Ausgabe 03 / 2015, Die Aktuelle, Ratgeber, Rehabilitationstechnik, Sanitätshausbedarf, Versorgung / Pflege
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Ursachen, Prävention und Therapie der Volkskrankheit Schlaganfall

Herausforderung Schlaganfall

Der Schlaganfall ist die dritthäufigste Todesursache nach Krebs- und Herzerkrankungen. Rund 270.000 Menschen sind in Deutschland jedes Jahr davon betroffen. Wenn der Ernstfall eintritt, heißt die Devise „Jede Sekunde zählt“. SANITÄTSHAUS AKTUELL hat sich für Sie umgehört und berichtet, welche Maßnahmen bei einem Schlaganfall zurück ins Leben helfen und wie man das Schlaganfall-Risiko vermindern kann.

Text: Christian Sujata

© Regina und Roland Spank

© Regina und Roland Spank

Ich glaub, mich trifft der Schlag… – im losen Zusammenhang schnell daher gesagte Worte, die vermutlich jeder kennt. Doch für manche Menschen wird der Ausspruch bittere Realität. Starke Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Koordinationsstörungen beim Gehen, ein herabhängender Mundwinkel oder ein Taubheitsgefühl in Armen und Beinen – die Symptome eines Schlaganfalls überfallen die Betroffenen meist aus heiterem Himmel. „Das erste, was mir auffiel war, dass mein Mann Roland bei Spaziergängen alle halbe Stunde stehen bleiben musste, weil er plötzlich nicht mehr konnte und ihm schwindelig wurde“, sagt Regina Spank, die zusammen mit ihrem Mann Roland Spank ein Planungsbüro im hessischen Modautal-Brandau führt, das auf die Planung, Organisation und Ausführung maßgeschneiderter Baukonzepte spezialisiert ist.

Der FAST-Test FAST steht für:

Face (Gesicht): Die betroffene Person soll lächeln. Ist das Gesicht dabei einseitig verzogen?
Arms (Arme): Die Person soll gleichzeitig beide Arme nach vorne strecken und die Handflächen nach oben drehen.
Macht nur ein Arm die Bewegungen mit?
Speech (Sprache): Die Person soll einen einfachen Satz nachsprechen.Kann sie ihn nicht richtig wiedergeben, klingt die Stimme verwaschen?
Time (Zeit): Jetzt zählt jede Minute! Hat die Person bei einem oder mehreren der Punkte Probleme, könnte es sich um einen Schlaganfall handeln. Rufen Sie umgehend den Notarzt!
Während Männer in der Regel unter den „klassischen“ Symptomen, wie Lähmungen und Sehstörungen leiden, klagen Frauen häufiger über Übelkeit, Schwindel sowie Kopf- und Gliederschmerzen. Zu diesen eher unspezifischen Symptomen kommen manchmal Atem- und Schluckbeschwerden sowie Schmerzen in der Brust hinzu. Wichtig: Wer bei sich selbst oder bei anderen Symptome eines Schlaganfalls bemerkt, muss sofort über die Notrufnummer 112 den Notarzt verständigen. Jede Minute zählt!

Schlaganfall-Schnelltest dauert nur wenige Sekunden

Während eines Urlaubs im bayrischen Oberstdorf, wo das Ehepaar Spank vor einigen Jahren mit dem Reisemobil unterwegs war, stellte Regina Spank bei ihrem Mann mehrere ungewöhnliche Symptome fest, ohne diese gleich zuordnen zu können: „Bei einem Gespräch mit einer anderen Urlauberin konnte er plötzlich das ‚s‘ und ‚sch‘ nicht mehr richtig wiedergeben und ich sah, wie eine Gesichtshälfte leicht herunterhing.“ Mit einem einfachen Test hätten die Spanks bereits zu diesem Zeitpunkt feststellen können, dass es sich um einen Schlaganfall handelt. Mit dem sogenannten FAST-Test lassen sich die wichtigsten Anzeichen innerhalb von Sekunden überprüfen. „Ich war damals überarbeitet und bekam Beruhigungstabletten verschrieben, weshalb wir die Symptome zunächst auf die Nebenwirkungen geschoben haben“, so Roland Spank. „Zumal sich die Situation nach kurzer Zeit weitestgehend wieder normalisiert hat.“

Wettlauf mit der Zeit

Ein Schlaganfall resultiert aus einer Durchblutungsstörung des Gehirns. Er entsteht, wenn hirnversorgende Blutgefäße (Arterien) verstopft sind oder platzen. Durch die daraus folgende Minderversorgung der Gehirnzellen mit Sauerstoff und Nährstoffen können wichtige Funktionen des Gehirns unvermittelt („schlagartig“) ausfallen, Zellen beginnen abzusterben. Entscheidend für das Überleben der Hirnzellen bei einem akuten Schlaganfall ist das schnelle Aufsuchen einer Stroke Unit (eine spezielle Organisationseinheit innerhalb eines Krankenhauses zur Erstbehandlung von Schlaganfallpatienten, Anm. d. Red.), die auf die Versorgung von Schlaganfall-Patienten spezialisiert ist. „Je schneller Patienten behandelt werden, desto eher können bleibende Schäden vermieden werden“, erklärt Dr. Alexander Oberhuber, leitender Oberarzt an der Klinik für Gefäß- und Endovaskularchirurgie am Universitätsklinikum Düsseldorf. Alle Maßnahmen zur Verbesserung des Zustandes entfalten innerhalb der ersten drei Stunden ihre größte Wirkung.

Vom Hausarzt zur Stroke Unit

Auf der Website der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft finden Sie eine Übersicht über alle Kliniken mit zertifizierter STROKE UNIT: www.dsg-info.de

Regina Spank wusste nicht, dass es sich bei ihrem Mann um einen akuten Schlaganfall handelt. Erst am nächsten Tag und nach der Rückreise in die mehrere hundert Kilometer entfernte Heimat, suchten sie einen Arzt auf. Dem Fachmann war schnell klar, dass es um einen Schlaganfall geht. Er schickte die beiden umgehend in die Stroke Unit der naheliegenden Darmstädter Klinik. „Dort kam mein Mann dann direkt an einen Tropf “, berichtet Regina Spank. „Bei der Untersuchung wurde festgestellt, dass durch die Verengung von Rolands Halsschlagader das Gehirn nicht genug Sauerstoff erhielt, was zu mehreren kleinen Schlaganfällen führte. Zwei Tage später wurde er operiert.“ Ein Schlaganfall bleibt selten folgenlos Die Folgen eines Schlaganfalls sind laut der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe alarmierend: Rund 20 Prozent der Schlaganfall-Patienten sterben innerhalb von wenigen Wochen, über 37 Prozent innerhalb eines Jahres. Rund die Hälfte der überlebenden Schlaganfall-Patienten bleibt dauerhaft behindert und ist auf fremde Hilfe angewiesen. Obwohl die schnelle Versorgung das A und O ist, um die schlimmsten Folgen zu vermeiden, hatte Roland Spank Glück im Unglück. Direkt nach der Operation konnte der studierte Diplom-Ingenieur wieder völlig normal und schnell sprechen. „Ich hatte allerdings große Konzentrationsschwierigkeiten und Probleme mit dem Bewegungsapparat, insbesondere in der linken Hand“, sagt er.

Zurück in den Alltag

Nach einem Schlaganfall hat das Gehirn bestimmte Vorgänge vergessen. Bewegungen müssen deshalb kontinuierlich neu geübt werden, damit Gehirn und Muskeln die Abläufe wieder erlernen können. Es ist wichtig, schon in der Klinik mit begleitenden Maßnahmen wie Krankengymnastik zu beginnen, denn so finden die Patienten schnell zurück in den Alltag. Dazu gehören Übungen zur Verbesserung des Gleichgewichts und eine Laufbandtherapie zum Wiedererlernen des Gehens. „Für den Behandlungserfolg ist es wichtig, dass der Patient seine Übungseinheiten auch zu Hause fortsetzt“, erklärt Physiotherapeut Eckhardt Böhle vom Deutschen Verband für Physiotherapie  (ZVK). „Nur so haben Betroffene die Chance, nach dem Schlaganfall wieder selbstständig leben zu können.“ Neben Physiotherapeuten arbeiten Schlaganfallpatienten häufig auch mit Ergotherapeuten, Neuropsychologen und Logopäden zusammen.

Feinmotorik Schritt für Schritt wieder verbessern

© Regina und Roland Spank

© Regina und Roland Spank

Roland Spank hat für sich noch einen ganz besonderen Weg gefunden. Dieser führte ihn zielsicher in seine Garage. „Ich bin nicht der Typ, der gerne zu Therapeuten geht“, so der 62-jährige. „Ich habe mich zurückgezogen und bin meinem liebsten Hobby nachgegangen, Oldtimer zu restaurieren.“ Seine Frau Regina hat ihm während dieser Zeit den Rücken freigehalten und von allem abgeschirmt, indem sie sich alleine um das gemeinsame Geschäft kümmerte. „Am Anfang fiel mir das Schrauben noch sehr schwer, besonders mit der linken Hand“, berichtet Roland Spank. „Aber ich habe mich Stück für Stück dazu gezwungen, immer mehr die linke Hand einzusetzen, um so die Feinmotorik wieder herzustellen.“ Seine Frau ergänzt: „Es hat bestimmt rund ein Jahr gedauert, bis er körperlich und auch von der Konzentrationsfähigkeit her wieder wie vor dem Schlaganfall war.“

Glück im Unglück

Heute lassen die Spanks es beruflich bewusst ruhiger angehen und kümmern sich nur noch um Projekte, die ein entspanntes Miteinander ermöglichen. „Mit den Kenntnissen von heute, würde ich die Warnsignale viel früher beachten und umgehend in eine Klinik fahren“, so Regina Spank. „Ich bin froh, dass wir Glück im Unglück hatten und mein Mann trotz allem keine langfristigen Folgen davon getragen hat.“