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Was auch ohne Operation getan werden kann

Fersensporn

Fersensporn - Was auch ohne Operation getan werden kann

Morgens beim Aufstehen ist es am schlimmsten. Sobald Susanne K. die Beine aus dem Bett schwingt und ihre Füße den Boden berühren, ist er da, dieser stechende Schmerz unter der rechten Ferse. Humpelnd startet die 42-jährige Verkäuferin zumeist in den Tag. Zum Glück lässt der Schmerz im Laufe des Tages oft wieder nach, sonst könnte Susanne K. ihren Beruf, bei dem sie viel stehen muss, gar nicht mehr ausüben. „Beschwerden wie diese sind typisch für den so genannten Fersensporn – einem dornartiger Knochenauswuchs am Fersenknochen“, erläutert Orthopäde Dr. Tobias Schlegel, Chefarzt im zur Contilia Gruppe gehörenden St. Marien-Hospital Mülheim an der Ruhr. „Charakteristisch bei dieser Erkrankung sind starke Schmerzen insbesondere nach einer längeren Ruhephase. Unter Belastung lassen sie oft nach, können aber – wenn man länger auf den Beinen ist – wieder zunehmen. Häufig erleben die Patienten unterschiedliche Phasen mit mehr oder weniger starken Beschwerden. Je nach Erkrankungsstadium droht auch ein Dauerschmerz. Meist führen Fersensporn-Probleme zu einer deutlichen Einschränkung der Beweglichkeit. Um die quälende Fersenregion zu entlasten, laufen viele Betroffene über die Außenseite des Fußes, worauf es dann zur Schmerzausstrahlung bis in den Unterschenkel kommen kann.“

Längere Fehlbelastung und wiederholte Überbeanspruchung

Am knöchernen Teil unserer Ferse setzen zahlreiche Bänder, Sehnen und Muskeln an, die für die Bewegung des Fußes entscheidend sind. Ursache für eine Fersensporn-Entwicklung ist immer eine erhöhte Druck- und Zugbelastung auf die Sehnenansätze am Knochen. In der Medizin unterscheidet man zwischen unterem und oberem Fersensporn. „Der obere ist eher selten und äußert sich vor allem in Schmerzen am Ansatz der Achillessehne“, erklärt Dr. Schlegel. „Der häufiger auftretende untere Fersensporn ist ein dornartiger Knochenauswuchs in dem Bereich, an dem der Sehnenstrang der Fußsohle am Fersenknochen ansetzt. Wird dieser von den Zehen bis zur Ferse reichende Strang längeren Fehlbelastungen und wiederholten Überbeanspruchungen ausgesetzt, führt dies zu mechanischen Reizungen und Entzündungsreaktionen im Gewebe.“

Kalkeinlagerungen nach „Umbauarbeiten“

Dr. Schlegel: „Unser Körper reagiert darauf mit Umbauprozessen und Reparaturmaßnahmen, bei denen es zu Kalkeinlagerungen kommt. Dauert die Belastung an, bildet sich im Lauf der Zeit aus den Ablagerungen der Fersensporn. Ein solcher Sporn kann dann für eine zusätzliche Druckbelastung im Fuß sorgen und damit neue Reizungen hervorrufen. Deutlich gesagt werden muss, dass nicht das alleinige Vorhandensein eines Sporns zwangsläufig Schmerzen bereitet. Probleme gibt es immer nur, wenn es hier auch zu Entzündungen kommt. Viele Menschen haben vollends beschwerdefreie Fersensporne, die keiner Behandlung bedürfen.“ Das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt zwischen 40 und 60 Jahren. Frauen erkranken etwas öfter als Männer. Begünstigende Faktoren für die Entstehung eines Fersenspornes sind Fehl- und Überbelastungen der Füße durch Übergewicht, falsches oder hartes Schuhwerk sowie erhöhte Beanspruchung in Beruf und Sport. Vielfach liegt auch eine Fußfehlstellung – z.B. ein Senkfuß – zugrunde.

Rheuma oder Gicht müssen vorher ausgeschlossen werden

Die detaillierte Befragung der Patienten gibt dem Facharzt die entscheidenden Hinweise auf die Erkrankung. Durch Abtasten und Bewegen des Fußes lässt sich oftmals der typische Schmerz provozieren. Dr. Schlegel: „Die Verdachtsdiagnose wird durch eine Röntgenaufnahme des seitlichen Fersenbeines zumeist erhärtet. Manchmal kommt es jedoch vor, dass zum Beginn der Erkrankung die typischen Fersensporn-Beschwerden die Spornausbildung erst ankündigen und das Röntgenbild zunächst noch unauffällig ist. Natürlich müssen bei der Diagnose dann immer auch andere Erkrankungen, die ähnliche Symptome auslösen können – etwa Rheuma oder Gicht – ausgeschlossen werden.“

Therapieziel: Reduzierung der Druckbelastung

Behandelt wird der Fersensporn zunächst konservativ – d.h. ohne operativen Eingriff. Ziel der Therapie ist die Beseitigung der Entzündung sowie die Reduzierung der Belastung:

  • Hierzu gehören die orthopädische Einlagenversorgung zur Druckentlastung und zur Korrektur von Fußfehlstellungen. Die Experten im Sanitätshaus in Ihrer Nähe helfen Ihnen gerne weiter.
  • Auch eine Gewichtsreduktion und die Verringerung körperlich belastender Aktivitäten kann hilfreich sein.
  • Krankengymnastik und spezielle Massagetechniken zur Dehnung der Sehnen und Beseitigung von Schwellungszuständen reduzieren die Druck- und Zugbelastungen.
  • Daneben lindern Kältetherapien, Ultraschall- und Röntgenreizbestrahlungen die Schmerzen und wirken ebenfalls abschwellend.
  • Eine begleitende medikamentöse Therapie – beispielsweise Injektionen von Kortison und Betäubungsmitteln – verschafft zusätzlich Beschwerdelinderung.

Dr. Schlegel: „Eine weitere erprobte Behandlungsmethode ist die Stoßwellentherapie. Die Kosten dafür werden leider nicht von allen Krankenkassen übernommen. Durch sehr energiereiche mechanische Wellen, die auf die betroffene Fußregion gerichtet werden, können der Stoffwechsel angeregt, Entzündungsprozesse gehemmt und Verkalkungen entfernt werden. Zu einer Auflösung des Fersensporn kommt es dadurch jedoch nicht.“ Die verschiedenen Therapiemethoden in der Behandlung des Fersenspornes ergänzen einander.

Zugentlastung auch operativ möglich

In über 90 Prozent der Fälle können die Beschwerden durch die konservativen Maßnahmen behoben oder zumindest deutlich gelindert werden. Erst bei Ausbleiben einer Besserung kommt ein Eingriff in Betracht. „Das Ziel der operativen Therapie unterscheidet sich im Grunde nicht von dem der konservativen“, so Dr. Schlegel. „Bei dem Eingriff wird zur Zugentlastung der Sehnenstrang knochennah am Fersenbein abgelöst. Falls notwendig, müssen auch Nervenfasern durchtrennt oder Schleimbeutel entfernt werden. Der Fersensporn selbst wird nur dann abgetragen, wenn er sehr groß ist. Da die Operation nicht die Ursachen, die zur Entstehung des Fersensporns geführt haben, beseitigen kann, besteht auch nach dem Eingriff immer das Risiko, dass die Erkrankung erneut auftritt. Auch kann das durch die Operation entstandene Narbengewebe mitunter selbst Beschwerden verursachen.“ Die Nachbehandlungsphase nach einem Eingriff erstreckt sich über Monate, denn es kommt nur allmählich zur Beruhigung der empfindlichen Region. Eine Weichbettung der Ferse ist jetzt ebenso notwendig wie körperliche Schonung mit langsamer Belastungsanpassung.

(Quelle: www.rheinruhrmed.de)

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