Ausgabe 02 / 2017, Die Aktuelle, Ratgeber, Reise, Sonstiges
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Nützliche Tipps für eine barrierefreie Mobilität und einen selbstbestimmten Urlaub

Barrierefreies Reisen

Urlaub und Reisen sind wichtige Faktoren, damit behinderte und mobilitätseingeschränkte Menschen am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Fragen der barrierefreien Informationsbeschaffung, Anreise und Unterbringung sind dabei genauso von Bedeutung, wie die Möglichkeit, Freizeitangebote vor Ort wahrnehmen sowie den Alltag am Urlaubsort gestalten zu können. Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin hat für Sie einen Blick auf die barrierefreien Reisegegebenheiten geworfen.

Text: Christian Sujata

Der Sommer steht vor der Tür. Und die Monate Juni, Juli und August sind die Haupturlaubszeit der Deutschen. Mit dem Flugzeug, der Bahn, der Fähre oder dem eigenen Auto geht es dann beispielsweise auf die Kanaren, in die Bretagne, auf eine Nordseeinsel oder in die Berge. Für die meisten Menschen eine rundum schöne Zeit, in der man den Alltag und die Sorgen hinter sich lassen kann. Für Menschen mit einer Behinderung oder altersbedingten Einschränkungen sieht das anders aus. Für sie ergeben sich im Zusammenhang mit dem Reisen häufig zahlreiche Schwierigkeiten und Hindernisse. Sie müssen ihren Urlaubsaufenthalt samt Anreise deutlich intensiver planen, damit Sie keine bösen Überraschungen erleben. Ihr Urlaub soll dabei nicht nur aus behindertengerechten Hotels, Pensionen, Ferienwohnungen oder anderen
Unterkünften bestehen, sondern die ganze Servicekette muss barrierefrei abgedeckt sein. Dazu gehören auch An- und Abreise sowie die Freizeitangebote vor Ort.

Barrierefreies Buchen

Es ist enorm wichtig, dass das Reisebüro alle Details einer Behinderung kennt, um eine wirklich geeignete Unterkunft auswählen zu können. Werden wichtige Details verschwiegen, kann es vor Ort zu bösen Überraschungen kommen. Nur der Behinderte selbst oder seine Angehörigen wissen, welche Anforderungen Urlaubsunterkunft und -transportmittel erfüllen müssen.

Barrierefreie An- und Abreise

Viele deutsche Flughäfen sind heute bereits vorbildlich barrierefrei ausgebaut. Mit einer Parkerleichterung oder einem Schwerbehindertenausweis können Reisende an den Parkuhren im Bereich der Terminal-Vorfahrten kostenlos zum Be- und Entladen halten. Im gesamten Terminalbereich öffnen sich die Türen automatisch. Sie sind breit genug um beispielsweise mit dem Rollstuhl durchzufahren. Auf allen Ebenen des Terminals stehen zudem behindertengerechte Toiletten zur Verfügung. Bereits bei der Flugbuchung sollten die Urlauber dem Reisebüro oder der Fluggesellschaft mitteilen, inwieweit sie in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt sind sowie in welchem Umfang sie Hilfe benötigen und welche Hilfsmittel mitgeführt werden. Selbst Rollstühle und Behindertenbegleithunde können unter Berücksichtigung der gültigen Mitnahmebestimmungen mitgenommen werden. Wichtig ist, frühzeitig zu klären, welche Zusatzkosten auf einen zukommen können, welche Atteste sowie Unterlagen am Flughafen vorgelegt werden müssen und welche Betreuungsmöglichkeiten für die Flugreise bestehen. Für Bahnreisende bietet die Deutsche Bahn mit ihrer Mobilitätsservice-Zentrale ausführliche Beratung und tatkräftige Unterstützung bei der Reiseplanung an. Dazu gehört das unentgeltliche Reservieren von geeigneten Plätzen, die für die jeweilige
Einschränkung geeignet sind sowie die Hilfe beim Ein- und Umsteigen. Zudem kommen Urlauber mit einer Behinderung bei der Deutschen Bahn in den Genuss von Vergünstigungen
für den Gepäckservice, die Beförderung von Begleitpersonen oder die Benutzung der 1. Klasse.

Barrierefreie Unterkunft

Ist die Anreise überstanden und das Reiseziel erreicht, können Sie Ihre Unterkunft unter die Lupe nehmen. Da nicht jede Behinderung oder Einschränkung der anderen gleicht, muss die Bleibe entsprechend sorgsam ausgewählt werden. Bei Urlaubern mit einer Gehbehinderung oder Rollstuhlfahrern spielen der stufenlose Zugang zum Gebäude und den Räumlichkeiten, ausreichend breite Durchgänge sowie Duschstuhl und Haltegriffe eine besondere Rolle. Für Menschen mit einer Sehbehinderung ist es dagegen wichtig, dass bei Treppen mindestens die erste und letzte Stufe mit einer visuell kontrastierenden Kante oder das Gelände mit einem taktil erfassbaren Hinweis versehen sind, Blindenhunde erlaubt sind und ein durchgehendes Leitsystem mit Bodenindikatoren vorhanden ist.

Barrierefreie Zukunft

In den vergangenen Jahren konnten bereits beachtliche Fortschritte in Sachen barrierefreies Reisen gemacht werden. Doch in Zukunft sollte Barrierefreiheit zu einem Markenzeichen des Tourismus werden. Damit Menschen mit Behinderungen Reiseangebote wirklich optimal nutzen können, muss die Servicekette der unterschiedlichen Anbieter noch besser aufeinander abgestimmt werden. Ziel muss es sein, ein möglichst selbständiges Reisen für alle Menschen zu ermöglichen. Eine Weiterentwicklung bei der Infrastruktur von Verkehrsträgern, im Gastgewerbe, bei der Vernetzung und Vermarktung bestehender Angebote, der Qualifizierung von Unternehmen sowie von Mitarbeitern ist deshalb absolut wünschenswert. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales empfiehlt zudem, dass barrierefreie Angebote sich nicht nur auf Menschen im Rollstuhl konzentrieren sollten, sondern auch die Bedürfnisse von sehbehinderten, blinden, hör- und sprachbehinderten sowie die Belange geistig und seelisch
behinderter Menschen mehr berücksichtigen sollen.

Nach dem Urlaub ist vor dem Urlaub: Das SANITÄTSHAUS AKTUELL Magazin wird die Fortschritte in diesem Bereich beizeiten deshalb wieder unter die Lupe nehmen.