Ausgabe 01 / 2017, Die Aktuelle, Ratgeber, Sanitätshausbedarf, Sonstiges
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Titelthema Haut - Schützendes Organ, Faktor für Jugend & Spiegelbild der Seele

Unsere Haut

Die Haut ist das vielseitigste Organ, das wir haben. Sie ist wichtig, weil sie die Abgrenzung von Innen und Außen ist. Sie schützt uns vor Umwelteinflüssen und übernimmt vielfältige sowie wichtige Aufgaben im Bereich des Stoffwechsels und der Immunologie. Ohne unsere Haut könnten wir nicht überleben. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin hat das wichtige Organ deshalb mal etwas genauer unter die Lupe genommen.

Text: Christian Sujata

Bei lebenswichtigen Organen denken Sie vermutlich, wie die meisten Menschen, zunächst an das Herz, die Nieren, die Leber oder das Gehirn. Aber nicht an das funktionell vielseitigste Organ des menschlichen Organismus: Die Haut. Sie ist sogar das größte und schwerste Organ des menschlichen Körpers. Die Haut macht sage und schreibe rund ein Sechstel unseres Körpergewichtes aus, ist dabei aber nur wenige Millimeter dick. Sie dient unserem Körper als Schutzpanzer, bewahrt ihn vorm Austrocknen und reguliert seine Temperatur.

Haut und Aufbau

Die Haut ist viel mehr, als das, was wir sehen, wenn wir uns unseren Körper im Spiegel betrachten. Um die vielseitigen Funktionen zu verstehen, muss man wissen, dass die Haut in drei Zonen untergliedert ist: Oberhaut (Epidermis), Lederhaut (Dermis) und Unterhaut (Subcutis). Ganz außen stoßen wir auf das uns vertraute Bild der Oberhaut. An Körperstellen, die im Alltag besonders viel aushalten müssen, wie Fußsohlen und Handinnenflächen, ist sie besonders dick. Den extra dicken Schutzmantel dort nennt man Hornhaut. Die gesamte Oberhaut besteht hauptsächlich aus Hornzellen, die sich ständig neu bilden. Hautschuppen sind alte Zellen, die regelmäßig abgestoßen werden. Bei einem jungen Menschen dauert es ungefähr vier Wochen, bis sein Körper die oberste Schicht einmal komplett ausgetauscht hat. Die Oberhaut erfüllt wichtige Aufgaben für uns: Sie schirmt unseren Körper gegen Gifte sowie Krankheitserreger ab und die in ihr befindlichen Melaninzellen schützen uns darüber hinaus vor UV-Strahlen sowie Sonnenbrände.

Direkt unter der Oberhaut liegt die Lederhaut. Diese besteht aus speziellen Eiweißen und ihre Fasern sind netzartig verzweigt, wodurch sie gleichzeitig elastisch sowie reißfest ist. In ihr befinden sich Schweiß- und Talgdrüsen sowie Haarwurzeln, Nervenfasern und Blutgefäße. Letztere versorgen unsere Haut mit Nährstoffen und Sauerstoff. In der Lederhaut sitzen auch Tastrezeptoren, die wie spezialisierte Fühler alle Informationen rund um Berührungen, Schmerz, Vibrationen oder Dehnungen an unser Gehirn weiterleiten. Außerdem reagieren sie auf Wärme und Kälte. Die tiefste Schicht unserer Haut schließlich ist die Unterhaut. Sie besteht aus lockerem Bindegewebe und ist fest mit der darüber liegenden Lederhaut verbunden. In ihr befinden sich unsere Energiereserven und Fettpolster. Die Polster schützen uns vor Kälte und dämpfen Stöße ab, damit Verletzungen nicht so leicht die inneren Organe schädigen können. Auch unsere über zwei Millionen Schweißdrüsen tummeln sich in der Unterhaut. Sie schützen uns vor Überhitzung, indem sie Schweiß produzieren, der an der Hautoberfläche verdunstet.

Haut und Alter

Die Haut ist aber weit mehr als „nur“ ein lebenswichtiges Organ. Sie ist für uns auch Sinnbild für Jugend und Schönheit. Sie hat Signalwirkung und nackt wirkt sie äußerst anregend. Aber sie verrät auch unsere Herkunft, unseren Lebensstil und unser Alter. Ja, auch unser Alter. Bei diesem Stichwort dürften sich einige fragen: Wann beginnt eigentlich der Alterungsprozess der Haut? Mit 80 Jahren? Nein, schon früher. Mit 60? Noch früher. Gar schon mit 40? Genau genommen noch viel früher! Doch vor dem „wann“ muss man erst mal das „warum“ erklären: Ein Netz aus Kollagen (das häufigste Protein im menschlichen Körper, das über 70 Prozent des Trockengewichtes der Lederhaut einnimmt) und Elastin (ein elastisches Faserprotein und eines der wichtigsten Strukturproteine des menschlichen Organismus) macht unsere Haut gleichzeitig elastisch sowie stabil und speichert zudem Wasser. Außerdem versorgt dieses ausgeklüngelte Netz unsere Haut mit ausreichend Nährstoffen und Sauerstoff. Doch mit der Zeit nehmen Kollagenfasern und elastische Fasern, aber auch Blutgefäße immer mehr ab. Die Folge: Unsere Haut kann nicht mehr so viel Feuchtigkeit speichern. Zudem erneuern sich die Hautzellen irgendwann nur noch alle 50 statt alle 27 Tage. Die Haut verliert also Feuchtigkeit sowie Spannkraft und schrumpft. Oder mit anderen Worten: sie altert.

Dieser Alterungsprozess beginnt nicht mit 60 oder 80, sondern bereits zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr. Viele der Veränderungen werden ab Mitte 30 mit bloßem Auge sichtbar. Die ersten Falten haben sich dann bei vielen bereits ins Mienenspiel eingekerbt. Um das 60. Lebensjahr herum, hat die Zeit dann unübersehbare Spuren in unserer Haut hinterlassen. Um Mund und Augen haben sich tiefe Falten gebildet. Da irgendwann auch die Steuerung der Pigmentierung nicht mehr richtig funktioniert, bilden sich die bekannten Altersflecken. Die Erneuerung der Haut dauert nun schon bis zu 70 Tage. Da sie von außen verhornt, vermittelt sie uns den bekannten pergamenten Eindruck, den wir bei unseren älteren Gegenübern beobachten können.

Haut und Umweltfaktoren

Dass unsere Haut altert lässt sich also nicht verhindern, es ist genetisch vorprogrammiert. Warum Menschen gleichen Jahrgangs dennoch so unterschiedlich alt aussehen, hängt damit zusammen, dass Umweltfaktoren die Hautalterung noch beschleunigen können. Im Gegensatz zur genetischen Alterung können wir diese allerdings entscheidend beeinflussen. Stress, Alkohol und vor allem Nikotin schädigen unsere Haut. Vermindern oder vermeiden wir gar alle drei Einflüsse, wird es uns unsere Haut sichtbar danken. Doch die größten zusätzlichen Alterungsspuren hinterlassen die UV-Strahlen der Sonne. Eine ständige Belastung der Haut durch das ultraviolette Licht soll laut Experten die Dicke der Oberhaut verringern. Die Lichtstrahlen lassen sich in UVA- und UVB-Strahlen einteilen. UVB-Strahlen dringen nur bis in die Oberhaut ein, sind aber deutlich energiereicher als UVA-Strahlen. Erstere kurbeln unsere Vitamin D-Synthese an, durch sie bekommen wir aber auch einen Sonnenbrand und Hautkrebs. UVA-Strahlung hat dagegen weniger Energie, dringt aber tiefer bis in unsere Lederhaut ein und ist verantwortlich für Sonnenallergie und Unverträglichkeitsreaktionen, Pigmentierungs- und Hautton-Störungen wie Altersflecken sowie nicht zuletzt für Falten. Um dem entgegenzuwirken, ist der richtige Schutz für die eigene Haut unabdingbar.

SECHS Sonnenschutz-Tipps für die Haut

1. Sie sollten sich langsam an die Sonne gewöhnen. Halten Sie sich zu Beginn der ersten heißen Tage des Jahres oder bei einem Urlaub in einer warmen Region hauptsächlich drinnen oder im Schatten auf. Vermeiden Sie auf jeden Fall die intensive Mittagssonne.

2. Tragen Sie UV-dichte Kleidung. Der Schutz ist in der Regel in den Textilien ausgezeichnet. Wichtig: Kleidung ersetzt keine Sonnencreme.

3. Schützen Sie Ihre Haut mit Sonnenschutzmittel. Achten Sie darauf, dass das Mittel sowohl vor UVA- als auch UVB-Strahlen schützt und informieren Sie sich vorab, welcher Lichtschutzfaktor für Ihren Hauttyp (siehe Link unten) geeignet ist.

4. Achten Sie darauf, sich nach dem Schwimmen oder auch Schwitzen regelmäßig nachzucremen, um die Schutzwirkung aufrechtzuhalten.

5. Nehmen Sie gerade in der Sonne immer genügend Flüssigkeit zu sich.

6. Gönnen Sie Ihrer Haut eine Regeneration, indem Sie Ihre Haut nach dem Sonnenbaden mit einer Feuchtigkeit spendenden Lotion eincremen.

Tipp: Welcher Hauttyp Sie sind und wie Sie sich darauf abgestimmt richtig schützen können, erfahren Sie unter
www.sanitaetshaus-aktuell.info/sonnenschutz-hauttypen.

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Haut und Gesundheit

Besonders gepflegt werden muss die Haut aber nicht nur bei Sonneneinwirkung, sondern auch bei bestimmten Erkrankungen.  So reagiert beispielsweise die Haut des Neurodermitikers auf unterschiedlichste Reize mit Entzündungserscheinungen, Ekzemen und störendem Juckreiz. Dies hat böse Folgen: Wohlbefinden, Nachtruhe und die allgemeine Lebensqualität werden
dadurch erheblich beeinträchtigt. Besonders gravierend ist dies laut Experten bei Kindern. Sie können dadurch leicht ihr seelisches Gleichgewicht verlieren und so in ihrer gesamten Entwicklung empfindlich gestört werden. Doch das muss gar nicht sein. Eine konsequente Auslösevermeidung, die richtigen Pflegemaßnahmen und eine stadiengerechte Therapie können dabei helfen, die schlimmsten Symptome zu lindern. Eine besonders schonende Therapieform
bei der Neurodermitis-Behandlung ist beispielsweise der Einsatz von silberhaltigen Textilien aus dem Sanitätshaus.

Doch auch bei anderen Krankheiten wie Lymphödem, Inkontinenz oder Diabetes kann es in der Folge zu Hautproblemen kommen, die eine besondere Pflege benötigen. Bei einigen dieser Krankheitsbilder kann als Folgeerkrankung ein Dekubitus auftreten. Das ist ein Hautdefekt, der infolge des körpereigenen Auflagedruckes hervorgerufen wird. Solche Druckgeschwüre bilden sich bei permanent sitzenden oder liegenden Patienten. Auch ältere Personen sind durch Veränderung der Haut, reduzierter Beweglichkeit und Sensibilität besonders häufig von diesen chronischen Wunden betroffen. Beratungen und Behandlungshilfen erhalten die Patienten dabei von den Fachleuten in den Sanitätshäusern (welches Sanitätshaus in Ihrer Nähe ist, finden Sie mithilfe des Sanitätshaus Finders heraus), die in Absprache mit den Ärzten genau wissen, welche lindernden Hilfsmittel oder Versorgungen geeignet sind.

Die Haut ist ein komplexes, vielseitiges und leistungsstarkes Organ. Die Alterung unserer Haut lässt sich nicht stoppen (höchstens durch kosmetische Eingriffe kaschieren), doch gegen Umwelteinflüsse kann man vorsorgen und bei Hauterkrankungen helfen Experten. Gut auf sein
vielseitigstes Organ zu achten, lohnt sich für alle Menschen, denn wir haben nur diese eine Haut.

Faktencheck Haut

Ist die Haut wichtig, um unseren Körper zu entgiften? Die Antwort: Nein. Schweiß enthält Wasser, Salz, Elektrolyte, Harnstoff, Aminosäuren und Sexualduftstoffe. Schadstoffe dagegen nur in sehr geringen Mengen, die für die Entgiftung des Körpers keine Rolle spielen. Die Aufgabe der Entgiftung erledigen dagegen Leber und Nieren, die darauf spezialisiert sind unnütze sowie ungesunde Stoffe abzubauen und dafür sorgen, dass sie ausgeschieden werden. Der richtige Ort, um Schadstoffe loszuwerden, ist also nicht die Sauna, sondern die Toilette.

Braucht man die Haut zum Atmen? Bei vielen Menschen hält sich die hartnäckige Legende, dass man an einer Ganzkörperbemalung ersticken könnte. Aber das stimmt nicht. Zwar wird über die Haut Sauerstoff aufgenommen und Kohlendioxid abgegeben, doch dies macht weniger als ein Prozent der gesamten Atmung aus. Menschen atmen hauptsächlich über den Mund und die Nase. Für die lebenswichtige Versorgung mit Sauerstoff spielt eine Hautbemalung also keine Rolle. (Quelle: WDR)

Tätowierungen – Wahl der richtigen Haut Unsere Oberhaut erneuert sich ständig, deshalb würde eine Tätowierung in der obersten Hautschicht bereits nach kurzer Zeit wieder verlorengehen. In der Unterhaut könnte es wiederum zu Verletzungen von Blutgefäßen kommen. Bei einer Tätowierung muss die Farbe deshalb in die Lederhaut eingestochen werden.