Ausgabe 02 / 2017, Die Aktuelle, Orthopädietechnik, Ratgeber, Sanitätshausbedarf
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Damit es gut “läuft”

Beine und Füße tragen uns durch’s Leben, zum Teil mehrfach um die Erde. Was sie leisten, merken wir meist erst dann, wenn sie Probleme bereiten. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin berichtet, warum es so wichtig ist, auf die Bein- und Fußgesundheit zu achten.

Text: Silke Bromm-Krieger

© privat

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   Beine und Füße leisten lebenslange Schwerstarbeit. Wir sind darauf angewiesen, dass sie als Fundament unseres Körpers reibungslos funktionieren und keine Schwierigkeiten machen. Orthopäde Dr. Ove Schröder, Oberarzt in der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie am Kieler Universitätsklinikum, weiß, warum wir als zweibeinige Wesen gesunde Beine und Füße brauchen. „Wenn die Bein- und Fußgesundheit leidet, leidet die Mobilität, wenn die Mobilität leidet, leidet die persönliche Freiheit und damit die Lebensqualität“, bringt er es auf den Punkt. Deshalb sei es unerlässlich, auf seine Beine und Füße zu achten. „Das beginnt bei der richtigen Haut- und Nagelpflege, setzt sich mit regelmäßiger Bewegung sowie der Vermeidung von Fehl- und Überbelastungen fort und endet bei einem gesunden Schuhwerk samt ausgewogener Ernährung. In unserem Körper hängt schließlich alles miteinander zusammen“, stellt der Mediziner heraus.

Risikofaktor ist Rauchen

Ein Risikofaktor, der die Gesundheit der unteren Extremitäten bedrohe, sei das Rauchen. „Dadurch können Durchblutungsstörungen auftreten, die die Beine schwer schädigen“, informiert Schröder. Bestehen Bein- oder Fußprobleme , empfiehlt er, zeitnah zu reagieren und einen qualifizierten ärztlichen Rat einzuholen. „Viele Dauerschäden könnten durch eine frühzeitige Behandlung vermieden werden, resultieren sie doch häufig, falls nicht angeboren, aus einer dauerhaften oder einseitigen Belastung“, mahnt der Orthopäde.

Einlagen regelmäßig tragen

© Silke Bromm-Krieger

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Immer wieder macht er die Erfahrung, dass Patienten bei Fehlstellungen und Erkrankungen des Fußes die ärztlich verordneten Einlagen nicht regelmäßig tragen, weil ihnen die Umstellung schwer fällt. „Die Füße möchten sich aber gern an die Einlagen gewöhnen. Das können sie nicht, wenn sie nur unregelmäßig zum Einsatz kommen. Deshalb rate ich, sie am Anfang noch nicht die volle Zeit im Schuh zu lassen, sie aber nach der Eingewöhnungsphase nicht mehr herauszunehmen.“ Tragen Patienten ihre Einlagen kontinuierlich, hätte das einen positiven Therapieeffekt. „Viele berichten von weniger Schmerzen“, betont Schröder. Dabei werden orthopädische Einlagen nicht nur bei Beschwerden im Fuß genutzt, sondern können auch bei Knie- und Hüftbeschwerden eine gute Wahl sein. „Stellt der behandelnde Arzt eine Deformation fest, gibt es Einlagen und medizinische Schuhzurichtungen auf Rezept“, informiert Stefan Bruns, Orthopädie-Schuhmachermeister vom Centrum für technische Orthopädie (CTO) im niedersächsischen Lüneburg. In seinem Meisterbetrieb für Orthopädie-Technik und Orthopädie-Schuhtechnik stellt er individuelle Einlagen her.

Einsatz von modernster Computertechnologie

© Silke Bromm-Krieger

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Mithilfe modernster Computertechnologie, wie einem 3-D-Fußscan, sowie einer Gang- und Bewegungsanalyse kann er Einlagen punktgenau anpassen, sodass es beim Tragen zu einer Druckentlastung an den gewünschten Stellen kommt. „Wir nehmen uns viel Zeit für die Patienten. In einem ausführlichen Anamnesegespräch ergründen wir die Ursache der Beschwerden, denn nur dann können wir eine vernünftige Versorgung einleiten“, erklärt der erfahrene Praktiker. Eine individuelle Einlage könne die Muskulatur stärken, sowie den Gang und die Körperhaltung maßgeblich verbessern. Sollten Einlagen nicht ausreichen, bieten der Fachmann und sein Team orthopädische Maßschuhe an. Ebenso stellen sie bei Bedarf Orthesen her. Das sind medizinische Hilfsmittel, die beispielsweise nach einer Operation, einem Unfall, einer Sportverletzung oder bei Schäden des zentralen Nervensystems zum Einsatz kommen. Sie können gleichfalls die Muskulatur unterstützen und bei Fehlstellungen oder schmerzhaften Gelenken für Entlastung sorgen. Patientin Marion R. (55) ist froh, in Stefan Bruns einen kompetenten Ansprechpartner gefunden zu haben. Durch eine fortschreitende Hüftarthrose hat sie beim Gehen eine Abrollbehinderung im linken Fußgelenk und dadurch eine eingeschränkte Mobilität. Mit einem Rezept für eine Schuhzurichtung kam sie ins CTO. „Die Patientin gestand, dass sie die bisherigen Verordnungen nie durchgehend getragen hatte, weil sie sie als störend empfand. Nach einer umfangreichen Untersuchung bekam sie von mir eine ein cm hohe gerundete Abrollsohle unter ihre Schuhe. Eine zusätzliche Innenranderhöhung glich ihre X-Beine aus. Beim Anprobieren stellte sie schon nach wenigen Schritten fest, dass sie viel besser und schmerzfreier laufen konnte und aufrechter ging. Nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt befand auch der, dass alles okay ist“, freut sich der Orthopädie-Schuhmachermeister.

Orthopädietechnik schenkt Lebensqualität

© Silke Bromm-Krieger

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„Die orthopädische Schuh- und Einlagenversorgung wäre ohne Orthopädietechniker vor Ort nicht durchführbar. Sie tragen maßgeblich zur Lebensqualität der Patienten bei“, stellt auch Klinikarzt Schröder anerkennend fest. Erst die enge Kooperation von Ärzten, Therapeuten und orthopädischer Schuhtechnik sorge für eine hohe und nachhaltige Behandlungsqualität zum Wohle der Patienten. „Präventiv kann aber auch jeder einzelne etwas dafür tun, dass schwerwiegende Störungen der Bein- und Fußgesundheit erst gar nicht entstehen“, appelliert der Experte.

Vorbeugend aktiv werden

Um das Bindegewebe in Beinen und Füßen zu stärken, rät er zu wechselwarmen Duschen, Massagen mit einer weichen Bürste und Saunagängen. Da jeder dritte Mensch über 65 Jahren statistisch gesehen einmal im Jahr stürzt, sollten besonders Menschen im fortgeschrittenen Lebensalter vorbeugend aktiv werden. „Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass neben Bewegung und Gewichtsreduktion ein moderates Kraft- und  Gleichgewichtstraining gut wirksam ist und die Sturzgefahr vermindert“, so Schröder.  Gesundheitsfördernd seien ebenfalls Yoga und Tai Chi. „Laufen Sie außerdem viel barfuß und halten Sie Beine sowie Füße durch muskelstärkende Gymnastikübungen fit“, empfiehlt er.

Für Ihre Gesundheit

In Sanitätsfachhäusern mit dem lächelnden Gesicht berät Sie ein qualifiziertes Team
freundlich und ganzheitlich in enger Absprache mit Ihrem Arzt oder Therapeuten.
Hier erhalten Sie Schuheinlagen, Schuhänderungen, orthopädische Maßschuhe und
Orthesen. Ebenso gibt es Bandagen, Kompressionsstrümpfe und Gesundheitsschuhe.
Mehr über das Centrum für technische Orthopädie GmbH erfahren Sie
unter www.cto-lueneburg.de

 

„Fußpflege ist Gesundheitspflege“
© Silke Bromm-Krieger

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Ilka Hamann ist staatlich anerkannte Podologin und Diabetesfachkraft/Wundmanagement. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin hat mit ihr darüber gesprochen, wie Füße gesund und schön bleiben.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Frau Hamann, wie sieht eine gute Pflege der Füße aus?

Ilka Hamann: Schneiden Sie alle drei bis vier Wochen die Fußnägel, und zwar gerade. Dabei können die Nagelecken leicht abgerundet werden und ein kleiner Nagelrand zum Schutz stehenbleiben. Einmal in der Woche ein Fußbad, zwischendurch ein Fußpeeling und bei trockenen Füßen das Einreiben mit einer feuchtigkeitsspendenden Creme tun ebenfalls gut. Um den natürlichen Säureschutzmantel der Haut zu erhalten, kann man Füße ab und an mit einer Wasserlösung einsprühen, der man einige Spritzer Zitronensaft oder Essig beigemischt hat. Wichtig ist, nach dem Waschen die Haut zwischen den Zehen gründlich abzutrocknen, damit dort kein feuchtes Klima entsteht, das Fußpilz begünstigt.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Wann ist eine medizinische Fußpflege durch eine Podologin oder einen Podologen sinnvoll? (Anm. d. Red.: Podologie bezeichnet die nichtärztliche Heilkunde am Fuß.)

Ilka Hamann: Speziell für Diabetiker, die als Folge ihrer Erkrankung Empfindungsstörungen in den Füßen haben, ist der Gang in eine Podologische Praxis angezeigt. Bei Bedarf gibt es für sie eine Behandlung über eine Heilmittelverordnung des Arztes. Aber auch Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder die Probleme wie Fersenrisse, eingewachsene Zehennägel, Hühneraugen oder Schrunden haben, profitieren davon.

SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Podologen finden Sie unter www.podo-deutschland.de