Ausgabe 01 / 2016, Die Aktuelle, Fitness, Ratgeber, Reise, Sonstiges
Schreibe einen Kommentar

Die Bergtour ruft

Bergtour: Ein Hoch auf die Höhe

Der Berg ruft! Eine Bergtour bietet Entspannung, Genuss und Abenteuer. Mit der richtigen Vorbereitung und sympathischer Begleitung erwartet Sie eine kleine gesundheitsfördernde Auszeit… und Sie stärken Ihre „soziale Fitness“.

Text: Nicole C. Becker

Die Bergkulisse weckt in fast jedem von uns ein Gefühl der sanften Poesie in Kombination mit dem kräftigen Erhabenen. Ein Aufenthalt in den Bergen hat zudem eine Vielzahl positiver Nebeneffekte: Die Bergluft in höheren Lagen ist gesund und gesundheitsfördernd. Hier kann man frei atmen – ein gutes Gefühl, zu spüren, dass es Körper und Geist besser geht.

Mal wieder richtig durchatmen – das tut Geist und Körper gut!

Tipps für die richtige Ausrüstung

Lassen Sie sich im Fachgeschäft beraten und stimmen Sie die Wahl der Wanderschuhe auf Ihren persönlichen Einsatzbereich ab. Neben wetterfestem Material und einer bequemen Passform beachten Sie bei der Schuhgröße mindestens eine Daumenbreite „Spiel“, damit Sie beim Bergablaufen nicht anstoßen. Neue Schuhe sollten vor der ersten Wanderung immer in mehreren Stufen eingelaufen werden. Gute Wandersocken erhöhen den
Tragekomfort und verhindern die Bildung von Blasen.

Bei der Wanderkleidung empfiehlt sich das „Zwiebelprinzip“.Mit Bildung mehrerer atmungsaktiver, wind- und wasserfesten Schichten sind Sie auf der sicheren Seite.

Keine Wanderung ohne Wanderrucksack für Wasser, Pflaster, Sonnencreme und Co.. Mit einem sogenannten Tagesrucksack (gepackt unter 10 kg) sind Sie gut beraten.

Wanderstöcke entlasten die Kniegelenke, insbesondere beim Bergabgehen. Außerdem hat man durch das gleichmäßige Belasten von Armen und Beinen im schwierigen Gelände so eine höhere Stabilität.

Viele Allergiker schwärmen, in den Bergen endlich wieder frei durchatmen zu können. Die dünne, reine, zumeist trockene Luft und eine erhöhte Sonneneinstrahlung bringen die körperlichen Abwehrmechanismen auf Hochtour, haben einen positiven Einfluss auf den Kreislauf und können vor einem Herzinfarkt schützen. Die Luft wird in den Höhen dünner und hat einen geringeren Sauerstoffgehalt. Dies zügelt den Appetit. Das heißt allerdings nicht, dass man den auf den Berghütten zumeist angebotenen regionalen und oftmals naturbelassenen Schmankerln widerstehen sollte. Die Kombination der Respekt gebietenden Landschaft und der körperlichen Betätigung, gepaart mit dem Genuss einer wohlverdienten schmackhaften Einkehr, machen eine Bergtour zu einem Rundumerlebnis für Körper, Geist und Seele. Kraftreserven richtig einplanen Gerade im Alter profitiert der Gelenk- und Muskelapparat besonders von der Bewegung an der frischen Luft. Der Körper produziert bei Bewegungsbelastung mehr Gelenkflüssigkeit und begünstigt einen weniger schmerzhaften, da reibungsloseren Bewegungsablauf. Wer einen Aufstieg plant, sollte auch immer genügend Kraftreserven für den Abstieg einplanen. Den Kniegelenken steht mit dem Abstieg das Schwierigste bevor. Zunehmender Beliebtheit erfreut sich daher die Planung einer „Wander auf – Fahr ab -Tour“.  Nach einem fordernden Bergaufstieg und dem entlohnenden Blick vom Gipfel, wird der Abstieg durch eine gelenkschonende sowie entspannende Bergbahnfahrt ersetzt.

Bergwetter ist speziell

Das engmaschige Netz gut präparierter und beschilderter Wanderwege in den deutschen Gebirgen sowie benachbarten Alpen bietet beste Bedingungen zur Betätigung und Erholung in der Natur. Doch bevor man nun seine Wanderschuhe schnürt, gilt es einiges zu beachten: Da wäre zum Beispiel das Wetter, bei dem Sie sich nicht nur auf die Prognose der gängigen Wetterportale im Internet verlassen sollten. Diese geben lediglich die Daten stationärer Wetterstationen wieder. Gerade in den Bergen kann das Wetter binnen weniger hundert Meter umschlagen. Die verlässlichsten Aussagen bieten Ihnen neben Bergwetter-Prognosen Einheimische vor Ort. Sie kennen „Ihre hiesigen Berge“ und sind in der Regel schon aufgrund ihrer eigenen wirtschaftlichen Tätigkeiten und Interessen sowie der langjährigen Erfahrung mit der Wetterlage gut vertraut. Am besten tauschen Sie sich mit Ihren Gastgebern über Ihre geplante Wanderroute aus. Oftmals wissen diese von nicht begehbaren oder gesperrten Abschnitten auf den Wanderwegen oder temporär geschlossenen Hütten und können Ihnen so eine ernüchternde Umkehr ersparen. Zudem springt vielleicht auch noch der eine oder andere „Geheimtipp“ für Sie dabei heraus.

Gut gerüstet auf Tour

Die richtige Ausrüstung ist für eine gelungene und sichere Wanderung Pflicht. Auch wenn Sie nur gelegentlich in den Bergen unterwegs sind, sollten Sie nicht am Schuhwerk und der Bekleidung sparen. Mit der korrekten Ausstattung und nach erfolgter Planung steht einer lustvollen Bergwanderung nichts mehr entgegen. Erleben Sie eine genussreiche Tour für Körper, Geist und Seele mit bleibenden Eindrücken.

 

Soziale und körperliche Fitness durchs Bergwandern

Wir sprachen mit Stefan Winter, Ressortleiter Breitensport, Sportentwicklung und Sicherheitsforschung beim Deutschen Alpenverein

SANITÄTSHAUS AKTUELL: Herr Winter, warum ist Bergwandern so gesund?

© Deutscher Alpenverein e.V.

© Deutscher Alpenverein e.V.

Winter: Bergwandern ist eine der gesündesten Sportarten überhaupt. Im Gehen finden Bergwanderer Naturgenuss und Erholung. Nicht umsonst wird dem Gehen auch eine meditative Wirkung zugeschrieben. Wer in Gesellschaft wandert, wird auch feststellen, welch wunderbare Gespräche dabei entstehen. Langsames Gehen ist ein sanftes Ausdauertraining und führt zur Ökonomisierung von Herz und Kreislauf, zur Kräftigung von Bein- sowie Rumpfmuskulatur und vor allem zur Entspannung für Geist und Seele.

SANITÄTSHAUS AKTUELL: Was gilt es bei Bergsportlern der Altersgruppe 50 plus zu beachten?

Winter: Bergwandern ist eine einseitige muskuläre Beanspruchung und kann zu unbemerkter Überlastungen führen. Wichtig ist, dass man in der Freizeit auch andere Sportarten wie Radfahren oder Schwimmen ausübt. Wer nicht regelmäßig wandert, muss auf Stolpern und Ausrutschen achten, insbesondere Personen mit Sehbeeinträchtigung sowie Koordinationsschwächen. Und natürlich sollte der Rucksack nicht zu schwer sein.

SANITÄTSHAUS AKTUELL: Welche Tipps können Sie als Fachmann geben, die das Bergerlebnis sicher gelingen lassen?

Winter: Man sollte sich gelegentlich die Frage stellen: Gehe ich nicht viel zu schnell den Berg hoch? Ein Messinstrument für die richtige Dosierung ist das Genussempfinden: Kann ich mich beim Gehen noch unterhalten? Fühle ich mich erholt? Es ist keine Schande, dies in erfahrene Hände von Tourenleiterinnen und Trainern in einer Alpenvereinssektion zu legen. Dies fördert einen weiteren gesundheitlichen Schutzfaktor: den sozialen Austausch. Denn was ebenso wie körperliche Überlastung krank macht, ist Einsamkeit. Diese kann vermeiden, wer in der Gemeinschaft wandert. Wenn der Begriff auch etwas aus der Mode ist, die Bergkameradschaft hat auch für die „soziale Fitness“ noch eine große Bedeutung.

SANITÄTSHAUS AKTUELL: Vielen Dank für das Gespräch.