Ausgabe 01 / 2017, Die Aktuelle, Fitness, Ratgeber, Rehabilitationstechnik
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Engagierte Menschen und moderne Technik machen Sport mit Handicap möglich

Handicap? Sport inklusive Inklusion

Handicap und Sport gehen zusammen und ergänzen sich sogar. Persönliche sportliche Erfolge steigern zudem das Selbstbewusstsein – und zwar unabhängig vom Alter.

Text: Michi Jo Standl

©Michi Jo Standl

©Michi Jo Standl

Nachdem ich nach längerer Krankheit wieder gesund war, hatte ich ganz viel Energie“, erzählt Markus Weiß aus dem saarländischen Bexbach. „Ich suchte mir etwas, mit dem ich diese Energie loswerden konnte“, fährt der heute 19-jährige fort. Er interessierte sich schon länger für Kampfkunst, als er 2012 im Internet den Verein „Hayashi Karatecenter e.V.“ in seiner Nähe entdeckte. Was man wissen muss: Der Schüler hat von Geburt an Spina Bifida. Er lebt also mit einem offenen Rücken in Verbindung mit einer Abflussstörung des Gehirnwassers. Durch seine Krankheit hat Markus Weiß eine Gehbehinderung und ist bei längeren Strecken auf den Rollstuhl angewiesen. Zuhause und während des Sports kann er ihn verlassen. Neben der Herausforderung ist dem Schüler vor allem die Inklusion innerhalb des Vereins wichtig. „Man kann soziale Kontakte knüpfen und kommt mit Leuten in Kontakt, die keine Scheu haben, sich mit Behinderten auszutauschen“, erzählt Weiß. „Es gibt in unserer Gesellschaft noch ganz viele Hemmschwellen, was Behinderte betrifft.“ Der Sport gibt den Menschen mit Handicap laut Weiß vor allem jede Menge Selbstbewusstsein. Nach dem Abitur plant er Jura zu studieren. Parallel will er mit dem Sport weitermachen, solange es ihm Spaß macht. „Ich kann mir auch vorstellen, mich später in der Jugendarbeit des Vereins zu engagieren“, sagt der Gymnasiast.

Sport wichtig für Inklusion

©Michi Jo Standl

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Nicht nur die Arbeit mit behinderten Menschen, sondern vor allem auch echte Inklusion hat sich Dirk Dohm zur Lebensaufgabe gemacht. Er ist Gründer des Hayashi Karatecenters und Trainer von Markus Weiß. Das Motto des Vereins lautet „Karate ohne Grenzen“. Der Saarländer ist auch einer der Erfinder von IKKAIDO. Das ist keine eigene Kampfkunstdisziplin, sondern eine Philosophie. IKKAIDO setzt sich aus dem „I“ für Inklusion und den chinesischen Wörtern „Kai“ und „Do“ zusammen. Diese bedeuten „offen“ und „Weg“. „Sport ist eines der wichtigsten Instrumente für Inklusion“, erklärt Dohm. Die Idee dahinter ist, dass Menschen mit und ohne Handicap nicht gegeneinander, sondern miteinander antreten, eben ohne Grenzen. In den unterschiedlichsten Kampfkünsten werden Kniffe angewendet, welche die Sportler mit ihrem individuellen Handicap ausführen können. Die Idee, einen solchen Weg zu gehen, hatte zuerst der Brite Ray Sweeney. Da Dohm Gleiches im Sinn hatte, haben sich die beiden zusammengetan und 2013 den IKKAIDO-Weltverband gegründet. Inzwischen sind 109 Nationen Mitglieder. Um sportlich aktiv zu werden, sei es nie zu spät, so Dohm, der auch Präsident des  Bundesfachverbandes IKKAIDO Deutschland, dem mittlerweile schon 17.000 Mitglieder mit und ohne Handicap angehören, ist. Im Saarland findet dieses Jahr die erste IKKAIDO-Weltmeisterschaft statt. Dohms nächstes großes Ziel ist, dass IKKAIDO paralympisch wird. „Der Antrag ist bereits gestellt, es sieht gut aus“, blickt er voraus.

Inklusion durch moderne Technik

©Sanitätshaus Speer

©Sanitätshaus Speer

Dass sportliche Betätigung gesund ist, haben die meisten schon mal gehört. Doch viele Menschen mit Handicap haben Scheu davor, beispielsweise joggen zu gehen oder gar unter anderen Aktiven Gymnastik zu betreiben. Gerade Ältere, die jahrelang Sport gemacht haben und dann zum Beispiel durch eine Krankheit Gliedmaßen verloren haben, ziehen sich anschließend zurück. Das muss nicht sein, denn moderne Orthopädietechnik ermöglicht es längst, auch mit einer Behinderung aktiv zu sein. Das weiß auch Holger Speer, Geschäftsführer des  Sanitätshauses Speer mit zwei Standorten im rheinland-pfälzischen Zweibrücken sowie einer Filiale in Homburg im Saarland: „Materialien, die vorher nur dem Spitzensport vorbehalten waren, sind heute in Alltagshilfsmitteln Standard.“ Carbonfasern und andere Faserverbundstoffe ermöglichen Energiespeicherung und dadurch natürliche Bewegungsabläufe. „Durch die Energieaufnahme reduzieren sich Stoßbelastungen, wird die gespeicherte Energie beim Laufen wieder abgegeben, schont dies den Körper und verbessert die Leistungsfähigkeit mit Prothese. Durch Carbonplattfedern haben die Prothesen heute auch eine bessere Stoßdämpfung“, erklärt Speer, der das Sanitätshaus in zweiter Generation führt. Mikroprozessgesteuerte Kniegelenke und Prothesenfüße passen sich automatisch der Laufgeschwindigkeit an. Für einseitig beinamputierte Gymnastikbegeisterte etwa ist es von Vorteil, dass durch moderne Prothesentechnik auch ein lastverteiltes Hinsetzen möglich ist. Darüber hinaus „erkennt“ sie Stolpergefahren und erhöht so aktiv die Sicherheit im Alltagsgebrauch. Das Sanitätshaus Speer bietet Versorgung in allen Bereichen, wie Rehatechnik, Pflege mit moderner Wundversorgung, Geriatrie und eben Orthopädietechnik an. Durch die eigene Produktion und einer eigenen Silikontechnik können Hilfsmittel optimal angepasst werden. Um dem Bewegungswunsch der Menschen möglichst gerecht zu werden, nimmt Holger Speer regelmäßig an Weiterbildungen, zum Beispiel in den USA und den Niederlanden, teil. Die ständige Weiterentwicklung der Hilfsmittel ist ein Meilenstein, um Menschen mit Handicap am Leben teilhaben zu lassen. Mehr Infos über das Sanitätshaus Speer erhalten Sie unter www.sani-speer.de.

Muskelaufbau gegen Alzheimer

Australische Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass über 55-jährige, die an leichten kognitiven Störungen leiden, durch Muskelaufbau ihre Gehirnfunktion stärken können. Diese Beeinträchtigungen gelten als Vorstufe zu Alzheimer. Mit Hanteln etwa können auch Menschen im Rollstuhl oder mit Beinprothesen trainieren. Mit Handicap an Armen oder Händen empfiehlt
sich Beindrücken.