Ausgabe 03 / 2016, Die Aktuelle, Ratgeber, Rehabilitationstechnik, Sanitätshausbedarf
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Menschen im Sanitätshaus - Teil 3

Unabhängigkeit durch barrierefreie Mobilität

Im malerischen Nagold am Rande des Schwarzwaldes findet man das Sanitätshaus Schaible. Das Städtchen ist geprägt von historischem Fachwerk. Das Familienunternehmen bietet seinen Kunden moderne Reha-Technik, kompetente Fachberatung und hilft Menschen mit Handicap, unabhängig zu sein.

Text: Michi Jo Standl

Durch mein Medizinstudium habe ich einen breiten Blick auf alle Bereiche des Sanitätshauses“, erzählt Dr. Sonja Schaible. Die 44-jährige leitet das Sanitätshaus Schaible im baden-württembergischen Nagold und ist promovierte Ärztin. Bereits in dritter Generation kümmert sie sich im Unternehmen um Menschen, die auf Hilfsmittel angewiesen sind. Gegründet hat es ihr Großvater 1946 als orthopädischen Handwerksbetrieb.

Von der Orthopädiewerkstätte zum modernen Sanitätshaus

© Sanitätshaus Schaible

© Sanitätshaus Schaible

Anstatt als Ärztin zu praktizieren, stieg Sonja Schaible in das Unternehmen ein. „Ich hatte das Gefühl, dass ich alles, was ich für die Patienten tun möchte, im elterlichen Betrieb mehr umsetzen kann“, erzählt sie. Da schwingt der Unternehmergeist mit, den sie schon als Kind zuhause mitbekommen hat. Seitdem sie vor 18 Jahren in den Betrieb ihres Vaters Hansgeorg Schaible eingestiegen war, hat sie sich vor allem um die Entwicklung im Reha-Technik- und Care-Bereich – also alles rund um Pflege – gekümmert. Das Sanitätshaus Schaible versorgt inzwischen in fünf weiteren Niederlassungen Patienten mit Orthopädietechnik, Sanitäts- und
Homecare-Produkten sowie Reha-Technik.

Ein Leben für Ansprüche behinderter Menschen

Ein besonderes Anliegen ist Sonja Schaible die barrierefreie Mobilität, immer schon. Bereits während des Studiums hat sie etwa an einer Fotoausstellung mitgewirkt, bei der Studierende auf unüberwindbare Barrieren, wie Treppen, hingewiesen haben. Das war in den 1990er Jahren. In Deutschland habe sich zwar viel getan, sie engagiere sich aber nach wie vor außerhalb des Geschäftes, erzählt sie. Schaible bemüht sich nicht nur politisch um die Belange von Menschen mit Handicap. Das Sanitätshaus stellt Organisationen, Selbsthilfegruppen, Bürgerforen oder auch Schulen, die sich mit der Thematik beschäftigen, Hilfsmittel, wie Rollstühle, zur  Verfügung. Nicht nur an Sonja Schaible hat ihr Vater die Sensibilität für soziale Themen weitergegeben. Ihr Bruder hat in den 1980er Jahren den ersten barrierefreien Stadtplan der Stadt Nagold mitinitiiert. Das Anliegen Sonja Schaibles und ihrer Mitarbeiter ist es, für Kunden und Patienten das Beste herauszuholen: „Unser Anspruch ist, im Rahmen dessen was nötig ist und politisch getragen wird, den Menschen mit Behinderung so viel Lebensqualität und Selbstständigkeit zu geben, wie möglich.“

Nachwuchs sensibel heranführen

© Sanitätshaus Schaible

© Sanitätshaus Schaible

Die technischen Belange überlässt Sonja Schaible ihrem Prokuristen Gerd Hellstern. Er ist Bereichsleiter des reha teams und schon seit rund 20 Jahren im Unternehmen. „Nach der Operation, etwa der Amputation von Gliedmaßen, kommen wir ins Spiel und fertigen in Absprache mit den Ärzten die Hilfsmittel bedarfsgerecht an“, erklärt Hellstern. Dazu sind Erstbesuche vor Ort nötig. „Man muss an Patienten natürlich sehr sensibel herantreten“, so der Reha-Experte. Deshalb ist ihm auch die Sensibilisierung der Auszubildenden sehr wichtig. im ersten Lehrjahr, persönlich erst ab dem zweiten“, so Hellstern. Die Herausforderung sei, den Menschen die bestmögliche Versorgung zu geben, aber Schicksale nicht zu nah an sich heranzulassen. „Diese Sensibilität ist neben der Technik ein wichtiger Teil, den es zu vermitteln gilt“, sagt der Fachmann.

Sowohl Sonja Schaible als auch Gerd Hellstern gehen in ihren Aufgaben auf. „Jeder Mensch ist dazu bestrebt, seine Selbstständigkeit zu erhalten oder wieder zu erlangen. Dass wir da einen Beitrag leisten können, macht uns sehr froh.“, sind sich die beiden einig. Das sei das, was antreibt und motiviert, fügt Schaible hinzu.

Was ist barrierefreie Mobilität?
Zu barrierefreier Mobilität zählt uneingeschränktes Vorwärtskommen behinderter Menschen mit öffentlichenVerkehrsmittelen genauso, wie das Erreichen derInnenräume von öffentlichen Gebäuden, aber auch barrierefreiesWohnen in den eigenen vier Wänden. Sanitätshäuser unterstützen Patienten mit moderner Reha-Technik, ihre Mobilität zu erhalten oder wieder zu erlangen.Dazu zählen Rollstühle, Treppensteiger, Bade- und Toilettenlifte und vieles mehr. Kompetente Beratung und Einweisung gehört ebenfalls zu den Aufgabender Reha-Experten.

Linktipps

Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.
www.bsk-ev.org

Bundesverband für körper- und mehrfachbehinderte Menschen
www.bvkm.de

BAG Selbsthilfe
www.bag-selbsthilfe.de