Ausgabe 04 / 2016, Die Aktuelle, Ratgeber, Rehabilitationstechnik, Sanitätshausbedarf
Schreibe einen Kommentar

Interview mit mit Christian Eidam von KAPHINGST®.

„Die Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum wird in den nächsten Jahren stark ansteigen“

Wenn es um den barrierefreien Umbau in den eigenen vier Wänden oder Hilfsmittel für
Menschen mit Handicap geht, sind Sanitätshäuser meist der erste Ansprechpartner.
Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin sprach darüber mit Christian Eidam, dem Fachbereichsleiter für Pflegehilfsmittel in der Unternehmensgruppe KAPHINGST®.

Interview: Christian Sujata

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Für ältere oder pflegebedürftige Menschen kann das Wohnen in den eigenen vier Wänden zum Problem werden. Doch aufgrund immer weiter entwickelter Hilfsmittel und innovativer Lösungen muss dies heute gar nicht mehr so sein. Welche Hilfsmittel aus dem Sanitätshaus sind in diesem Zusammenhang relevant?

Christian Eidam: Am häufigsten werden Hilfsmittel für das Bad angefragt. Toilettensitzerhöhungen, Badewannenlifter, Haltegriffe und Duschsitze. Des Weiteren
Hilfsmittel, die eine selbstbestimmte Körperhygiene erleichtern sowie einfache Helfer,
wie Strumpfanziehhilfen, Greifzangen und spezielle Haarbürsten.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Für Rollstuhlfahrer spielt Barrierefreiheit eine besonders wichtige Rolle. Welche Hilfsmittel kommen da zum Einsatz?

Christian Eidam: Hier spielen Rampen, Türschwellenbrücken und gegebenenfalls Plattformlifte eine große Rolle. Auch Rutschbretter und andere Transferhilfen werden sehr häufig benötigt. Für Rollstuhlfahrer ist es aber auch wichtig, druckentlastend zu sitzen. Hier kommen Positionierungskissen und Anti-Dekubitus-Sitzkissen zum Einsatz. Automatische Türöffnungssysteme sind ebenfalls ein Thema.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Welches Feedback bekommen Sie von Ihren Kunden für die Hilfsmittel?

Christian Eidam: Jeder hat den Anspruch, sein Leben solange wie möglich selbstbestimmt führen zu dürfen. Pflegebedürftige und deren Angehörige berichten uns immer wieder darüber, wie sich deren Lebensqualität mit dem Einsatz von Hilfsmitteln, die ihnen Barrierefreiheit verschaffen, verbessert hat.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wenn ein Kunde von Ihnen ein Bad barrierefrei umbauen lassen möchte, wie läuft das?

Christian Eidam: Im Rahmen einer Hausberatung stellen wir zunächst den Hilfsmittelbedarf fest. Hierbei geben wir bereits Tipps, worauf im Rahmen eines Badumbaus geachtet werden sollte. Etwa, wie groß die befahrbare Dusche für einen Duschrollstuhl sein sollte. Oder wo und welche Haltegriffe montiert werden müssen, um die Selbstständigkeit zu gewährleisten. Die anschließenden Umbauten werden ausschließlich von den Sanitär-Fachbetrieben vorgenommen,
wobei wir diesen Prozess gerne beratend unterstützen.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Spielen auch „mobile Notrufsysteme“ eine Rolle?

Christian Eidam: Für die hausinterne Situation bieten wir Hausnotrufsysteme an, welche über Funk miteinander verbunden sind. Die Mehrheit unserer Kunden schließt Verträge mit den Johannitern oder dem DRK ab, wenn extern jemand im Notfall kontaktiert werden soll. Aber ganz gleich, für welches System sich unsere Kunden oder deren Angehörigen entscheiden, profitieren sie in jedem Fall von dem Gefühl der Sicherheit.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Sind für einen barrierefreien Umbau finanzielle Zuschüsse möglich?

Christian Eidam: Ja, für den barrierefreien Umbau gibt es Zuschüsse in Höhe von bis zu 4.000,- Euro von der Pflegekasse. Dieser muss vor Beginn der Baumaßnahme beantragt werden. In einigen Fällen ist es zudem möglich, einen Zuschuss über die KFW-Bank zu erhalten.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wagen Sie doch mal einen Ausblick in die weitere Entwicklung der Barrierefreiheit.

Christian Eidam: Da wir alle immer älter werden und möglichst lange im eigenen Heim bleiben wollen, ist es ratsam, bei Sanierungsarbeiten oder Neubauten diesbezüglich vorzuplanen. Die Nachfrage nach barrierefreiem Wohnraum wird deshalb in den nächsten Jahren stark ansteigen. Hier sind nicht nur Sanitätshäuser, sondern auch Architekten und Installateure gefragt, die den
Hausbauer entsprechend beraten.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Vielen Dank für das Gespräch!