Prof. Dr. Markus Stücker

Mediziner Professor Dr. Markus Stücker im Gespräch

Kompressionstherapie als bewährte Behandlungsmethode bei der Volkskrankheit Lymphödem

Prof. Dr. Markus Stücker in der SANITÄTSHAUS AKTUELLProfessor Dr. med Markus Stücker (48) ist seit 1996 als Oberarzt und seit 2005 als Leiter des interdisziplinären Venenzentrums der Ruhr-Universität Bochum tätig. Mit dem Venenzentrum schlägt er die Brücke von der wissenschaftlichen Forschung und Lehre im Bereich der Phlebologie (medizinisches Fachgebiet, das sich mit der Erkennung und Behandlung von Gefäßerkrankungen befasst, Anm. d. Red.) zur therapeutischen Praxis. SANITÄTSHAUS AKTUELL sprach mit dem Mediziner über das Krankheitsbild Lymphödem und die erfolgreiche Behandlung mit Kompressionen.

 

Herr Prof. Dr. Stücker, welchen Anteil macht bei Ihnen im Venenzentrum das Krankheitsbild Lymphödem aus?

Die Lymphödeme sind deutlich seltener als die Venenleiden und führen ein stiefmütterliches Dasein. Das liegt unter anderem daran, dass häufig pro Hausarztpraxis nur ein Patient mit Lymphödem vorkommt. Das führt dazu, dass es für den einzelnen Arzt schwierig ist Erfahrungen mit diesem Krankheitsbild zu sammeln. Für uns war von Anfang an klar, dass wir – wenn wir schon ein Venenzentrum haben – alles behandeln und diagnostizieren werden, was zu Beinschwellungen führen kann. So kam es, dass wir auch Lymphödeme von Anfang an in unserem Zentrum behandelt haben.

Falls es zu einem Lymphödem kommt, welche Therapie setzen Sie ein?

Man unterscheidet zwischen einer Entstauungs- und einer Erhaltungsphase. In der Entstauungsphase geht es darum das Wasser aus dem Bein herauszubekommen. In aller Regel mithilfe einer manuellen Lymphdrainage sowie Kompressionsverbänden, dazu Bewegungstherapie und Hautpflege. Letzteres auch, damit die Haut nicht durch die Verbände strapaziert wird. Ist das Wasser aus den Beinen heraus, beginnt die Erhaltungsphase. Es wird das Tragen von Kompressionsstrümpfen verordnet. In aller Regel handelt es sich dabei um flachgestrickte Modelle, die über eine hohe „Stiffness“ (geringe Nachgiebigkeit, Anm. d. Red.) verfügen.

Worin unterscheiden sich Kompressionsstrümpfe von Kompressionsverbänden?

Der Kompressionsstrumpf ist wesentlich komfortabler und behält auf Dauer einen besseren Druck als ein Kompressionsverband. Wenn das Bein allerdings noch sehr dick ist, sind Kompressionsverbände die richtige Wahl, um das Wasser aus dem Bein zu schwemmen. Das Bein verändert sich in dieser Zeit noch von Tag zu Tag und es wäre schlicht unmöglich dafür jeden Tag einen neuen Kompressionsstrumpf anzufertigen. In der Erhaltungsphase ist es dann sinnvoll zu Kompressionsstrümpfen zu wechseln.

Was sollten die Patienten bei der Auswahl von Kompressionsstrümpfen im Sanitätshaus beachten?

Wichtig ist zum einen, dass flachgestrickte und nicht rundgestrickte Kompressionsstrümpfe verwendet werden, weil diese perfekt an die Anatomie angepasst werden können und nicht so leicht dazu neigen Schnürfurchen zu verursachen. Außerdem muss man die Ausprägung und den Schwerpunkt des Lymphödems berücksichtigen. Bei Patienten, die Probleme mit geschwollenen Zehen haben, werden Zehenkappen verwendet, um das Schwellen der Zehen zu verhindern. Bei vielen ist es notwendig, Kompressionsstrümpfe, die bis zur Leiste gehen, oder sogar eine Strumpfhose zu verordnen.

Wie verläuft die Zusammenarbeit mit dem Sanitätsfachhandel?

Wir haben einen sehr guten Kontakt zu den Sanitätshäusern. Wichtig für die Zusammenarbeit ist, dass man mit den Häusern eine offene Kommunikation pflegt, alle Absprachen präzise durchgeführt werden und der Patient bestmöglich versorgt wird und am Ende rundum zufrieden ist.

Prof. Dr. Markus Stücker hat mehrere Fachbücher zu dem Thema veröffentlicht. Sein Buch „Moderne Kompressionstherapie: Ein praktischer Leitfaden“ (Viavital, 2013), das er gemeinsam mit Dr. Stefanie Reich-Schupke verfasst hat, befasst sich mit der Kompressionstherapie als Basismaßnahme der phlebologischen und lymphologischen Versorgung.