Prof. Dr. Helmut Lötzerich

Wissenschaftler Prof. Dr. Helmut Lötzerich von der DSHS im Gespräch

„Bei richtigen Kompressionsstrümpfen handelt es sich um Maßprodukte“

Helmut Lötzerich in der SANITÄTSHAUS AKTUELLProfessor Dr. Helmut Lötzerich (57) ist Oberstudienrat und stellvertretender Institutsleiter für Natursport und Ökologie der Deutschen Sporthochschule Köln. Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen Sport und Immunsystem, Sport und Krebs, Immunsystem bei Hochleistungs- und Breitensportler, Radsport und Leistungsdiagnostik.

 

 

 

Wann hat es begonnen, dass gesunde Menschen auf Kompressionsstrümpfe zurückgreifen?

Helmut Lötzerich: Paula Radcliffe (die Red.: aktuelle Weltrekordhalterin im Marathon über die olympische Distanz) war circa 2003 eine der ersten prominenten Menschen, die Kompressionsstrümpfe öffentlich getragen haben…

Gab es da vielleicht einen Sponsorenvertrag oder war das tatsächlich eine freiwillige Entscheidung?

Helmut Lötzerich: Die Vorgeschichte war eine Verletzung und die anschließende medizinische Behandlung, weshalb sie dann die Strümpfe tragen musste. Vor ihrem ersten Lauf nach der Verletzung, hat ihr Arzt ihr grünes Licht dafür gegeben, dass sie die Strümpfe auch beim Wettkampf anlassen kann. Das hat dann so gut geklappt, dass sie seitdem ständig damit gelaufen ist. Heute tragen bei Marathonveranstaltungen bereits rund 30 Prozent der Läufer Kompressionsstrümpfe.

Welche Effekte erzeugen die Kompressionsstrümpfe bei den Sportlern?

Helmut Lötzerich: Die Athleten nutzen sie in erster Linie in der Erholungsphase, bei der Regeneration. Ich weiß, dass Skifahrer Felix Neureuther sie nutzt, aber auch Fußballer wie Robben, Podolski oder Schweinsteiger sie während der Spiele unter den Stutzen tragen. Damit es nicht zu einem Interessenskonflikt mit Sponsoren oder Ausrüstern kommt, können sie nicht sichtbar getragen werden.

Wie sieht das bei Hobbysportlern, Anfängern oder gar untrainierten Leuten aus?

Helmut Lötzerich: Die haben leistungstechnisch viel mehr Luft nach oben, deshalb profitieren sie auch mehr von den Effekten. Das lässt sich sogar messen. Wir haben herausgefunden, dass die Arbeit der Venen vom Kompressionsstrumpf unterstützt wird und die Kapazität der Muskelpumpe sich um rund 30 Prozent verbessert. Außerdem werden die Muskelschmerzen deutlich reduziert.

Tragen Sie selbst Kompressionsstrümpfe und falls ja, bei welchen Gelegenheiten?

Helmut Lötzerich: Ich trage häufig welche, auch bei der Arbeit. Es kann beispielsweise vorkommen, dass ich bei besonders langen Unterrichtsblöcken an der Sporthochschule rund sechs Stunden vorne stehe.