Ausgabe 03 / 2016, Die Aktuelle, Herz & Seele
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Wie sich Hund, Katze & Co. positiv auf unsere Gesundheit auswirken

Die heilende Kraft von Haustieren

Haustiere bereichern unser Leben als treue Weggefährten, Kuschelpartner und Seelentröster.  Immer öfter sind sie auch als Therapeuten auf vier Pfoten im Einsatz.

Text: Silke Bromm-Krieger

Der Umgang mit Haustieren verbreitet gute Laune, hält fit, macht glücklich und ist gesund, fand das Marktforschungsinstitut Forsa im letzten Jahr bei einer Umfrage heraus. Regine F. aus Mönkeberg kann dem nur beipflichten. Die 71-jährige möchte sich ein Leben ohne ihren vierbeinigen Begleiter gar nicht mehr vorstellen. „Mein Schäferhund Iljas hält mich jung und frisch. Ich wäre ein viel ärmerer Mensch, wenn ich ihn nicht hätte“, bekennt die alleinstehende Seniorin. Auch wissenschaftliche Studien belegen, dass die Haltung eines Haustieres, unabhängig vom Alter, die Gesundheit stärkt. „Tierhalter gehen seltener zum Arzt und haben weniger Schlafprobleme“, weiß Privatdozentin Dr. Andrea Beetz. Sie lehrt und forscht an den Universitäten in Rostock und Wien seit etlichen Jahren zur „Mensch-Tier-Bindung“.

Streicheln tut der Seele gut

Besonders Hunde und Katzen, die gern in der Nähe von Menschen sind, tun der Seele gut. „Sie bieten eine unkomplizierte Möglichkeit zum Körperkontakt. Schon das fünf- bis zehnminütige Streicheln eines Hundes sorgt dafür, dass im menschlichen Gehirn das Hormon Oxytocin
ausgeschüttet wird. Dieses reduziert Stress, Ängste und Depressionen. Außerdem trägt es zur Entspannung und Regeneration bei“, erklärt die Diplompsychologin Beetz. Ebenfalls nehme der Umgang mit Tieren hinsichtlich Aktivität und Stressempfinden einen positiven Einfluss auf einen gesunden Lebensstil. Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Beschwerden des  Bewegungsapparates könnten dadurch möglicherweise vorgebeugt werden. Immer häufiger kommen Tiere auch als Co-Therapeuten zum Einsatz, so wie im Evangelischen Krankenhaus
in Unna. Dort ist die Tiergestützte Humanpflege® seit 2007 fester Bestandteil der Behandlung. „Wir setzten Tiere auf der Station für Epileptologie ein. Hier werden Menschen mit Epilepsien behandelt, die sich zur Einstellung ihrer Medikamente oft bis zu acht Wochen bei uns befinden.
Ebenfalls haben wir bei Patienten mit demenziellen Erkrankungen gute Erfahrungen damit gemacht“, berichtet Claudia Dieckmann. Sie ist Fachschwester für Anästhesie und Intensivmedizin, Leiterin des klinikeigenen Fortbildungsinstituts und absolvierte selbst eine Weiterbildung in der Tiergestützten Humanpflege®. Bis zu zehn Patienten lädt sie regelmäßig zur „Hasenstunde“ ein. Auch heute ist sie wieder im Namen der guten Sache unterwegs. Die 47-jährige bringt dafür ihre eigenen Kaninchen „Tutnichts“ und „Kleines“ mit auf die Epilepsie-Station. Das Löwenkopf- Böckchen und das Zwergwidder-Mädchen werden da schon sehnsüchtig erwartet.

Auszeit im Krankenhausalltag

Patient Max (Name geändert) strahlt, als die beiden Kaninchen mit ihrer Besitzerin in den Aufenthaltsraum kommen. Er ist seit mehreren Wochen zur Behandlung hier und freut sich, die
niedlichen Tiere zu sehen. Während Claudia Dieckmann die Kaninchen aus der Transportbox nimmt, legt er auf einem Tisch schon die nötigen Unterlagen und einen Gemüsesnack für die Langohren bereit. Bei der anschließenden „Wunschrunde“ kann sich der 45-jährige aussuchen, wie er mit ihnen in Kontakt treten will. Er entscheidet sich, „Kleines“ vorsichtig auf den Arm zu nehmen und mit einer Bürste über ihr samtweiches Fell zu streichen. Spontan stimmt er das Volkslied „Der Kuckuck und der Esel…“ an. Alle anwesenden Patienten singen mit, während sie weiter aufmerksam die Kaninchen beobachten. Einer hält „Tutnichts“ ein Stückchen Möhre hin und lächelt, als er tatsächlich daran knabbert.

Familien mit Haustieren kommunizieren mehr

Dass Haustiere auch in einer Familie viel Gutes bewirken, davon ist Dr. Andrea Beetz überzeugt. „Für die psychische Entwicklung von Kindern sind Haustiere toll. Durch die Beteiligung an der Pflege lernen sie, Verantwortung zu übernehmen. Außerdem sprechen die Familienmitglieder
über die Tiere verstärkt miteinander und unternehmen mehr gemeinsam“, stellt sie heraus. Möchten Erwachsene ein Haustier für ihre Kinder anschaffen, sei es aber wichtig, dass sie
die volle Verantwortung für den tierischen Hausgenossen tragen. „Manchmal erlahmt nach einiger Zeit das Interesse der Kinder oder sie verlassen für ihre Ausbildung das Elternhaus.
Deshalb sollte ein neues Haustier allen in der Familie gefallen“, so Beetz.

Kaninchen haben heilende Kraft

„Die Kaninchen unterstützen uns in der Pflege. Sie tragen zum Wohlbefinden der Patienten bei, lindern Leiden und fördern vorhandene Ressourcen“, beschreibt die Fachschwester Claudia Dieckmann ihre heilende Kraft und setzt hinzu: „Ich arbeite jetzt schon sehr lange in meinem
Beruf, aber ich kann nicht das erreichen, was die Tiere schaffen. Sie bringen Körper, Geist und Seele der Patienten wunderbar in Einklang“.

Lieblingshaustiere
30 Millionen Hunde, Katzen, Kleinsäuger und Vögel leben in Deutschland. 43 Prozent aller Haushalte besitzen ein Haustier. In Familien mit Kindern haben 58 Prozent eines. Das Lieblingshaustier ist die Katze (12,9 Mio.), gefolgt von Hunden (7,9 Mio.) und Kleintieren (5,1 Mio.).
Quelle: Marktforschungsinstitut Skopos, im Auftrag von IVH e.V. und ZZF e.V., 2015