Ausgabe 04 / 2015, Die Aktuelle, Ratgeber, Sanitätshausbedarf
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Wie eine vitale, aktive und medizinisch rundum gut versorgte Generation dem demografischen Wandel trotzt

Alt ist das neue Jung

Jeder will alt werden, aber fast niemand möchte alt sein. Mit dem älter werden steigt auch die Angst vor nachlassender Schönheit und Geistesfähigkeit sowie vor eingeschränkter Mobilität und Krankheiten. Doch die Älteren von heute sind andere, als in den Jahrzehnten zuvor. Sie nehmen die Herausforderung des Alterns positiv und aktiv an. SANITÄTSHAUS AKTUELL verrät Ihnen, warum diese Generation nicht mehr zuallererst als gebrechlich und senil, sondern viel mehr als aktiv, intelligent und lebenserfahren gilt.

Text: Christian Sujata

Wann ist man eigentlich alt? Ab dem 60. Geburtstag, bei Rentenbeginn, der Geburt des ersten Enkels oder dann, wenn die Wehwehchen nicht mehr so schnell verschwinden wie früher? Eine Frage, die nicht leicht zu beantworten ist. Dazu kommt, dass sich Altersgrenzen, ab denen Interessen und Aktivität deutlich abnehmen, immer weiter nach hinten verschieben, wie aus einer aktuellen Studie des Generali Zukunftsfonds und des Instituts für Demoskopie Allensbach hervorgeht. Demnach altert unsere Gesellschaft zwar, doch hat sich die ältere Generation gleichzeitig verjüngt. Die materielle Situation dieser Menschen ist gefestigt, die Lebenszufriedenheit hoch. Soziale Kontakte und bürgerliches Engagement sind stark ausgeprägt. „Meine Vorstellung von jemandem, der siebzig ist und wie ich mich fühle, das sind fast zwei Welten“, sagt eine 70-jährige Studienteilnehmerin, die genau wie 4.196 andere Personen im Alter zwischen 65 und 85 befragt wurde. „Die Best Agers sind heute viel selbstbewusster, aufgeklärter und aufgeschlossener Neuem gegenüber“, stellt Chris Schürmaier
fest, die Inhaberin des ältesten Sanitätshauses in Leipzig. „Ein 70-jähriger erscheint heutzutage viel jünger als noch vor zehn Jahren“, so Schürmaier weiter.

Vom individuellen Lebensstil hängt viel ab

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© istockphoto

„Aufhalten im eigentlichen Sinne können wir das Altwerden nicht“, so Professor Lenhard Rudolph, Direktor des Leibniz-Instituts für Altersforschung, im August 2015 in einem Interview (Rheinische Post Online). Die Zellen werden mit den Jahren einfach krankheitsanfälliger. Laut Rudolph haben Studien allerdings gezeigt, dass der Mensch diesem Prozess nicht schutzlos ausgeliefert ist, denn nur 30 Prozent davon geht auf die Rechnung der Gene. „Die restlichen 70 Prozent hängen vom individuellen Lebensstil und den Umwelteinflüssen ab“, so Rudolph weiter. Dass Menschen also länger „jung“ bleiben, hat auch damit zu tun, dass sie sich mehr und vor allem bewusster als in früheren Generationen darum kümmern, lange gesund und fit zu bleiben.

Regelmäßige Bewegung steigert das Wohlbefinden

Zahlen & Fakten

 

• Die Anzahl der über 100-Jährigen in Deutschland steigt rasant an. Waren im Jahr 2000 noch 6.000 Menschen 100 und älter, lag diese Zahl im Jahr 2010 schon bei 13.000 Menschen.

• Die Lebenserwartung bei heute geborenen Mädchen liegt bei 82 und bei Jungen bei 77 Jahren.

• Weltweit am ältesten werden die Menschen nach Daten der Weltgesundheitsorganisation und der
Weltbank in Japan, der Schweiz und San Marino.

• Der älteste noch lebende Mensch ist Susannah Mushatt Jones (geboren am 6. Juli 1899) aus den
Vereinigten Staaten.

• Der älteste Mensch der jemals gelebt hat war Jeanne Calment aus Frankreich. Ihr langes Leben dauerte insgesamt 122 Jahre und 164 Tage. Sie lebte vom 21. Februar 1875 bis zum 4. August 1997.

Gezielte Bewegung ist eine der entscheidenden Voraussetzungen für ein gesundes und selbständiges Leben bis ins hohe Alter. Ohne Bewegung werden die Muskeln schwächer, die Gelenke unbeweglicher und die Standsicherheit lässt nach. Wie wichtig Bewegung ist, haben die Älteren mehr und mehr verinnerlicht: 1968 haben nur fünf Prozent der über 65-Jährigen zumindest gelegentlich Sport getrieben, mittlerweile sind es bereits 44 Prozent. Experten empfehlen dabei ein ganzheitliches Training, um den gesamten Körper zu fordern und neben der Ausdauer auch die Muskeln, Knochen sowie Gelenke zu stärken und den Stoffwechsel anzuregen. Dazu sollte die Aktivität – beispielsweise Laufen, Radfahren oder Schwimmen – regelmäßig durchgeführt werden. Als positive Effekte sinkt das Risiko für
Rückenbeschwerden, Übergewicht, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes Typ 2 und Osteoporose. Hilfsmittel wie Pulsuhren, Schrittezähler und Gesundheits-Apps sorgen zudem dafür, dass dabei stets die körperliche Verfassung gut im Auge behalten werden kann.

In einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist

Trainieren lässt sich nicht nur der Körper, sondern auch das Gehirn. Nicht unwichtig, denn mit zunehmendem Alter wird dieses weniger stark durchblutet und mit Sauerstoff versorgt. Die Zahl der Zellen im Hirn schrumpft, wodurch besonders das Kurzzeitgedächtnis negativ beeinflusst wird. Um das Gedächtnis gezielt zu stärken und zu trainieren, lesen viele Menschen auch im Alter noch regelmäßig Bücher, sehen Fernsehnachrichten oder lösen Kreuzworträtsel. Als noch besseres „Gehirnjogging“ bieten sich laut Gedächtnistrainer Markus Hoffmann Aufgaben an, die das Gedächtnis vor neue Herausforderungen stellen: Er empfiehlt die Einkaufsliste mal komplett im Kopf abzuspeichern, die Zähne mit der anderen Hand zu putzen oder Texte auf dem Kopf zu lesen.

Ernährung beeinflusst Gesundheit und Lebenserwartung

Standfest bleiben durch Sturzprophylaxe

Eine gute körperliche Verfassung kann bis zu 30 Prozent der schwerwiegenden Stürze im Alter verhindern. Mit ein paar einfachen Übungen können Sie das Sturzrisiko schon deutlich verkleinern. Ausführliche Informationen und Trainingsübungen für mehr Muskelkraft, Standfestigkeit und Balance finden Sie in der Broschüre „Fit im Alltag/Aktiv gegen Stürze – Bewegung zur Erhaltung der Selbständigkeit im Alltag“ des Deutschen Turnerbunds unter
www.sanitaetshaus-aktuell.info/ sturzprophylaxe.

Um bis ins hohe Alter „jung“, fit und gesund zu bleiben, spielen auch die Bereiche Ernährung und Lebensstil eine große Rolle. „Beides hat einen viel größeren Einfluss auf unsere langfristige Gesundheit und Lebenserwartung, als dies die Medizin lange Zeit gesehen hat“, erklärt Ernährungswissenschaftler Professor Dr. Helmut Heseker von der Universität Paderborn. „Wissenschaftler gehen davon aus, dass jede dritte Krebserkrankung durch eine ungünstige Ernährung verursacht wird.“ Insbesondere mit zunehmendem Alter lohnt es sich deshalb, verstärkt auf das zu achten, was man isst. Frisches Obst und Gemüse sollte dabei besonders häufig im Einkaufswagen landen. Dazu „Vollkorn- oder Schrotbrot und einmal in der Woche Fisch“, ergänzt Heseker. Fleisch und Lebensmittelm mit chemischen Zusatzstoffen sowie besonders viel fett- oder zuckerreiche Nahrung sollten dagegen nur selten auf dem Teller landen.

Senioren erobern das Internet

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Dass alt zu sein oft nicht mehr viel mit früheren Klischees zu tun hat, als Omas Lieblingsbeschäftigung das Backen war und der Opa nichts angenehmer fand, als die Enten im Park zu füttern, zeigt auch die veränderte Freizeitgestaltung: Heute ist es kein ungewöhnliches Bild mehr, einen älteren Menschen auf einem Surfbrett oder beim Rock-Festival zu sehen. Auch die ältere Generation trifft sich in hippen Cafés, liest Zeitungen online oder twittert neuste Infos über die Enkel. Soziale Netzwerke – wie Twitter, Facebook & Co. – werden auch bei älteren Menschen immer beliebter. Mehr als zwei Drittel aller 50 bis 64-jährigen sind mindestens in einem Sozialen Netzwerk angemeldet. Sie informieren sich dort über das Tagesgeschehen und Produkte, suchen nach Dienstleistungen, tauschen sich mit der Familie aus und bleiben mit Freunden in Kontakt.

Rasante Entwicklung medizinischer Hilfsmittel

Diese selbstbewusster werdende Generation bekommt man auch im Sanitätshaus zu spüren. „Es ist kein Geheimnis, dass diese Zielgruppe heute viel anspruchsvoller auftritt“, sagt Sanitätshaus-Inhaberin Chris Schürmaier. Die rasante Entwicklung medizinischer Hilfsmittel stößt dabei auf großes Interesse. „Für höherwertige Versorgungen gibt der Kunde eher Geld aus, als noch vor fünf Jahren.“ Ein steigendes Interesse an Prävention, auch bei jüngeren Leuten, hat laut Schürmaier zudem dafür gesorgt, dass Fitness und Gesundheitsprodukte einen höheren Stellenwert im Sanitätshaus-Sortiment haben als früher.

„Alt sein bedeutet für mich Glück“

Richtig Trinken im Alter

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Ältere Menschen trinken häufig zu wenig, da im Alter das Durstgefühl nachlässt. Sie sollten täglich circa 1,3 bis 1,5 Liter trinken. Durch große Hitze, reichlich Speisesalz oder eine hohe Eiweißzufuhr, Krankheiten mit Durchfall sowie Erbrechen kann der Bedarf erhöht sein. Je weniger gegessen wird, desto mehr muss getrunken werden. Denn durch die geringe Nahrungszufuhr fehlt es an in Lebensmitteln enthaltenem Wasser. Über den Tag verteilt wird der Körper am besten durch energiearme Getränke mit Flüssigkeit versorgt, wie Trink- oder Mineralwasser, ungezuckerte Kräuter- und Früchtetees sowie mit Wasser verdünnte Obst- und
Gemüsesäfte.

Quelle: Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V.


Bewegung, Hirntraining, Ernährung, Einstellung und Hilfsmittel helfen also dabei, bis ins hohe Alter jung zu bleiben. Was uns wieder zur Ausgangsfrage zurückbringt: Wann ist man eigentlich alt? „Ich habe keine Angst vor dem Alter und will so alt werden wie Johannes Heesters“, erklärt Klaus Vogel. „Alt bedeutet für mich frei zu sein und mir nichts mehr beweisen zu müssen“, so Marianne Liehr. Zwei Antworten auf die Befragung „Was heißt für Sie alt?“ des Bundesministeriums für Familie, die zeigen, dass auf diese Frage jeder Mensch eine eigene Antwort hat.