Seyit Özmen

Recht schnell nach Seyits Geburt vor acht Jahren diagnostizierten die Ärzte eine Athetose. Bei diesem Krankheitsbild fällt die Koordination und Kontrolle aller Muskelgruppen sehr schwer. Zusätzlich gibt es kontinuierlich viele unwillkürliche Bewegungen der Glieder und Muskeln. Essen, Sprechen, Laufen – was für uns normal ist, wird von Kindern mit Atheose oft gar nicht gelernt oder muss mühsam und über viele Jahre geübt werden. Wir trafen uns mit Seyit und seiner Mutter im Tierpark und staunten, wie selbstständig er viele Dinge bewältigte.

Frau Özmen, Seyit kann fast alleine essen, er kann mit Hilfe sogar eine Weile stehen. Das ist nicht selbstverständlich für ein Kind mit Athetose.
Özlem Özmen:
Ja, auch für uns ist es immer wieder eine Freude zu sehen, wie gut Seyit sich entwickelt. Vor zwei Jahren konnte Seyit sich noch nicht alleine fortbewegen, heute krabbelt er zuhause allein durch die Wohnung, da brauchen wir den Rolli nicht mehr. Diese Entwicklung haben wir einer besonderen Therapie zu verdanken. Sie nennt sich die „Doman Therapie“ nach Glenn Doman. Seyit und ich fliegen jedes Jahr für ein paar Tage nach Philadelphia in das Doman-Institut. Leider gibt es diese Therapie noch nicht in Europa.

Worin besteht denn diese Therapie?
Özlem Özmen:
 Seyits körperlichen Fähigkeiten werden genau analysiert. Es wird zum Beispiel festgestellt, welche Muskelgruppen durch besondere manuelle Impulse aktiviert werden können. Dann wird für Seyit ein sechsmonatiges Trainingsprogramm erstellt, welches ich zuhause mit ihm durchführe. Wir trainieren täglich rund zwei Stunden zusammen. Ich merke, wie Seyit eine viel bessere Kontrolle über die einzelnen Bereiche seines Körpers bekommt.

Es ist bewundernswert, wie intensiv Sie sich um Seyit kümmern. Woher nehmen Sie die Kraft dazu?
Özlem Özmen:
Ich arbeite nicht. So habe ich wirklich Zeit für meinen Sohn. Er strahlt so eine Freude und Zuversicht aus. Oft macht er humorvolle Bemerkungen über seine Krankheit. Wenn er nicht so ein fröhliches und lebenslustiges Kind wäre, würde es mir sicher schwerer fallen. Wir haben auch das Glück, eine normale Grundschule gefunden zu haben, die Seyit gut unterstützt. Er hat dort zum Schreiben einen Computer mit einer besonders großen Tastatur bekommen. Die Bemühungen vieler Menschen in Seyits Umgebung hilft mir ebenfalls  sehr.

Seyit, Du bist mit Deiner Mama viel unterwegs. Was war denn bisher Deine schönste Reise?
Seyit:
Am liebsten fliege ich zu Oma und Opa nach Kurdistan. Aber letztes Mal habe ich Schießereien aus der Großstadt gehört. Und es sind auch schon gepanzerte Einheiten durch das Dorf gefahren. Trotzdem freue ich mich, wenn wir wieder zu ihnen fliegen.

Mehr über die Doman-Therapie erfahren Sie im Buch von Glenn Doman, „Was können Sie für Ihr hirnverletztes Kind tun?“ (Hyperion Verlag, 2001, 335 Seiten) und auf der Website http://www.dashirnverletztekind.de.