Ausgabe 01 / 2015, Herz & Seele
Schreibe einen Kommentar

Bunt und fröhlich

Wie Kreativität die Gesundheit fördert

Bunt und fröhlich l Wie Kreativität die Gesundheit fördert

Jede Hobbymalerin, jeder, der gerne dichtet oder singt, weiß um die wohltuende Wirkung des kreativen Selbstausdrucks. Es sind Momente, in denen wir mit Farben, Reimen oder Tönen dem Alltag entfliehen und Zugang zu unserer inneren Welt finden, die eine unerschöpfliche Kraftquelle darstellt. Hier tanken wir auf und wappnen uns für die Herausforderungen des Alltags.

Text: Jana Pajonk

Das Wort Kreativität geht auf zwei lateinische Wörter zurück: creare (= schöpfen) und crescere (= geschehen). Kreativ sein bedeutet also, in sich etwas Neues zu erzeugen und es wachsen zu lassen. Da zur Heilung von Krankheiten oft grundlegende Veränderungen notwendig sind, wundert es nicht, dass auch Medizin auf Kreativität setzt.

Aktivierung der Selbstheilungskräfte

Die Anthroposophische Medizin nutzt seit fast 100 Jahren Kreativität zur Heilung. „Wir setzen künstlerische Therapien ein, um die Patienten dabei zu unterstützen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und neue Wege zu einer nachhaltigen Gesundung zu entwickeln“, sagt Dr. med. Bernd Voggenreiter, medizinischer Geschäftsführer und leitender Arzt der Filderklinik bei Stuttgart. „Durch das kreative Tun beim Malen, Plastizieren, Musizieren oder bei der Sprachgestaltung können Körper, Geist und Seele wieder in Balance gebracht werden.“ Die Patienten nehmen die Angebote schnell und begeistert an, „weil sie spüren, dass sie selbst viel dazu beitragen können, dass es ihnen wieder besser geht“, so Voggenreiter weiter.

Innehalten und sich neu sortieren

Nicht nur bei schweren Krankheiten, körperlichen Beschwerden oder psychischen Erkrankungen wie Depression oder Burnout hilft der künstlerische Ausdruck. Wenn wir gesund sind, unterstützen uns diese Therapieformen bei der Vorbeugung von Krankheiten. Das sehen inzwischen auch viele gesetzliche Krankenkassen so und übernehmen die Kosten für künstlerische Therapien oder Präventionskurse in diesem Bereich.

© DAMiD – Dachverband Anthroposophische Medizin in Deutschland

Je kreativer Menschen im Arbeitsalltag sein dürfen, umso besser ist ihr psychisches und körperliches Befinden, stellte auch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in einer Studie im Jahr 2013 fest. Tatsächlich müssen wir nicht warten bis wir gestresst oder krank sind, um uns die Kraft der Kreativität zunutze zu machen. Das Leben ist Bewegung. Wer fest an Vorstellungen festhält und möchte, dass alles so bleibt wie es ist, muss dafür sehr viel Kraft aufwenden und wird früher oder später krank, sagen Psychosomatiker. Es ist daher wichtig, offen zu bleiben, denn das hält gesund. Unsere eigene Kreativität hilft uns dabei.

„Freude ist der Motor für Gesundheit“

© Martina Kaltenbach

Martina Kaltenbach ist Heilpraktikerin und leitet seit mehreren Jahren Kurse im Ausdrucksmalen für Menschen, die sich öffnen oder verändern wollen. „Beim Ausdrucksmalen kommen die Menschen in Bewegung, Energie wird freigesetzt und sie freuen sich. Freude ist für mich so etwas wie der Motor für Gesundheit“, sagt die Malleiterin. Beim Ausdrucksmalen stehen uns viele kräftige Farben und Werkzeuge wie Pinsel und Spachtel zur Verfügung. Wir sind eingeladen, zu experimentieren. Es gibt keine Aufgabe, keine Einschätzung oder Bewertung von außen. Nur uns und unseren Prozess. „Viele, die früher im Kunstunterricht gelitten haben oder sehr leistungsorientiert sind, entspannen sich beim Rumspachteln mit Farbe oder beim Ausprobieren der verschiedenen Werkzeuge“, erzählt Martina Kaltenbach. „Beim Malen kommen sie sich näher. Auf fast magische Weise eröffnen sich auf dem Papier plötzlich Situationen oder Themen, die gerade bedeutsam sind. Das passiert, indem sich die Malenden immer wieder von ihrem Bild leiten lassen. Oft müssen sie sich dabei von Vorstellungen verabschieden.“ Nicht nur beim Ausdrucksmalen werden uns innere Zustände bewusster. Die kreative Betätigung unterstützt die Auflösung emotionaler Blockierungen und eröffnet den Zugang zu unserer Lebenskraft und -freude. Der kreative Ausdruck verleiht uns mehr Klarheit über die eigene Lebenssituation und kann dabei helfen, Entscheidungen zu treffen.

Ruhe finden in der Hektik des Alltages

© Martina Kaltenbach

Hand aufs Herz: Wie oft nehmen Sie sich Zeit, um sich kreativ zu betätigen? Zugegeben, im Alltag ist es nicht einfach, kleine Inseln der Ruhe und Einkehr zu schaffen. Doch es müssen nicht immer gleich Wochenseminare im Ausdrucksmalen oder eine Kunsttherapie sein. Eine gute Möglichkeit, sich den Zugang zur eigenen Kreativität zu erhalten, sind Kurse an Volkshochschulen. Mit einem festen Termin unter Gleichgesinnten fällt es den meisten von uns wesentlich leichter, dran zu bleiben. Die kostengünstigen Kurse reichen vom Aquarellmalen über Filzen und Töpfern bis hin zum Korbflechten. Hier können wir ausprobieren und herausfinden, was uns wirklich Spaß macht. Tue mehr von dem, was Dich glücklich macht! Fakt ist: Kreativität tut Körper, Geist und Seele gut. Sie hilft uns, abzuschalten und neue Ideen und Perspektiven zu entwickeln. In persönlichen Krisen ist das notwendig, im funktionierenden Alltag sorgt es für Ausgleich und Flexibilität. Ein aktueller gesellschaftlicher Trend heißt „Do more of what makes you happy!“ – Tue mehr von dem, was Dich glücklich macht! Was macht Sie glücklich? Tun Sie mehr davon! Oder finden Sie es schnell heraus. Das macht Spaß und fördert Ihre Gesundheit.

© Martina Kaltenbach

 

SANITÄTSHAUS AKTUELL abholen SANITÄTSHAUS AKTUELL bestellen