Ausgabe 01 / 2017, Die Aktuelle, Orthopädietechnik, Ratgeber, Versorgung / Pflege
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Aktiv gegen Bluthochdruck und Herzinfarkt

Herz unter Stress

Das Herz pumpt mit 100.000 Schlägen pro Tag 7.000 bis 9.000 Liter Blut durch das Gefäßsystem des Menschen. Zuverlässig versorgt es Organe und Muskeln mit Sauerstoff. Gefährlich wird es, wenn Herz und Gefäße hohem Dauerstress ausgesetzt sind. Bluthochdruck oder Herzinfarkt können die Folge sein. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin hat sich für Sie zu diesem Thema umgehört. Der Kardiologe Dr. Friedrich Schroeder informiert über Risikofaktoren und gibt Tipps, wie das Herz gesund bleibt. Der Betroffene Matthias Krell berichtet, wie ein Herzinfarkt sein Leben veränderte.

Text: Silke Bromm-Krieger

Als Matthias Krell an einem Sommerabend im Jahr 2008 nach Hause kommt, fühlt er sich nicht wohl. „Ich sagte meiner Frau, dass ich mich gleich hinlege“, blickt der Diplom-Kaufmann  zurück. Dass sie ihn schon wenig später leblos auf dem Fußboden liegend finden wird, bekommt er nicht mehr mit. Ein herbeigerufener Nachbar reanimiert ihn, bis der Notarzt eintrifft. In der Klinik wird Matthias Krell sofort intensivmedizinisch versorgt und in ein künstliches Koma versetzt. Diagnose: Schwerer Vorderwandinfarkt.

Dr. Friedrich Schroeder betreut viele Herzpatienten. Er ist Leitender Arzt der Abteilung Innere Medizin an der Mühlenbergklinik in Bad Malente-Gremsmühlen in Schleswig-Holstein. „Meist geht einem Herzinfarkt eine Arteriosklerose (umgangssprachlich oft auch Arterienverkalkung oder Arterienverhärtung genannt) der Herzkranzgefäße voraus. Hierbei sind die Gefäße durch fetthaltige, teilweise verkalkte Ablagerungen an den Gefäßwänden, den Plaques, verengt. Verschiedene schädliche Einflüsse, wie Bluthochdruck, ein erhöhter Cholesterinspiegel oder Rauchen begünstigen diesen Prozess“, informiert der Experte. Aber das muss durchaus nicht immer der Grund für einen Infarkt sein.

Dauerstress vermeiden

© Silke Bromm-Krieger

© Silke Bromm-Krieger

„Ich habe bei Patienten ebenfalls schon erlebt, dass emotionaler Dauerstress dazu führte, dass sich die Adern im Herzen durch eine hohe Ausschüttung von Stresshormonen verkrampften und verengten sowie dadurch einen Infarkt auslösten“, berichtet Dr. Schroeder. „Der Infarkt traf mich wie aus heiterem Himmel. Ich hatte einen sehr stressigen Job, aber vorher keine körperlichen Probleme. Ich fühlte mich topfit“, erzählt der zweifache Familienvater. Genau dieses Gefühl sei oft trügerisch, gibt Schroeder zu bedenken. „Etliche Menschen haben Bluthochdruck, ohne es zu merken. Das bedeutet, sie haben einen ständig erhöhten oberen systolischen Wert von mehr als 140 mmHG. Bleibt der Bluthochdruck unentdeckt und unbehandelt, wächst schleichend das Risiko für Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen und andere schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen.“ Gleiches gelte für erhöhte Cholesterin- und Zuckerwerte im Blut. Auch diese spüre man nicht. Deshalb sei es notwendig, einen
regelmäßigen Gesundheits-Checkup beim Hausarzt zu machen, um einem Risiko frühzeitig auf die Spur zu kommen. „Wird eine nicht genetisch bedingte Risikoerkrankung festgestellt, ist sie durch eine konsequente Lebensstiländerung und gegebenenfalls Medikamente sehr gut
beeinflussbar“, stellt er heraus.

Ausgleichssport machen

Wichtig sei vor allem Bewegung. „Optimal ist es, an fünf Tagen pro Woche für 30 Minuten Ausgleichssport zu machen. Drei bis vier Tage sollten es mindestens sein. Besonders gut eignen
sich Yoga, Nordic-Walking, Fahrradfahren oder Schwimmen. Wählen Sie eine Sportart, bei der Sie sich innerlich entspannen können“, empfiehlt er. Und das gelte nicht nur für Menschen, deren Herz aus dem Takt geraten ist, sondern auch für alle anderen. „Kombiniert man Bewegung mit einer ausgewogenen Ernährung, Rauchverzicht sowie wenig Alkohol und baut zudem Übergewicht ab, minimiert man sein persönliches Risiko für eine Herzerkrankung erheblich“, so Schroeder.

Work-Life-Balance beachten

„Führen Sie ein Leben, in dem die Balance zwischen Arbeit und Freizeit ausgeglichen ist. Vermeiden Sie chronischen Stress“, rät er weiter. Auf eines möchte der Mediziner noch hinweisen: Bei nahezu jedem dritten akuten Herzinfarkt verstirbt der Betroffene durch plötzliche schwere Herzrhythmusstörungen. Darum ist es wichtig, bei Alarmsignalen sofort den Notarzt zu rufen. „Setzen Sie sich nicht erst ins Taxi und lassen Sie sich auch nicht von Familienangehörigen in die Klinik fahren, sondern wählen Sie unverzüglich die 112!“, appelliert er.

Alarmsignale bei einem Herzinfarkt
> Starke Schmerzen

> Massives Engegefühl im Herzbereich
> Heftiges Brennen
> Übelkeit, Erbrechen, Atemnot und Schmerzen im Oberbauch
> Angstschweiß mit kalter, fahler Haut
> Speziell bei Frauen: Starke Kurzatmigkeit, Druck- oder Engegefühl im Brustbereich
(Quelle: Prof. Dr. Hans-Jürgen Becker, Deutsche Herzstiftung)

Lebensmut erhalten

Matthias Krell musste nach dem Infarkt im Alter von 43 Jahren in Frührente gehen. Körperliche Einschränkungen hat er keine, jedoch Konzentrationsstörungen und ein eingeschränktes Kurzzeitgedächtnis durch Sauerstoffmangel, während seines Komas. Davon lässt sich der
Kieler aber nicht unterkriegen. „Meinen Lebensmut habe ich mir erhalten. Ich weiß jetzt, dass Leben mehr bedeutet, als nur von einem Termin zum nächsten zu hetzen“, meint er
nachdenklich. Bestätigung findet der 51-jährige heute durch eine stundenweise Fahrertätigkeit bei der Diakonie und in Ehrenämtern. „Außerdem treffe ich mich monatlich mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe zum Erfahrungsaustausch.“