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gelesen: Gunther Reinhardt - Twin Peaks

Twin Peaks in 100 Seiten

An einem trüben Februarmorgen finden sie sie am Flussufer – mit Sandkrümeln in den Haaren, eisblau verfärbten Lippen, in eine Plastikfolie verpackt und auch als Leiche immer noch unerhört schön: Laura Palmer. Der Mord an der Schülerin bringt nicht nur das Leben im idyllischen Twin Peaks aus dem Gleichgewicht. Er erschüttert auch die Fernsehwelt, wie man sie bis 1990 kennt.

David Lynch und Mark Frost etablierten mit „Twin Peaks“ eine neue TV-Ästhetik und schufen – mit den langen, verworrenen Erzählsträngen und den vielschichtigen Charakteren – geradezu eine neue Rolle des TV: Serien als die Romane des postmodernen Zeitalters. „Twin Peaks“ ist der Ursprung für all die Qualitätsserien, an die sich die Fernsehzuschauer weltweit seitdem erfreuen: Von „Die Sopranos“ und „The Wire“ über „Breaking Bad“ und „House of Cards“ bis hin zu „Girls“ und „Game of Thrones“.

Was macht „Twin Peaks“ so faszinierend? Gunther Reinhardt zeichnet die Entstehungsgeschichte der Serie in seinem Buch (Reclam, Broschiert, 100 Seiten l 10,00 €) nach und stellt zentrale Handlungsmotive, narrative Besonderheiten, die besondere Ästhetik, die Charaktere und Serienmacher vor. Fans und Neulinge kommen gleichermaßen auf ihre Kosten.Zudem ist das kleine Buch ein schöner Zeitvertreib, bis im nächsten Jahr – nach 26 Jahren – „Twin Peaks“ im Fernsehen fortgesetzt wird.