Ausgabe 03 / 2017, Die Aktuelle, Orthopädietechnik, Ratgeber, Rehabilitationstechnik
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Rollstuhltanz mit Schwung und Leidenschaft

Melanie Kola hat ein spannendes Hobby: Rollstuhltanz. In diesem Jahr holte sie bei der Breitensport-Trophäe des Tanzsportverbandes Schleswig-Holstein e.V. ihren ersten Siegerpokal. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin hat die Turniertänzerin besucht.

Text: Silke Bromm-Krieger

ChaChaCha. Melanie Kola schwingt mit ihrem Rollstuhl nach rechts, dreht sich nach links, ihr Oberkörper nimmt den Rhythmus auf. Sie reicht Tanzpartnerin Dr. Frauke Pape die Hand, gemeinsam drehen sie sich elegant im Kreis und kommen synchron zum Stehen. Es sind sehr abwechslungsreiche Figurenfolgen, die die beiden gerade für ihr nächstes Turnier einstudieren. Seit zwei Jahren sind sie im Kombitanzen aktiv. Dies ist eine Variante des Rollstuhltanzes, bei der ein Rollstuhlfahrer und ein Fußgänger zusammen tanzen. Ihre sportliche Heimat haben die begeisterten Kombitänzerinnen in Norddeutschlands größtem Tanzsportverein „Tanzen in Kiel.“ Hier entstand in Kooperation mit dem Tanzsportverband Schleswig-Holstein die Idee, erstmalig bei einer Breitensport-Trophäe die Rollstuhlabteilung einzubinden. Die diesjährige Premiere im Mai wurde zum stimmungsvollen und stark applaudierten Event. „Wir gewannen die Wettbewerbe Rollstuhl-Langsamer Walzer, Tango und Samba sowie Rollstuhl-Discofox“, erzählt Melanie Kola stolz. Die 32-jährige lebt seit ihrer Geburt mit einer doppelten  querschnittslähmung. Die körperliche Einschränkung ist ein Teil ihres Lebens, die sie nicht davon abhält, ihr Können unter Beweis zu stellen.

Erfolge motivieren

© Franziska Forgbert

© Franziska Forgbert

„Die Erfolgserlebnisse beim Tanzen sind eine große Motivation für mich. Sie wecken meinen Ehrgeiz. Ich will zeigen, was ich als Rollifahrerin alles kann“, meint sie selbstbewusst. Schon als Kind habe sie getanzt, es aber später durch den Schulbesuch aus den Augen verloren. Seit vier Jahren tanzt sie nun wieder in der Gruppe „Dancing wheels and steps“. Hierfür nutzt die Hobbytanzsportlerin nicht den Alltagsrolli, sondern eine Spezialanfertigung ihres Sanitätshauses, die schneller und wendiger ist. „Mein Tanzrolli hat einen Sitz, in dem ich einen besonders guten Halt habe, der Rädersturz ist höher, es gibt hinten ein Stützrad sowie eine spezielle Bereifung“, erklärt sie. Die Lenkräder an den Reifen sind extra darauf ausgerichtet, dass Melanie Kola die Tanzbewegungen und -figuren präzise ausführen kann. Hierfür muss sie den Rolli perfekt beherrschen, denn er stoppt beim Bremsen normalerweise nicht sofort, sondern rollt noch etwas nach. Einmal in der Woche fährt die junge Frau zum Training. Vor einer Wettbewerbsteilnahme absolviert sie zusätzliche Einzelstunden und Übungseinheiten. Diese Mühen nimmt sie gern in Kauf. „Tanzen bedeutet mir alles! Es ist mein Leben und meine Leidenschaft. Ich kann mir kein schöneres Hobby vorstellen“, schwärmt sie und setzt hinzu: „Es tut meiner Gesundheit und meiner Seele gut und sorgt für ein tolles Lebensgefühl.“

Mobilität erweitert

Ein weiterer positiver Nebeneffekt: Durch das Tanzen hat sie zusätzliche Muskelmasse aufgebaut und so ihre Mobilität im Oberkörper- sowie Rumpfbereich erweitern können. Das kommt nicht nur dem Tanzen zugute. Deshalb will sie das Rollstuhltanzen bekannter machen. „Der Sport ist so vielfältig, ob in einer Gruppe, als Paar oder in Formation. Körper und Geist werden gefordert und es bringt viel Spaß“, ermuntert sie auch andere Menschen mit oder ohne Behinderung, es einmal selbst auszuprobieren.