Ausgabe 02 / 2016, Die Aktuelle, Orthopädietechnik, Ratgeber
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Millionen Menschen leiden in Deutschland an Arthrose, Rheuma oder Osteoporose

Starke Knochen und gesunde Gelenke

Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin erklärt Ihnen, was hinter diesen Gelenk- und Knochenerkrankungen steckt und warum Bewegung sowie andere Maßnahmen präventiv wirken und bei Betroffenen zu einem verbesserten Lebensgefühl führen können.

Text: Christian Sujata

In den Nachrichten hat es jeder von uns schon mal gehört: Unsere Gesellschaft wird immer älter. Eine Meldung, die bei den meisten Menschen für Freude sorgen sollte. Doch mit der steigenden Lebenserwartung häufen sich auch Krankheiten, wie Arthrose, Osteoporose oder
Rheuma. Dass die vielen Millionen Betroffenen diese Herausforderungen positiv angehen und trotz Krankheit ein gutes Leben führen können, dafür sorgt ein Expertennetzwerk aus Ärzten, Sanitätshäusern und Physiotherapeuten mithilfe stets weiterentwickelter Hilfsmittel sowie modernen Therapiemaßnahmen und Bewegungsübungen. Bewegung ist ein gutes Stichwort, denn sie ist auch das A und O, um diesen Krankheiten bereits präventiv zu begegnen.

Rheuma umfasst 400 verschiedene Erkrankungen

Rheuma ist im Grunde keine eigenständige Krankheit, sondern ein Überbegriff für über 400 verschiedene Erkrankungen, deren gemeinsame Merkmale Schmerz und Funktionsstörungen des Bewegungsapparats sind. Im engeren Sinne ist damit heute allerdings meist die rheumatoide Arthritis gemeint, die häufigste chronische Gelenkentzündung überhaupt. „Rheumatische Erkrankungen führen zu einschneidenden Veränderungen im Leben der Betroffenen“, sagt Physiotherapeutin Ute Merz. „Schmerzschübe, Bewegungsund Funktionseinschränkungen sowie Müdigkeit gehören meist zum Alltag.“ Viele denken, dass Rheuma lediglich ein Leiden für ältere Leute ist. Eine weit verbreitete, aber falsche Vorstellung. Denn eine rheumatoide Arthritis, das sogenannte entzündliche Gelenkrheuma, haben schon oft betroffene Erwachsene mittleren Alters. Und sogar Kinder und Jugendliche können daran erkranken.

Ausreichend Bewegung gegen den Schmerz

Ute Merz (© Deutscher Verband für Physiotherapie)

Ute Merz (© Deutscher Verband für Physiotherapie)

„Auch wenn es schmerzt und schwerfällt – nur mit ausreichend Bewegung kann der Krankheitsverlauf gestoppt beziehungsweise können Schmerzen gelindert werden“, so die Physiotherapeutin. „Bereits in sehr frühen Phasen merken die Betroffenen, dass die Schmerzen nachlassen, wenn sie ihre Gelenke erst einmal auf Trab gebracht haben.“ Eine wissenschaftliche Erklärung gibt es dafür nicht, es wird aber angenommen, dass Bewegung den Stoffwechsel in den Gelenken anregt und somit Entzündungsstoffe abgebaut werden. Darum ist es für Betroffene enorm wichtig, frühzeitig mit einer physiotherapeutischen Behandlung zu beginnen. Nicht jede Therapiemaßnahme (siehe Infobox „Physiotherapeutische Maßnahmen bei Gelenkerkrankungen“) ist für jeden Patienten gleichermaßen geeignet. So müssen beispielsweise akute Beschwerden anders behandelt werden als chronische. Ute Merz ergänzt: „Behandlungsziel ist immer, die Beweglichkeit der Gelenke zu verbessern, die Muskeln zu kräftigen oder bei Bedarf zu entspannen, Fehlstellungen vorzubeugen und Schmerzen zu lindern.“

Physiotherapeutische Maßnahmen bei Gelenkerkrankungen

© Deutscher Verband für Physiotherapie

© Deutscher Verband für Physiotherapie

Bewegungsübungen: Wirken schmerzlindernd, kräftigen und entspannen die Muskulatur. Spezielle Bewegungsübungen können zum Beispiel die Funktion der Fingergelenke und die Beweglichkeit der Hände für lange Zeit erhalten. Informieren Sie sich in Ihrer Physiotherapiepraxis nach den für Sie geeigneten Übungen.

Manuelletherapie: Gezielte Handgriffe lösen akute Gelenkblockaden und können die Beweglichkeit teilweise wiederherstellen.

Wärmetherapie: Regt den Stoffwechsel an, fördert die Durchblutung und entspannt die Muskeln. Sehr gut geeignet bei chronischen Beschwerden. Nicht geeignet für akute Rheumaschübe, da das Entzündungsgeschehen weiter „angeheizt“ werden kann.

Kältetherapie: Die direkte Kälteeinwirkung blockiert kurzfristig die
Schmerzbahnen auf der Oberfläche der Haut, schafft dadurch Erleichterung für den Betroffenen und ermöglicht ein sanftes Bewegen der schmerzhaften Gelenke.

Sie benötigen weitere Tipps, wie Sie sich „gesünder“ bewegen können oder Sie suchen einen Physiotherapeuten in Ihrer Nähe? Der Deutsche Verband für Physiotherapie (ZVK) e. V. bietet Ihnen dafür eine kostenfreie Telefon-Hotline an: 0800/1117444 (kostenlos aus dem deutschen Festnetz, Montag bis Freitag). Weiterführende Infos im Internet unter www.physio-deutschland.de.

Arthrose ist keine „Alte-Leute-Krankheit“

Während in Deutschland schätzungsweise 800.000 Menschen an rheumatoider Arthritis leiden, sollen es bei Arthrose gar rund fünf Millionen sein. Die Begriffe Arthritis und Arthrose werden manchmal verwechselt. Die Arthritis ist als Gelenksentzündung aber ein anderes Krankheitsbild als die Gelenkerkrankung Arthrose. Bei dieser nutzt sich der Knorpel, der für ein reibungsloses Funktionieren eines Gelenkes sorgt, immer mehr ab − bis im Endstadium schließlich Knochen auf Knochen reibt. Am häufigsten sind dabei Hände und Knie betroffen. Bei einer Arthrose können entzündliche Komponenten hinzutreten und somit daraus eine Arthritis entstehen. Arthrose (siehe auch www.sanitaetshaus-aktuell.info/arthrose) ist die weltweit häufigste aller Gelenkerkrankungen. Irgendwann sind die Abnutzungen so stark, dass jeder Schritt zur Qual und das Aufstehen zur Tortur wird sowie die Finger nichts mehr halten können. Die Ursachen sind vielfältig. Natürlich spielt auch das Alter eine Rolle: Im Laufe der Jahre baut sich der Knorpel durch den großen Druck, den er tagtäglich aushalten muss, immer mehr ab. Aber Arthrose ist längst keine typische „Alte-Leute-Krankheit” mehr! Auch Unfälle, mangelnde Bewegung, Fehlbelastungen oder Stoffwechselstörungen können das Leiden schon in jungen Jahren auslösen.

Wer rastet, der rostet!

Wenn man Schmerzen in den Knien hat, neigt man dazu, sich in eine Schonhaltung zu begeben: Am besten gar nicht bewegen, lieber gemütlich auf dem Sofa sitzen. Das ist eine allzu menschliche Reaktion, die das Problem aber leider verschlimmert. Doch welcher Sport ist geeignet? Betroffene sollten sich mit ihrem Arzt beraten, denn folgende Fragen müssen berücksichtigt werden: In welchem Stadium befindet sich die Arthrose? Wie hat sich das Röntgenbild in den vergangenen Jahren verändert? Wie schnell schreitet die Gelenkzerstörung voran? Wann treten Schmerzen auf – im Alltag, bei großer Belastung, bei Kälte? Mittels einer Untersuchung kann der Mediziner feststellen, welche Bewegungen der Patient problemlos ausführen kann beziehungsweise welche stark eingeschränkt sind oder schmerzen.

Osteoporose verändert den Knochen

Während die Arthrose die Knorpelstrukturen der Gelenke betrifft, geht es bei der Krankheit Osteoporose um die Knochen. Bei der Stoffwechselerkrankung kommt es zum Abbau von Knochenmasse, wodurch die Knochen an Stabilität verlieren und vermehrt Knochenbrüche auftreten können. Osteoporose (häufiger als Knochenschwund bekannt) tritt auch als Folgeerkrankung auf, allein 20 Prozent der Patienten mit rheumatoider Arthritis entwickeln später eine Osteoporose. Die schmerzhafte Krankheit betrifft überwiegend ältere Menschen und wird meist durch einen Hormonmangel in den Wechseljahren ausgelöst. Generell erkranken Frauen fünfmal häufiger als Männer. Experten schätzen, dass sich die Zahl der Erkrankten in den nächsten 40 Jahren verdoppeln wird. „In den meisten Fällen wird Osteoporose erst dann diagnostiziert, wenn bereits ein Knochen gebrochen ist“, sagt Roswitha Dietzel, Physiotherapeutin und Expertin für Osteoporose des Deutschen Verbandes für Physiotherapie (ZVK). Die Krankheit sollte so früh wie möglich erkannt und mit gezielten Maßnahmen (siehe Infobox „Osteoporose vorbeugen“) behandelt werden, um den fortschreitenden Knochenschwund zu stoppen“, so Dietzel weiter. Dazu gehört – genau wie bei Rheuma und Arthrose – allen voran die Bewegung. Sie bekämpft den Schmerz und löst Reize aus, die
den Knochenstoffwechsel anregen.

So können Sie Osteoporose vorbeugen

Kalziumreiche Ernährung: Nehmen Sie täglich 1000 mg Kalzium mit der Nahrung auf, denn der Körper kann diesen Knochenbaustein nicht selber bilden. Sehr kalziumreich sind Milchprodukte (fettarme Milch, Joghurt, Hartkäse), grünes Gemüse (Brokkoli) und Obst (Kiwi). Grundsätzlich gilt: Ältere Menschen brauchen weniger Kalorien, aber genauso viele Vitamine und Mineralstoffe wie früher.

Sonne und Vitamin D: Damit das Kalzium in die Knochen eingelagert werden kann, benötigt der Körper Vitamin D. Dieses wird mithilfe von
Sonnenlicht in der Haut gebildet. Vitamin D kann auch über  ahrungsmittel
wie Seefisch, Eier und Butter aufgenommen werden.

Regelmäßige Bewegung: Geeignet sind alle Trainingsarten, die den ganzen Körper fordern und gut tun, wie zum Beispiel Aqua Gymnastik, Nordic Walking, Yoga oder Fahrradfahren

Knochenräuber meiden: Vermeiden Sie Genussgifte wie Alkohol,
Nikotin und Koffein. Nikotin stört die Durchblutung der Knochen und
vermindert die Produktion der Geschlechtshormone sowie damit den
Aufbau von Knochenzellen. Keine Radikal-Diäten: Durch radikale Diäten wird der Knochenstoffwechsel gestört. Die Gefahr von Knochenbrüchen
steigt. Ältere Menschen sollten Untergewicht vermeiden.

© Deutscher Verband für Physiotherapie

© Deutscher Verband für Physiotherapie

Die Knochen werden wieder kräftiger und widerstandsfähiger. Jedoch nicht Auswirkung auf die Knochen. Sie müssen einer relativ intensiven Belastung ausgesetzt werden, damit die Zellen im Knochen aktiviert werden. Dafür ist ein ständiger Wechsel von Zug und Druck der Muskulatur auf den Knochen notwendig. Dementsprechend zählt Krafttraining zu einer der besten Trainingsmethoden in der Behandlung von Osteoporose. Es wirkt sich positiv auf die Knochendichte und auch auf die Körperhaltung aus. Um die Gefahr von Stürzen zu vermindern und den damit zusammenhängenden Knochenbrüchen vorzubeugen, sollte ergänzend ein Koordinationstraining durchgeführt werden. Ziel ist es hierbei, vor allem die Gleichgewichtsfähigkeit und das Reaktionsvermögen zu verbessern. Eine gute Möglichkeit, dies mit Spaß und Freude zu trainieren, ist das Tanzen. Bewegungen während des Tanzens sind sehr dynamisch und wirken sich positiv auf die Knochenstruktur aus.

Mit der steigenden Lebenserwartung unserer Gesellschaft häufen sich auch Krankheiten, wie Arthrose, Osteoporose oder Rheuma. Doch das ist kein Grund zur Panik. Werden diese Erkrankungen früh erkannt und richtig behandelt, kann ihr Verlauf abgemildert und somit die Folgen für den Patienten verringert und ein gutes Leben bis ins hohe Alter ermöglicht werden. Mit der richtigen Dosis an Bewegung kann diesen Krankheiten sogar effektiv ein Riegel vorgeschoben werden.

Tipps für ein gutes Leben trotz Rheuma und Arthrose

Auch wenn es schwerfällt: Bewegung ist das wirksamste Mittel, um Gelenkversteifungen zu verhindern. Ideal sind dabei gelenkschonende Sportarten wie Radfahren, Schwimmen, Aquagymnastik oder Walking. Sanfte, fließende Bewegungen sind für Menschen mit Gelenkproblemen besser geeignet als abrupte Bewegungen und Drehbewegungen.

Unternehmen Sie regelmäßige Spaziergänge auf sicheren Wegen. Stützen Sie Ihre Gelenke eventuell mit einem Stock, denn damit gehen Sie entspannter und vermeiden Verkrampfungen der Muskulatur. Außerdem entlasten Gehhilfen die Gelenke, weil sie einen Teil des Gewichts tragen.

Oftmals lassen sich Schmerzen durch regelmäßige physiotherapeutische Übungen lindern. Die Belastung sollte sich bei Beschwerdefreiheit im Laufe der Therapie langsam steigern.

Es gibt viele Hilfsmittel, die den Alltag erleichtern können, wie ergonomisch geformte Griffhilfen oder Stühle, Schaumstoff zum Aufstecken für Stifte und Besteck oder auch Knopfschließer oder Reißverschluss-Hilfen. Spezielle Schienen oder Orthesen aus den Sanitätshäusern entlasten und unterstützen die betroffenen Gelenke.

Schränken Sie den Verzehr von säurebildenden Lebensmitteln wie tierische Fette, Zucker oder Kaffee ein.

Verzichten Sie auf das Rauchen, denn Rauchen erhöht laut Studien das Risiko für bestimmte rheumatische Erkrankungen um das 13-fache.

Unterschätzen Sie den Faktor Stress nicht. Sorgen Sie dafür, dass Sie in den Alltag tägliche Ruhephasen einbauen. Und nehmen Sie ruhig die Hilfe anderer in Anspruch. Lassen Sie sich Getränke liefern oder nehmen Sie jemanden mit in den Supermarkt, der die Einkäufe für Sie trägt.

Nützliche Internet -Adressen:

Bundesverband Skoliose Selbsthilfe e.V.: www.bundesverband-skoliose.de

Deutsche Arthrose-Hilfe e.V.: www.arthrose.de

Deutsche Rheuma-Liga: www.rheuma-liga.de

Deutscher Verband für Physiotherapie e.V.: www.physio-deutschland.de

Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband e.V.: www.osd-ev.org/osd