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gelesen: Pas de deux

Philippe Djian – Pas de deux

Der Musiklehrer Henri-John fühlt sich in seiner Haut ganz wohl, obwohl sein Leben seit einigen Jahren recht eintönig verläuft. Sein Beruf ist nur ein Job zum Geldverdienen, seine Beziehung zu seiner Frau Edith, einer erfolgreichen Schriftstellerin, ist so gemütlich wie wärmende Filzpantoffeln – und ebenso aufregend. Seine Kollegin Hélène versucht diese Ruhe zu stören, indem sie ihn anflirtet. Henri-John ignoriert ihre Bemühungen zunächst, da eine Affäre unnötig viel Tatkraft erfordern würde. Als aber Edith für zwei Wochen in Japan auf einer Lesereise ist, lässt er sich verführen. Als Edith zurückkommt, hat sie ein Stück ihres neuesten Romanmanuskriptes mitgebracht, das in Stil und Inhalt von ihren vorherigen Arbeiten abweicht. Sie zeigt es voller Stolz ihrem Mann. Henri-John, der ihr Werk sonst sehr bewundert, ist schockiert, denn er sieht in Ediths Stilwandel eine Anbiederung an die Literaturschickeria. Er sagt ihr offen seine Meinung, was Edith tief verletzt. Nach ein paar Tagen eisigen Schweigens hält Henri-John es nicht mehr aus und will eine Aussprache. Da haut ihm Edith in einem lapidaren Satz zwei Neuigkeiten um die Ohren: Erstens, sie weiß von seinem Seitensprung; zweitens, sie wird ihn verlassen. Henri-John ist am Boden zerstört, aber er gibt nicht so schnell auf… Ein Buch, das langsam anläuft wie ein Jim-Jarmusch-Film und sich steigert wie der Bolero von Ravel.

Der süffisante Roman „Pas de deux“ von Philippe Djian stammt aus dem Jahre 1991 und wurde nun bei Diogenes (448 Seiten l 13,00 Euro) neu aufgelegt.