Ausgabe 02 / 2015, Ratgeber, Sanitätshausbedarf
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Blick hinter die Kulissen Teil 2: sani team

Den sani team Experten über die Schulter geschaut

© iStock/DragosCondrea

Das Sanitätshaus war einst ein versteckter Ort. Wer hierher kam, hatte ein „Problem“ und das sollte niemand erfahren. Seitdem hat sich viel gewandelt. Die SANITÄTSHAUS AKTUELL blickt für Sie hinter die Kulissen

Text: Jana Pajonk

Früher gab es nur Sanitätshäuser, die hinten eine orthopädische Werkstatt hatten, erzählt mir Petra Menkel, Geschäftsführerin des Sanitätshauses Paul Schulze in Berlin-Kreuzberg, die ich an einem Dienstagmorgen in ihrem Laden treffe. „In den 1930er Jahren verkaufte Ehefrau Dora Schulze Bandagen im Ladengeschäft, während ihr Mann Paul in der Werkstatt Holzbeine schnitzte – wie in den meisten Sanitätshäusern dieser Zeit.“ Vieles hat sich in den letzten Jahrzehnten geändert, das Angebot ist enorm gewachsen. Die Sanitätshaus Paul Schulze GmbH hat sich der Sanitätshaus Aktuell AG angeschlossen, in der rund 480 Unternehmen in ganz Deutschland organisiert sind. Alle Mitglieder nutzen so gemeinsam die Vorteile eines Großunternehmens, ohne ihre Eigenständigkeit einzubüßen. Weil es so viele Hilfsmittel und Dienstleistungen gibt, ist die Zusammenarbeit in vier Bereichen, sogenannten „teams“, organisiert. Es gibt das sani team, das care team, das ortho team und das reha team.

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© Paul Schulze Orthopädie & Bandagen GmbH

Das sani team – Fachkundige Beratung für alle

Zum sani team zählen Sanitätshäuser bzw. Kollegen und Bereiche von Sanitätshäusern, die klassische Sanitätshausartikel verkaufen. Dazu gehören Hilfsmittel wie Bandagen, Kompressionsstrümpfe oder Krankenpflegeartikel, moderne Technik wie Blutdruckmessgeräte oder Körperwaagen, Gesundheitswäsche und spezielle Schuhe – sowie eine fachkundige Beratung zum Einsatz all dieser Hilfsmittel.

„Die Bandage wird schick“

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© Jana Pajonk

„Das Angebot heute ist unglaublich vielfältig“, sagt Petra Menkel. Ein Blick auf die Bandagen bestätigt das: Es gibt unzählige Arten und Formen – freiverkäufliche, prophylaktische und medizinische auf Rezept. „Noch vor 20 Jahren waren die alle hässlich“, berichtet Petra Menkel. „Heute übertreffen sich die Hersteller mit Mustern, Farben und Formen. Die Bandage wird schick“, lacht die große schlanke Frau. Diesen Trend spüre sie bei allen Hilfsmitteln, weil die Menschen, die sie nutzen, offener damit umgehen.

Laufen wie die Massai-Krieger

In dem großen Angebot fallen mir ein Paar Schuhe auf, deren Sohle rund nach unten gewölbt ist. „Das sind unsere MBT-Schuhe, das bedeutet: Massai-Barfußtechnik“, erklärt mir die Geschäftsführerin. Ein Wissenschaftler hat sie entwickelt, nachdem er in Ostafrika Massai-Krieger beim Laufen langer Strecken beobachtet hatte und feststellte, dass sie sich dabei kaum erschöpfen. Er fand heraus, dass sie eine Gehtechnik haben, bei der sie ihren Schwerpunkt konstant halten. Die weiche, runde Sohle des MBT-Schuhs zwingt dazu, sich beim Laufen ständig auszugleichen und beim Stehen aktiv zu sein. Neben anderen Spezialschuhen entdecke ich im Bereich Fußgesundheit Einlagen, Massagebälle und einen Fußscanner. „Damit führen unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine Fußdiagnostik durch, die dabei hilft, die passenden Hilfsmittel zu bestimmen“, erfahre ich.

Fachkräfte im Einsatz

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© Jana Pajonk

„In unserem sani team hier in Kreuzberg arbeiten Orthopädietechniker, Einzelhandelskaufleute im Gesundheitswesen und Sanitätsfachverkäuferinnen“, sagt die Geschäftsführerin. „Die Buchhaltung und die Abrechnungen mit den Kassen, das machen Kaufleute im Gesundheitswesen hinten im Büro.“ Menkel ist Bandagistenmeisterin und seit 25 Jahren im Sanitätshaus Paul Schulze tätig. Ihren Beruf kann man heute nicht mehr erlernen. Seit 2014 werden Orthopädietechniker mit unterschiedlichen Schwerpunkten ausgebildet.

Austausch und Weiterbildung

In der Sanitätshaus Aktuell AG gibt es Erfahrungsgruppen, in denen sani teams sich austauschen. „In unserer Gruppe sind Sanitätshäuser aus Flensburg, Pfaffenhofen, Leipzig und Arhus“, erzählt Petra Menkel. „Durch die geografische Entfernung sind wir keine Konkurrenten“, freut sich die Geschäftsführerin. Auch die Weiterbildungsangebote nutzen Menkel und ihre Angestellten gern. „Von Rhetorik über Fachkurse zu Kompressionen bis hin zu Workshops, in denen Geschäftsprozesse optimiert werden, ist alles dabei.“ Ergänzend fügt sie hinzu: „Wir treffen uns zwei- bis dreimal im Jahr, beraten uns zu Stellenausschreibungen, werten gemeinsam unsere Umsätze aus und wenn einer eine Werbeidee hat, erfahren es die anderen auch. Die bunte Welt der Sanitätshäuser! Ich bin beeindruckt, was ich bei meinem Besuch beim sani team in der Wiener Straße alles erfahren habe.

 

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