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Behinderung kindgerecht erklärt

Troll Faxi und sein Stuhl mit Rädern

Troll Faxi und sein Stuhl mit Rädern - Ein Kinderbuch aus dem Doris Verlag

Statt gesunden Kindern erleben in den Kinderbüchern in Doris Hesselers Verlag behinderte Kinder, Tiere und Trolle lustige Abenteuer. Die Bücher lehren Inklusion – und sind kein bisschen langweilig.

In Kinderbüchern erleben Kinder spannende Abenteuer miteinander. Gehen auf Schatzsuche, bauen Baumhäuser, machen Entdeckertouren und finden geheime Ruinen. Eines haben diese Kinder grundsätzlich gemeinsam: Sie sind mutig, stark – und gesund.

Doris Hesseler hat einen Verlag gegründet, der Kinderbücher vertreibt, in denen Kinder, Tiere und Trolle mit Behinderungen Abenteuer erleben. Und die sind kein bisschen langweiliger.

In den Büchern des Doris-Verlags sitzen die Protagonisten im Rollstuhl, sind gehörlos oder haben das Down-Syndrom. Hesseler hat selbst einen mehrfach behinderten Sohn, Björn. Mit ihm zusammen schrieb sie im Jahr 2004 ihr erstes Buch – und verlegte es einfach selbst. Weil er bei der Geburt zu wenig Sauerstoff bekam, hat Björn eine Tetraspastik und sitzt im Rollstuhl.

„Kinder fühlen sich angesprochen von Menschen im Rollstuhl. Wenn sie Björn auf der Straße begegnen, stellen sie viele Fragen,“ sagt Hesseler. Auch sie wird als Mutter oft angesprochen. „Kinder fragen, ob ich nicht manchmal traurig bin. Dann erkläre ich ihnen, dass es gar keinen Grund gibt, traurig zu sein und dass Björn natürlich all die Dinge macht, die andere Kinder und Menschen auch machen.“

Behinderungen werden weder verharmlost noch dramatisiert

Schnell war Hesseler klar: „Es müsste ein Buch geben. Eine fröhliche Geschichte, durch die Kinder lernen können, dass es keine Qual ist, behindert zu sein.“ So wurde ihr neuer Protagonist, Troll Faxi, geboren. Faxi sitzt im Rollstuhl. Doch niemand sieht weg oder lässt ihn außen vor. Für lustige Erlebnisse mit seinen Freunden spielt es absolut keine Rolle, ob er nun laufen kann oder nicht. Zusammen mit seiner (gesunden) Freundin Lisa erlebt Faxi viele Abenteuer – und zeigt Kindern so, dass das auch dann geht, wenn man im Rollstuhl sitzt.

Die Bücher wollen Kinder auf humorvolle Weise in Berührung mit Behinderungen bringen und kindgerecht verschiedene Krankheitsursachen und Symptome erklären. Die Behinderungen werden dabei jedoch weder verharmlost noch dramatisiert. Statt Spott oder Mitleid gibt es positive Reaktionen: fröhliche Geschwister, erleichterte Eltern und hilfsbereite Freunde.

Nach Hesselers Erfahrung sind Kinder grundsätzlich tolerant und positiv interessiert, wenn sie mit behinderten Menschen in Kontakt kommen. Problematisch wird es, wenn ein Kind gar keine Berührungspunkte mit Behinderten hat. Für den Fall können Kinder in den Büchern aus dem Doris-Verlag nachlesen, dass gehörlose Kinder, Kids mit Down-Syndrom oder Ataxie zwar mal Hilfe von Freunden benötigen, dass es mit ihnen aber so schön und lustig sein kann wie mit allen anderen auch.

Faxis Behinderung steht nicht zu sehr im Mittelpunkt

Die Bücher beschreiben typische Situationen aus dem Kinderalltag. Das Wichtigste dabei: Faxis Behinderung steht nicht zu sehr im Mittelpunkt. Er sitzt zwar im Rollstuhl, man sieht ihn jedoch auch im Wasser spielen, auf einem Traktor mitfahren oder beim Schlittenfahren. An allen Abenteuern ist er beteiligt – und wenn es doch mal Schwierigkeiten gibt – er mit dem Rollstuhl im Schlamm stecken bleibt, vom Schlitten fällt oder nicht so schnell vor Käfern fliehen kann – helfen ihm seine Freunde.

Die Arbeitsgemeinschaft Jugendliteratur und Medien der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (AJuM) prüft Kinder- und Jugendliteratur auf Verwendbarkeit in pädagogischen Arbeitsfeldern und gibt Empfehlungen für Kinder, Jugendliche und Eltern. Sie hält viel von Hesselers Abenteuergeschichten: „Dieses Buch ist ein Plädoyer für einen konstruktiven Umgang mit (gesundheitlichen) Einschränkungen. Es skizziert optimale Bedingungen für die Bewältigung von Behinderung: verantwortungsvolle Bezugspersonen, Zusammenhalt in der Familie, kompetente Experten, unterstützendes soziales Umfeld und nicht zuletzt ein glückliches Kind“, heißt es in einer Bewertung.

Besonders empfohlen für gesunde Kinder

„Dass es solche Bücher gibt ist nicht nur wichtig, sondern auch eine UN-Konvention aus dem Jahr 2006 zu Inklusion“, sagt Ulrich Baselau, Vorstandsmitglied der AJuM. Er empfiehlt die Bücher insbesondere Eltern mit Kindern ohne jede Behinderung und ohne Kontakt zu behinderten Menschen: „Im Rahmen einer bunten Welt gehört die Aufnahme und Auseinandersetzung mit Menschen jeglicher Art zum erzieherischen Ziel.“

Die Bücher richten sich an Kinder im Kindergarten- und Grundschulalter und erklären in kindgerechter Sprache körperliche und geistige Behinderungen. Dazu gibt es häufig vom Autor selbstgestaltete Illustrationen.

Inzwischen veröffentlicht Hesselers Verlag auch Kinderbücher anderer Autoren, die etwa Fabeln mit Tieren mit Handicap schreiben oder Geschichten über ein Kind, das ein Spenderherz erhalten hat.

(Quelle: stern.de)