rezept aus. Damit können die Versicherten in ein Sanitätshaus gehen. Häufig stehen dort Standardleihmodelle bereit, für die die Krankenkassen als Vertragspartner im Rahmen eines Festpreises die Versorgungspauschale übernehmen. Ergänzend gibt es verschiedene Premiummodelle, die mit einer Zuzahlung erhältlich sind oder käuflich erworben werden können. Andreas Strommer und sein reha team finden gemeinsam mit den Kunden heraus, welches Modell für sie geeignet ist.

Ausführliche Beratung

Bei der Wahl spielt beispielsweise eine Rolle, wo der Rollator zum Einsatz kommen soll. Möchte der Kunde ihn nur in der Wohnung oder auch draußen nutzen? Muss er leicht und komfortabel im Handling sein? Liegt eine zu beachtende Erkrankung wie Parkinson oder Rheuma vor? „Wir beraten ausführlich, um das beste Modell für den persönlichen Gebrauch zu finden“, erklärt der engagierte Praktiker. Die individuelle Einstellung des Rollators und eine Einweisung in die Handhabung gehören ebenfalls zum Service. „Rollatoren sind in den letzten Jahren salonfähig geworden. Ich ermutige ausdrücklich dazu, sie rechtzeitig zu verwenden, bevor etwas passiert“, gibt Andreas Strommer allen Betroffenen mit auf den Weg.

 

RUMBA MIT ROLLATOR
Die Mobilitätshilfe als idealer Tanzpartner

Wissenschaftliche Studien belegen, dass schon eine Stunde Tanzen pro Woche Geist und Körper fit hält. Senioren aus Kiel treffen sich deshalb an jedem Mittwoch mit Tanzlehrer Ralf Knobloch zum Rollatortanz. Rumba, Walzer, Tango oder Samba stehen auf dem Programm. Sich fit zu halten, ist keine Frage des Alters. Sanft und mit einem zufriedenen Lächeln im Gesicht wiegt sich die 95-jährige Elisabeth Schulzeck im Takt der Musik. Wiener Walzer. „Que sera’ sera’, whatever will be, will be.” Doris Days Hit aus den 1950er-Jahren sorgt bei der agilen Seniorin für gute Laune. Schwungvoll dreht sich die Kielerin mit ihrem Rollator im Kreis. Fast schwebend gleitet sie mit rund 20 anderen Seniorinnen und Senioren über das Parkett. Seit fünf Jahren ist sie beim Rollatortanz mit von der Partie.

Musik weckt Erinnerungen

„Wenn ich die schöne Musik höre, kommen viele Erinnerungen hoch. Früher habe ich mit meinem Mann gern Walzer getanzt“, verrät die rüstige Rentnerin. Ihre Tochter, die Ärztin ist, habe ihr geraten, regelmäßig etwas für ihre Gesundheit zu tun und sich zu bewegen. „Das funktioniert dank des Rollators auch mit meinen tauben Füßen sehr gut“, freut sie sich. Ursula Köller, 85 Jahre alt, schwört auf Rollatortanz, um ihre Gleichgewichtsstörungen im Zaum zu halten. Ursula Andresen fand vor einigen Monaten nach einem Oberschenkelhalsbruch zur Runde. „Das Tanzen bringt mir viel Spaß. Die Einschränkungen im betroffenen linken Bein und mein Gleichgewichtssinn haben sich dadurch erheblich gebessert“, erzählt die 81-Jährige. Wie alle Teilnehmer genießt sie ebenfalls das fröhliche Gemeinschaftserlebnis mit Gleichgesinnten. Einige haben durch den Tanzmittwoch neue Bekanntschaften gemacht und treffen sich anschließend auf einen Kaffee oder unternehmen etwas zusammen.

Wirksame Sturzprophylaxe

Ralf Knobloch ist ausgebildeter Gesellschaftstanzlehrer mit einer Rollatortanz-Zusatzqualifikation. „Rollatortanz kann den Senioren den anfangs meist noch ungeliebten Rollator schmackhaft machen und bietet gleichzeitig die Möglichkeit, alle Bereiche des Körpers zu mobilisieren“, erklärt er. Durchs Tanzen nehme die Gehirnaktivität zu, Muskeln und Gelenke würden trainiert, das Herzkreislaufsystem gestärkt sowie Leistungsfähigkeit und Ausdauer verbessert. „Das ist eine tolle Sturzprophylaxe“, bringt es der Fachmann auf den Punkt. Alle Gesellschaftstänze könne man problemlos mit dem Partner auf vier Rollen tanzen, versichert er und ergänzt schmunzelnd: „Der ist wenigstens nicht scheu und tritt niemandem auf die Füße.“

Bildnachweise Headerfoto: © Silke Bromm-Krieger