Ausgabe 02 / 2017, Die Aktuelle, Fitness, Orthopädietechnik, Ratgeber, Rehabilitationstechnik
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Menschen mit Handicap sind beim Sport nicht außen vor

Fit im Sommer

Bei schönem Wetter kann man besonders gut im Freien für die eigene Fitness sorgen. Ob alleine oder in der Gruppe. Sport macht nicht nur Spaß, er ist auch sinnvoll für die eigene Gesundheit. Bei Menschen mit Handicap kann er darüber hinaus auch Instabilität und Verspannungen vorbeugen.

Text: Michi Jo Standl

Wenn die Meteorologen uns einen schönen Sommer prognostizieren, sagt uns unser Körper: „Da will ich teilhaben – egal, ob mit oder ohne Handicap!“ Gerade bei Menschen mit einer Behinderung ist das Interesse an Sport zuletzt extrem gestiegen. Die Mitgliederzahl des Deutschen Behindertensportverbandes etwa ist in den vergangenen zehn Jahren auf fast das Doppelte angestiegen. Selbstbewusstsein und Teilhabe sind dabei die Devise. Ob im Rollstuhl oder mit Prothesen, wer sich nicht in einem Verein engagieren möchte, hat die Möglichkeit, auf eigene Faust Sport zu betreiben. Ohne Leistungsdruck, einfach um fit zu bleiben. „Die Technik von Prothesen ist mittlerweile soweit, dass fast alle Outdoor-Sportarten ohne Probleme möglich sind“, so Sportwissenschaftlerin Susanne Holzinger. „Von Joggen und Walken über Schwimmen bis hin zu Ballsportarten und Radfahren kann man sich damit alles zutrauen.“ Die geprüfte Fitnesstrainerin erklärt: „Für jede Sportart gibt es Prothesen, die für die speziellen Anforderungen entwickelt und optimal abgestimmt wurden“. Holzinger arbeitet unter anderem für das Sanitätshaus Bußfeld & Schiller, das mit neun Filialen im Main-Kinzig-Kreis vertreten ist. Die Beratung von sportbegeisterten Menschen mit und ohne Handicap nimmt großen Raum in dem hessischen Familienunternehmen ein.

Beim Joggen auf Haltung achten

„Wenn man beginnt zu trainieren, ist eine qualifizierte Anleitung zu empfehlen.“ Susanne Holzinger, Sportwissenschaftlerin und Fitnessexpertin im Sanitätshaus Bußfeld & Schiller (Bildrechte: © Sanitätshaus Bußfeld & Schiller)

Laufen mit Prothese stellt einen komplexen Bewegungsablauf dar. „Es gehört einiges an Übung dazu“, erklärt Holzinger. Insbesondere ein stabiler Rumpf sei wichtig für eine fließende, runde Bewegung. „Da das Bein durch eine Feder nach vorne gezogen wird, kann man im Schotter oder bei Unebenheiten leicht hängenbleiben und stolpern.“, so die Schwäbin weiter. Die Optimierung des Bewegungsablaufes beginnt im Sanitätshaus bereits bei der Anpassung der Prothese. „Ziel einer Prothesenversorgung ist ein flüssiger, nahezu natürlicher, Bewegungsablauf “, so die Fitnesstrainerin. Dieser ist je nach Trainings- und Fitnesszustand kaum von gesunden Menschen zu unterscheiden. Für beide gilt das gleiche: Eine ökonomische, effiziente Bewegungsabfolge, die unter anderem von einer Schwungphase gekennzeichnet ist.

Muskulatur für neue Aufgaben trainieren

Neben der richtigen Technik ist natürlich auch die allgemeine Fitness entscheidend. Holzinger erklärt, dass es wichtig ist, gerade die betroffenen Gliedmaßen zu trainieren. Das dient dazu, die vorhandene Muskulatur zu stärken und für ihre neuen und zusätzlichen Aufgaben zu trainieren. „Instabilität wird so ausgeglichen“, erklärt die Sportexpertin. Die Kraft, die normalerweise aus dem Fuß kommt, muss durch andere Muskeln kompensiert werden. Wer keinen Trainer oder eine entsprechende Schule in Anspruch nehmen will, kann auch auf Fitness-Apps zurückgreifen.

Im Rollstuhl fit und gesund

Auch Rollstuhlfahrer haben die Möglichkeit, Sport zu betreiben. Für fast alle Sportarten, die Menschen ohne Handicap im Freien ausüben, gibt es inzwischen auch für  Rollstuhlfahrervereine. Nicht nur als überdurchschnittlich aktiver Rollstuhlsportler ist die Fitness wichtig. Man kann auch mit Fitnessübungen als solche den Sommer genießen. Platz ist überall, auf der Terrasse im Garten oder zusammen mit Gleichgesinnten im Park. „Bei Rollstuhlfahrern werden bestimmte Muskelgruppen, zum Beispiel die Schulterpartie, einseitig belastet oder unzureichend gefordert“, erklärt Holzinger. „Durch das Sitzen entstehen Rückenschmerzen.“ Menschen im Rollstuhl sollten ohnehin Kräftigungs- und Dehnübungen machen, um Überlastungen, Abnutzungen und Imbalancen (fehlendes Gleichgewicht) vorzubeugen. „Eine trainierte Oberkörpermuskulatur sorgt auch für den sicheren Umgang mit dem Rollstuhl“, erklärt Susanne Holzinger. Wichtig sei das etwa beim Antreiben des Rollstuhls, beim Umsetzen und für Stützgriffe. Übungen ohne großen Aufwand sind zum Beispiel Rumpfrotation, Seitneigen oder Schulterkreisen. So wirkt man Verspannungen entgegen und sorgt für die nötige Beweglichkeit und Stabilität. Für die Übungen braucht man keine aufwändige Ausrüstung. Für das Oberarmtraining genügt schon eine Wasserflasche oder ein Theraband. „Wichtig ist aber, dass die Übungen korrekt ausgeführt werden“, sagt Holzinger, die zu anfangs jedem ein Training unter qualifizierter Aufsicht empfiehlt.

Mehr Infos über das Sanitätshaus Bußfeld & Schiller erhalten Sie unter www.bussfeldschiller-sports.de und www.bussfeldschiller.de. Weiter Infos gibt es außerdem beim Deutschen Behindertensportverband unter www.dbs-npc.de.